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Agrarforum fordert Planungssicherheit

Auf der AEF-Mitgliederversammlung in Calveslage bei "Big Dutchman" gab es einen Alarmruf in Richtung Politik. Der Vorsitzende Sven Guericke zählte Versäumnisse auf. Es herrsche "Krisenstimmung".

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Zu Gast bei Big Dutchman in Calveslage: Der Vorstand des Agrar- und Ernährungsforums Oldenburger Münsterland (AEF) und der Gastredner Christoph Metzner (Mitte), Referent für „Political Affairs“ beim Deutschen Raiffeisenverband (DRV). Foto: Tzimurtas

Zu Gast bei Big Dutchman in Calveslage: Der Vorstand des Agrar- und Ernährungsforums Oldenburger Münsterland (AEF) und der Gastredner Christoph Metzner (Mitte), Referent für „Political Affairs“ beim Deutschen Raiffeisenverband (DRV). Foto: Tzimurtas

Es waren Sätze von mahnender Klarheit, die Sven Guericke sprach. In der Branche herrsche „Krisenstimmung“, sagte der Vorsitzende des Agrar- und Ernährungsforums Oldenburger Münsterland (AEF) am Montag auf der Mitgliederversammlung des Vereins, dem etwa 80 Unternehmen und Verbände angehören. Und: Noch nie habe der Wirtschaftszweig vor solch „drastischen und vielfältigen Herausforderungen gestanden wie heute“.

Landwirte würden um ihre Existenz bangen. Die Lage auf den Höfen sei seit Monaten „prekär“, betonte Guericke. Die Schweinepreise seien am Boden, Exportmärkte aufgrund der Afrikanischen Schweinepest im Osten Deutschlands weggebrochen. Und die Nachwirkungen der Coronapandemie seien in der gesamten Kette der Erzeugung von Schweinefleisch „gleichermaßen spürbar“. Hinzu kämen „hohe Futterkosten und explodierende Energie- und Rohstoffpreise“.

Guericke mahnt Finanzierungsmodell für Borchert-Plan an

Damit nicht genug: Mangelnde Perspektiven und fehlende Planungssicherheit seien die Hauptgründe, warum laut einer Umfrage der Interessengemeinschaft der Schweinehalter Deutschlands (ISN) mit Sitz in Damme die Hälfte der deutschen Schweinehalter in den nächsten zehn Jahren aussteigen will.

Marktverwerfungen, Pandemie, Seuchengeschehen – und eine zögerliche Politik, wenn es um die Weichenstellungen für die Zukunft geht. Das macht die Dramatik für die Agrar- und Ernährungswirtschaft aus. Auf der AEF-Mitgliederversammlung, die in Calveslage beim Stallausrüster-Unternehmen „Big Dutchman“ abgehalten wurde, ging es auch um Lösungen.

Guericke gab einen Überblick über die Mitwirkung des AEF an wichtigen Initiativen der Politik und des Lebensmitteleinzelhandels – und er erneuerte Forderungen. Im Fokus stehen dabei die Empfehlungen der Kommission unter der Leitung von Ex-Agrarminister Jochen Borchert zur Zukunft der Nutztierhaltung.

Verlässliche Rahmenbedingungen für Landwirte nötig

Das AEF habe sich „grundsätzlich positiv“ dazu ausgesprochen. Doch fehle es immer noch an einem langfristigen Finanzierungsmodell für den Systemwechsel in der Tierhaltung hin zu mehr Tierwohl. Die Kosten seien abzufedern; aber allein über höhere Verbraucherpreise sei der Mehraufwand in den Ställen nicht zu finanzieren. „Hier ist die neue Bundesregierung gefordert“, betonte Guericke.

Zudem seien Regelungen im Umwelt-, Immissions-, Bau- und Planungsrecht anzupassen und aufeinander abzustimmen. Landwirte müssten „Klarheit und verlässliche Rahmenbedingungen bekommen“.

Wie sehr dies eine zentrale Frage für die gesamte Volkswirtschaft der Region ist, machte Jan Müller in seinem Grußwort deutlich. Der Präsident der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer (IHK) hob hervor: Das Ernährungsgewerbe mache fast 49 Prozent des Industrieumsatzes im Kammerbezirk aus, habe „eine überragende Bedeutung“.

4 Stiftungsprofessuren sollen Forschungscluster angehören

Welche Perspektiven es gibt in Zeiten erhöhter gesellschaftliche Anforderungen und der Notwendigkeit, dem Klima- und Umweltschutz viel mehr Rechnung zu tragen, dazu soll auch die Wissenschaft einen Beitrag leisten. Vier Stiftungsprofessuren für die Universität Vechta, die sich mit der nachhaltigen Entwicklung der Branche befassen sollen, werden von Unternehmen des AEF, von der IHK sowie den Landkreisen Vechta und Cloppenburg finanziert.

Guericke machte deutlich, dass die Professuren nicht dem neu gegründeten Institut VISTRA der Universität angehören werden, sondern einem Forschungscluster. Wie sich dies institutionell gestaltet, etwa in einem eigenen Institut, soll am 22. November zwischen dem Stifterkreis und den Uni-Präsidium besprochen werden.

Ergebnisse der Zukunftskommission als gesellschaftlicher Konsens

Wie es im Agrarsektor insgesamt in Deutschland weitergehen soll, dazu gab es eine „Zukunftskommission Landwirtschaft“ mit 31 Teilnehmern aus der Wirtschaft, der Wissenschaft und von Nichtregierungsorganisation. Die Empfehlungen liegen seit dem 6. Juli vor, der Bericht wurde Bundeskanzlerin Angela Merkel überreicht.

Mit dabei bei der Ausarbeitung der Leitlinien war Franz-Josef Holzenkamp aus Emstek, Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV). Er sollte als Gastredner bei der AEF-Veranstaltung über die Kommission berichten, musste aber krankheitsbedingt absagen. Er wurde von Christoph Metzner vom DRV vertreten, der in Holzenkamps Stab gearbeitet hat.

In seinem Vortrag hob er als Besonderheit hervor, dass sich gerade diejenigen Akteure auf einen Konsens verständigt haben, die sich zuvor „in Schützengräben“ gegenüberlagen. In wieweit die neue Bundesregierung die vorgelegten Leitplanken übernehme, sei aber ungewiss.

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