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800 Caritas-Ärzte in der Region bekommen höhere Gehälter

Tarifabschluss: Die Mediziner in den katholischen Kliniken erhalten nicht nur mehr Geld. Hinzu kommen weniger Bereitschaftsdienste und mehr freie Wochenenden.

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Gutes Geld für gute Arbeit, wie bei dieser Knie-OP: Ärzte an katholischen Kliniken bekommen höhere Gehälter. Foto: dpa/Hoppe

Gutes Geld für gute Arbeit, wie bei dieser Knie-OP: Ärzte an katholischen Kliniken bekommen höhere Gehälter. Foto: dpa/Hoppe

Die Ärztinnen und Ärzte in den katholischen Krankenhäusern in Niedersachsen und Bremen bekommen mehr Geld und bessere Arbeitsbedingungen. Darauf haben sich die Arbeitgeber- und Mitarbeitervertreter in der zuständigen Tarifkommission verständigt. Der Beschluss wurde wegen der Corona-Pandemie erstmals in einer Videokonferenz gefasst.

Die Einigung sieht im Kern vor, dass die Gehälter der Mediziner rückwirkend zum 1. Januar 2020 um 6,6 Prozent erhöht werden.  Betroffen von den neuen Regelungen sind mehr als 3000 Mediziner im Nordwesten. Dazu zählen nach Recherchen dieser Redaktion alleine im Offizialatsbezirk Oldenburg etwa 800 Ärzte in Ausbildung sowie Fachärzte, Oberärzte und stellvertretende Chefärzte.

Sie arbeiten in zahlreichen Einrichtungen. Dazu gehören im Oldenburger Land neben Kliniken wie dem Johanneum in Wildeshausen oder dem Pius-Hospital in der Stadt Oldenburg auch zehn Häuser in den Kreisen Vechta und Cloppenburg: die Krankenhäuser in Vechta, Lohne, Damme, Cloppenburg, Löningen und Friesoythe, die Jugend- und Erwachsenenklinik der Clemens-August-Stiftung in Neuenkirchen sowie die Sucht-Fachkliniken in Visbek und Neuenkirchen-Vörden.

Das Stethoskop ist weiterhin ein wichtiges Diagnoseinstrument für Ärztinnen und Ärzte. Foto: dpa  VennenberndDas Stethoskop ist weiterhin ein wichtiges Diagnoseinstrument für Ärztinnen und Ärzte. Foto: dpa / Vennenbernd

Die neuen Regelungen sehen neben der Erhöhung der Gehälter auch steigende Stundenentgelte für Bereitschaftsdienste sowie höhere Einsatzzuschläge im Rettungsdienst vor - ebenfalls rückwirkend zum 1. Januar um 6,6 Prozent. Rückwirkend zum 1. April können die Ärzte auch einen Freizeitausgleich anstelle einer Vergütung der Bereitschaftsdienste erhalten.

Zudem wurden weitere Änderungen zur Arbeitszeit und zur Begrenzung von Bereitschaftsdiensten vereinbart. Wegen der anhaltenden, durch die Corona-Pandemie gekennzeichneten Situation, haben sich beide Seiten allerdings darauf verständigt, dass diese Regelungen erst am 1. Januar 2021 in Kraft treten.

Dazu zählt unter anderem, dass die Höchstgrenze der wöchentlichen Arbeitszeit von 58 auf 56 Stunden reduziert wird, heißt es. Weiterhin gilt künftig die gesamte Anwesenheit am Arbeitsplatz - abzüglich der Pausen - als Arbeitszeit.

Anzahl der Bereitschaftsdienste wird begrenzt

Daneben muss zwischen Bereitschaftsdienst und Schichtdienst den Angaben zufolge ab kommendem Jahr jeweils ein Zeitraum von 72 Stunden liegen. Und: Die Anzahl der Bereitschaftsdienste wird innerhalb eines Kalenderhalbjahres auf durchschnittlich vier pro Monat begrenzt. In kleinen Fachabteilungen sind - nach Vereinbarung - bis zu sieben Bereitschaftsdienste erlaubt. Als Ausgleich für den zeitlichen Verzug erhalten alle Ärzte im Januar 2021 eine Einmalzahlung in Höhe von 700 Euro.

"Wir freuen uns darüber, dass es trotz der wirtschaftlich schwierigen Zeit eine Einigung im Blick auf die Vergütung der Ärztinnen und Ärzte in katholischen Kliniken im Oldenburger Land gegeben hat."Dr. Martin Pohlmann, stellvertretender Direktor des Landes-Caritasverbandes für Oldenburg

Sowohl auf der Mitarbeiterseite als auch bei den katholischen Arbeitgebern - Dienstgeber genannt - fielen die Reaktionen auf den Tarifabschluss positiv aus. "Wir freuen uns darüber, dass es trotz der wirtschaftlich schwierigen Zeit eine Einigung im Blick auf die Vergütung der Ärztinnen und Ärzte in katholischen Kliniken im Oldenburger Land gegeben hat", sagt der stellvertretende Direktor des Landes-Caritasverbandes für Oldenburg, Dr. Martin Pohlmann, auf Anfrage in Vechta.

"Und wir freuen uns sehr, dass wir den Beschluss der Bundeskommission eins zu eins übernehmen konnten", erklärt Oliver Hölters aus Dinklage für die Mitarbeiterseite. Bei vorherigen Tarifrunden mussten die Angestellten im Norden oft zeitliche Verzögerungen und inhaltliche Zugeständnisse hinnehmen.


Fakten:

  • Die Arbeitsrechtliche Kommission des Deutschen Caritasverbandes legt die Richtlinien für Arbeitsverträge in den Einrichtungen und Diensten des Verbandes fest.
  • Bereits im Juni wurde auf Bundesebene ein Tarifabschluss für die Caritas-Ärzte ausgehandelt. Er kommt aber nicht automatisch in der hiesigen Region an.
  • Denn: Die Bundesbeschlüsse müssen vor Ort umgesetzt werden. So sieht es das kirchliche Arbeitsrecht vor.
  • Für die Bundesländer Niedersachsen und Bremen und somit den Offizialatsbezirk Oldenburg ist die Regionalkommission Nord zuständig.
  • Dieses Gremium setzt sich aus je sieben Vertretern der Arbeitgeber- und der Mitarbeiterseite zusammen.
  • Der Bundesbeschluss kann dort um bis zu 20 Prozent nach oben oder unten korrigiert werden.

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