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Zwischen Handballlust und Verletzungsfrust

Christian Herz aus Vechta und Theo Teuteberg aus Lohne leben für ihren Sport und haben dafür früh ihre Heimat verlassen – jetzt stehen beide vor einer richtungsweisenden Saison.

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Kraftvoll ins Eins-gegen-eins-Duell: Christian Herz vom Team HandbALL Lippe II. Foto: TBV Lemgo/Max Grote

Kraftvoll ins Eins-gegen-eins-Duell: Christian Herz vom Team HandbALL Lippe II. Foto: TBV Lemgo/Max Grote

Sie sind aktuell die größten Handballtalente, die der Kreis Vechta zu bieten hat: Christian Herz aus Vechta und Theo Teuteberg aus Lohne. Beide leben für ihren Sport und sind früh in die Handball-Hochburgen Lemgo und Minden gezogen. OM-Medien hat sich erkundigt, wie es ihnen dort geht.

Christian Herz

Für Christian Herz beginnt gerade ein neuer Lebensabschnitt. Nach „fast fünf Jahren WG-Leben“ bezieht der 21-Jährige in Lemgo seine erste eigene Zwei-Zimmer-Wohnung. Nach einem Kreta-Urlaub mit seiner Freundin wird es auch sportlich langsam wieder ernst für den Vechtaer. „Am Donnerstag ist das erste Hallentraining. Am Freitag fahren wir mit der Mannschaft Wasserski in Paderborn und grillen. Und am Montag beginnt die Vorbereitung“, erzählt Christian Herz.

Von der vergangenen Saison sind dem Rückraum-Linken, der für das Team HandbALL Lippe II in der 3. Liga spielt (ALL steht für Augustdorf, Lemgo, Lippe), vor allem zwei Highlights in Erinnerung geblieben: Im Januar durfte er mit dem Bundesliga-Team des TBV Lemgo ein Turnier in Dessau spielen und warf gegen Zweitligist Dessau-Roßlauer HV fünf Tore. Auch im Bundesliga-Derby gegen Lübbecke stand er wenig später im Kader der Ersten, die einige Corona-Ausfälle zu beklagen hatte, kam aber nicht zum Einsatz.

Im Saisonfinale zog Lippe noch am Erzrivalen GWD Minden II vorbei

Und dann waren da noch diese unvergesslichen Tage im März: Saisonfinale, Kampf gegen die Abstiegsrunde, Fernduell mit dem Erzrivalen GWD Minden II. Mit Siegen gegen die Topteams Spenge (34:33; Pause: 16:19) und Wilhelmshaven (26:23) fing Lippe die Mindener überraschend noch ab. Das finale 32:23 in Bielefeld war dann die Kür. „Für mich war das die schönste Woche der Saison“, sagt Christian Herz, der in allen drei Partien eine gute Rolle spielte.

Das Finale versöhnte ihn auch mit einer Saison, in der es Höhen und Tiefen gab. Aufgrund einer Fuß- und einer Fingerverletzung verpasste er 4 der 22 Punktspiele. In den 18 Partien warf er 36 Tore. Mitunter durfte er nur in der Abwehr spielen. In Linus Geis hatte Herz zudem einen starken Konkurrenten auf der „Königsposition“ Rückraum links.

Geis ist nun zum Zweitligisten DJK Rimpar gewechselt. Allerdings hat Lippe mit Fynn Hasenkamp (19) aus der Flensburg-Akademie einen neuen talentierten Halblinken verpflichtet. Das letzte Vertragsjahr in Lemgos U 23 wird also ein spannendes für Christian Herz. Auch beruflich: Seine Ausbildung zum Kaufmann für Marketingkom-munikation bei den Stadtwerken Lemgo hat er verkürzt. Im Januar 2023 ist er fertig. Wie es dann weitergeht, soll sich bis Ende des Jahres klären.

Er hofft, dass seine Schulter hält: Theo Teuteberg spielt für die Bundesliga-A-Jugend von GWD Minden. Foto: GWD MindenPetra DambergEr hofft, dass seine Schulter hält: Theo Teuteberg spielt für die Bundesliga-A-Jugend von GWD Minden. Foto: GWD Minden/Petra Damberg

Theo Teuteberg

Vor etwas mehr als einem Jahr ging für Theo Teuteberg (18) ein Handballer-Traum in Erfüllung. In zwei U-17-Länderspielen gegen Frankreich trug der Lohner in Rostock das Trikot der deutschen Nationalmannschaft und erzielte sogar ein Tor. Coronabedingt war sein Debüt vorher zweimal verschoben worden. Wenige Monate zuvor war er vom TV Bissendorf-Holte in die Nachwuchsabteilung des Bundesligisten GWD Minden gewechselt – und vom Lohner Gymnasium aufs Mindener Besselgymnasium, eine Sportschule, die eng mit GWD kooperiert.

Doch danach wurde es ruhig um den Linkshänder. Beim Werfen waren Schmerzen aufgetreten. Eine Untersuchung beim Hamburger Orthopäden Dr. Achim Hedtmann ergab: Grund für die Beschwerden war eine Überbeweglichkeit der Schulter, die eine Instabilität zur Folge hat. „Die Schulter war für acht Trainingseinheiten die Woche einfach nicht geeignet“, sagt der Lohner.

Sein letztes richtiges Spiel bestritt Theo Teuteberg im November 2021

Mit Krafttraining versucht er seitdem, die Schulter zu stabilisieren. Offenbar mit Erfolg. Zwar führte das Krafttraining zwischenzeitlich zu einer Sehnenreizung am Trizeps, die ihn erneut zu einer Pause zwang. Doch grundsätzlich sieht sich Theo Teuteberg auf einem guten Weg. „So langsam kommt's wieder. Ich bin jetzt ungefähr bei 85 Prozent Wurfhärte“, sagt er. Während der langen Auszeit habe er zudem seinen Körper „deutlich besser kennengelernt. Ich weiß mittlerweile viel besser, wie ich in manchen Situationen mit ihm umgehen muss. Und ich bin viel geduldiger geworden.“

Sein letztes richtiges Spiel bestritt der Lohner am 20. November 2021 in der A-Jugend-Bundesliga beim Nachwuchs des Deutschen Meisters SC Magdeburg, er erzielte dabei vier Tore. Seitdem hat er nur noch eingeschränkt trainiert. „Abwehr und passen ging, aber werfen durfte ich nicht“, erinnert er sich. Jetzt tastet er sich langsam wieder heran – und hofft, dass ihm eine OP erspart bleibt.

Ende Juli beginnt bei GWD Minden die Vorbereitung auf die nächste Saison – für Theo Teuteberg ist es das letzte A-Jugend-Jahr. „Die Vorfreude ist schon extrem“, sagt er: „Ich weiß allerdings überhaupt nicht, wo ich stehe.“ Kontakt zum Deutschen Handballbund (DHB) hat er nicht mehr. „Aber ich sehe das recht entspannt“, sagt er. Die beiden Länderspiele bleiben ihm: „Die sind für immer in meinen Gedanken.“

Trotz aller Schwierigkeiten – den Wechsel nach Minden hat er nicht bereut. „Schule läuft super“ sagt er. Nächstes Jahr macht er sein Abi (G8). Eine erste wichtige Prüfung hat er schon bestanden: die für seinen Autoführerschein.

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