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Zwischen DM-Träumen und Corona-Frust

Der Dammer Top-Läufer Viktor Kuk hat seit September keinen Wettkampf mehr bestritten – allmählich leidet seine Motivation.

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Ein Bild aus besseren Tagen: Viktor Kuk beim Dammer Stadtlauf im Jahr 2019. Foto: Wenzel

Ein Bild aus besseren Tagen: Viktor Kuk beim Dammer Stadtlauf im Jahr 2019. Foto: Wenzel

Zum Glück hat Viktor Kuk neben dem Laufen noch etwas anderes zu tun. In einem Nachhilfe-Institut in Vechta hilft der angehende Lehrer derzeit Flüchtlingskindern beim Homeschooling. Nebenbei muss er bis zum 11. Mai noch seine Masterarbeit in Theologie an der Uni Dortmund fertig bekommen. Thema: „Welche theologischen Implikationen lassen sich aus den Darstellungen der apokalyptischen Reiter in der Kunstgeschichte ableiten?“. Immerhin, für Langeweile bleibt da keine Zeit. Trotz Corona.

Im Sport dagegen überwiegt bei Viktor Kuk im Moment der Frust. In wenigen Wochen findet in Braunschweig – der Heimat seines Vereins LG Braunschweig – die Deutsche Meisterschaft statt (4. bis 6. Juni). Eigentlich das Jahres-Highlight für den Mittelstreckler aus Damme. Doch von seiner Wettkampfform ist der 31-Jährige derzeit weit entfernt. Und bislang hatte er auch noch keine Gelegenheit, sich für die DM überhaupt zu qualifizieren. Sein letztes Rennen bestritt er im September 2020 bei der Landesmeisterschaft in Hannover, wo er über 800 Meter Zweiter wurde. „Ich trainiere seit Oktober wieder, aber ich hatte seitdem keinen einzigen Wettkampf mehr“, berichtet Viktor Kuk: „Die Spannung, das Adrenalin, die Wettkampfhärte, mal voll ins Laktat gehen – das ist alles völlig weg.“

Das Problem für Athleten wie Viktor Kuk sind die Corona-Vorgaben der Politik. Der Dammer, der in Vechta wohnt, betreibt Leistungssport, fällt aber nicht in die Kategorie der Profisportler, für die während der Pandemie zahlreiche Ausnahmen gelten. Er gehört zur erweiterten deutschen Spitze, erreichte schon oft das Finale und gute Platzierungen bei Deutschen Meisterschaften, hat aber keine realistische Olympia-Chance.

Für Kuk gelten während der Corona-Krise im Prinzip die gleichen Rechte wie für einen Hobbyläufer

Auch als Landeskader-Athlet dürfte er trotz Corona seinen Sport weiter ausüben. Doch für eine Nominierung sind Viktor Kuk und viele andere Sportler zu alt – hier werden nur Athleten bis 23 Jahre berücksichtigt.

Für Kuk gelten im Prinzip die gleichen Rechte wie für einen Hobbyläufer. Selbst wenn er an einem Wettkampf teilnehmen dürfte, könnte er das nicht, weil er noch nicht einmal eine Unterkunft buchen dürfte.

Auch Kuks Trainingsmöglichkeiten sind durch die Pandemie stark eingeschränkt. Im Moment darf er noch nicht einmal die Laufbahn der Anlage an der Uni Vechta nutzen. „Stattdessen fahre ich ein-, zweimal die Woche nach Damme, um dort zu trainieren“, berichtet er.

Dennoch hat er die Hoffnung auf einen DM-Start noch nicht aufgegeben. Am 15. Mai findet in Karlsruhe ein stark besetztes Lauf-Meeting statt, an dem Kuk gerne teilnehmen würde. Doch auch sportlich sind die Hürden für eine DM-Teilnahme hoch. Über 1500 Meter liegt die Norm bei 3:48 Minuten. Größere Chancen rechnet sich Kuk da schon über 3000 Meter Hindernis aus, wo die Mindestleistung auf 9:10 Minuten festgelegt wurde. Einen Start über 800 Meter schließt der 31-Jährige aus. „Dafür habe ich viel zu wenig Sprinttraining gehabt“, sagt er.

Fürs Erste wäre Viktor Kuk froh, wenn er überhaupt mal wieder einen Wettkampf bestreiten dürfte. „Ich will einfach mal wieder an der Linie stehen und mich mit anderen messen“, sagt er und gibt zu: „Im Moment fehlt mir ein bisschen die Motivation.“ Und auch wenn er sich im Moment viel mit ihnen befasst: Die apokalyptischen Reiter – die vier biblischen Boten des Weltuntergangs – trifft daran ausdrücklich keine Schuld.

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