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Aldi bietet Bauern Gespräch an

Nachdem Zentrallager des Discounters Lidl von wütenden Landwirten blockiert wurden, folgten am Dienstag Lager des Konkurrenten Aldi. Der bietet für Freitag ein Gespräch an.

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Traktoren blockieren die Zufahrt für Lieferfahrzeuge zu einem Discounter. Archivfoto: dpa / Nord-West-Media TV

Traktoren blockieren die Zufahrt für Lieferfahrzeuge zu einem Discounter. Archivfoto: dpa / Nord-West-Media TV

Hunderte Landwirte haben von Montagabend bis Dienstagmorgen zahlreiche Lager des Discounters Aldi Nord blockiert - unter anderem auch in Lingen mit Bauern aus dem Cloppenburger Südkreis.  «Ich schätze, dass in der Nacht rund 800 Schlepper vor den Lagern waren», sagte der Sprecher der Bauern-Protestbewegung «Land schafft Verbindung», Anthony Lee. Es seien auch viele Landwirte mit ihren Autos zu den Blockaden gefahren. Am Dienstagvormittag seien die Landwirte wieder abgezogen, nachdem Aldi ein Gesprächsangebot für Freitag abgegeben habe.

Weitere Blockade-Aktionen gab es unter anderem in Weyhe (Landkreis Diepholz), Seevetal (Landkreis Harburg), Beverstedt (Landkreis Cuxhaven),  Hesel (Landkreis Leer) und Rinteln (Landkreis Schaumburg). Auch ein Lager im münsterländischen Greven werde blockiert.

In Lingen zählte die Polizei bis zu 150 Landwirte in der Nacht. Am Morgen übergaben Vertreter von Aldi ein Positionspapier, worauf die verbliebenen 50 Landwirte den Ort verließen. Wegen der Blockade konnten in der Nacht rund 50 auslieferungsbereite Lastwagen nicht von dem Aldi-Lager wegfahren.

Treffpunkt in Löningen: Am Montagabend versammelten sich etwa 50 zumeist junge Landwirte. Ihr Ziel: Das Aldi-Zentrallager in Lingen. Foto: SiemerTreffpunkt in Löningen: Am Montagabend versammelten sich etwa 50 zumeist junge Landwirte. Ihr Ziel: Das Aldi-Zentrallager in Lingen. Foto: Siemer

Polizeiangaben zufolge waren in Weyhe am Dienstagmorgen noch etwa 60 Traktoren vor Ort, die den Lieferverkehr von und zu dem Lager blockierten. Nach einem Gespräch zwischen Filialleitung, Landwirten und Polizei gaben die Bauern ihre Blockade am Vormittag auf. Am späten Montagabend waren dort rund 180 Landwirte und Traktoren, wobei sich die Landwirte stetig abgewechselten. In Beverstedt waren laut Polizei bis zur Auflösung etwa 60 Landwirte an der Blockade beteiligt. Am späten Montagabend seien es etwa 130 gewesen.

Aldi will sich mit "Land schafft Verbindung" treffen

Ein Sprecher von Aldi Nord teilte mit, dass es in dieser Woche Gespräche mit den Landwirten geben solle. Unter anderem sei für Freitag ein Austausch mit Vertretern von «Land schafft Verbindung», Handelsunternehmen und dem Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels angesetzt. «Die Gespräche werden wir persönlich und gemeinsam mit Vertretern von Aldi Süd führen», hieß es.

Wichtig aus Sicht der Landwirte sei es, dass nun zügig Hilfen auf den notleidenden Betrieben ankommen, sagte Lee. Von dem Gespräch am Freitag erhoffe man sich, dass es konkrete Vorschläge gebe, wie es kurzfristig und langfristig weitergehe.

Viele Landwirte leiden seit einiger Zeit unter einem rapiden Verfall der Erzeugerpreise. Dieser resultiert auch aus den Folgen der Corona-Pandemie, weil etwa die Gastronomie als wichtiger Abnehmer von Lebensmitteln derzeit weitestgehend ausfällt. Im Schweinebereich aber spielt auch die Schließung des wichtigen Exportmarktes China eine wichtige Rolle für den Preisverfall, nachdem in Deutschland im September die Afrikanische Schweinepest nachgewiesen wurde. Landwirte beklagen aber, dass für die Endverbraucher die Preise nicht gesenkt wurden, sich also der Lebensmittelhandel auf Kosten der Landwirte bereichere.

Landwirtschaftsministerium erwartet Lösungsvorschläge

Bereits am Montag hatte Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) zu einer Gesprächsrunde zur schwierigen wirtschaftlichen Situation der Landwirte geladen. Anwesend waren Vertreter niedersächsischer Molkereien, des Einzelhandels, landwirtschaftlicher Verbände und ein Marktexperte der Landwirtschaftskammer. In vier Wochen soll es Lösungsvorschläge geben.

Schon in der vergangenen Woche blockierten Landwirte Zentrallager etwa des Aldi-Konkurrenten Lidl. Die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) will 50 Millionen Euro zur Unterstützung der Landwirte zur Verfügung stellen zu wollen. Der Präsident des Deutschen Bauernverbandes, Joachim Rukwied, hatte das Angebot als ein nicht ausreichendes Trostpflaster bezeichnet.

Aldi Nord hatte am Sonntag erklärt, mit Bauernvertretern zeitnah weitere Gespräche zu führen. Dabei könne es etwa um die Idee eines Fairtrades für die deutsche Landwirtschaft gehen oder die Förderung der Landwirte durch eine flächendeckende, angemessene Bezahlung bei höheren Qualitätsstandards.

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