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Zwei Enttäuschungen in Folge – das kann kein Zufall sein

Auch für EM-Kolumnist Oliver Hüsing war das 0:2 im  Achtelfinale gegen England „ernüchternd und enttäuschend“. Und nach 15 Löw-Jahren ergänzt er: „Jetzt wird's wirklich Zeit für etwas Neues.“

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Die Art und Weise, wie wir am Dienstagabend ausgeschieden sind, war ernüchternd und enttäuschend – das kann man nicht anders sagen. Insgesamt war's sehr ausgeglichen, mit einem besseren Beginn für uns. Dann kam England besser rein. Das Spiel war taktisch geprägt, die Systeme waren sehr ähnlich. Die Engländer haben uns gespiegelt, was zu dieser Ausgeglichenheit geführt hat. Dazu kam, dass beide Teams sehr auf Sicherheit bedacht waren und wenig Risiko eingegangen sind. Gefährlich wurde es ja nur bei Einzelaktionen oder wenn der Gegner einen gravierenden Fehler gemacht hat.

Hätte Deutschland in der 75. Minute das 1:0 gemacht, hätte man von einer reifen, erwachsenen Leistung gesprochen. So gilt das jetzt für die Engländer – und Deutschland muss sich den Vorwurf gefallen lassen, nicht offensiver in dieses Spiel gegangen zu sein.

Nach dem 0:1 hätte ich mir gewünscht, dass wir direkt danach offensiv wechseln. Abwehr- und Mittelfeldspieler raus, zwei Offensive rein. Du musst „all in“ gehen, so etwas ist immer ein Zeichen an die Mannschaft. Da hätte man einen Teil der Stabilität zugunsten der Offensive aufgeben müssen. Und wenn es einen Zeitpunkt gibt, um Kevin Volland zu bringen, dann in der 76. Minute nach dem 0:1 in einem K.o.-Spiel. Du brauchst einen anderen Impuls, solche Zeichen haben total gefehlt.

Wenn man das letzte WM-Turnier in Russland dazunimmt, muss man deutlich sagen: Jetzt wird's wirklich Zeit für etwas Neues. Löw bleibt für mich immer der Weltmeister-Trainer von 2014. Das verliert er auch nicht. Aber die letzten zwei Turniere haben schon an seinem Denkmal gekratzt. Gut, dass es jetzt vorbei ist. Die Mannschaft braucht frischen Wind.

Löw war fast 15 Jahre im Amt, das ist im Fußball eine unglaublich lange Zeit. Unterbewusst haben sich bei ihm und seinem Trainerstab ganz sicher viele Dinge eingeschlichen, die sie selber gar nicht so wahrgenommen haben, aber die dazu geführt haben, dass es so ist, wie es ist. Genau benennen kann ich das nicht, dafür hab' ich zu wenig Einblicke. Aber offensichtlich fehlt etwas, um richtig erfolgreich zu sein. Das war jetzt das zweite Turnier in Folge, das nicht gut war. Das kann in meinen Augen kein Zufall sein.

Nun ist es wichtig, dass mit Hansi Flick jemand von außen kommt, der einen neuen Blickwinkel mitbringt, der diese alten Strukturen jetzt einfach mal aufbricht. Es geht um neue Ansichten, neue Ansprachen und Abläufe. Am Kader wird sich nicht viel ändern. Eine Rücktrittswelle erwarte ich nicht. Wenn, dann geht's ja eh nur um Müller, Hummels und Kroos. Neuer ist weiter gesetzt, der hört nicht auf. Und die anderen drei haben ein ordentliches Turnier gespielt – nicht gut, aber ordentlich. Ich sage jetzt nicht, dass sie zurücktreten müssen. Ich bin auch kein Freund davon, so ad hoc nach dem Turnier und aus den Emotionen heraus zu sagen: Der oder der muss weg.

Warten wir mal ab, was Flick sagt. Für mich ist entscheidend, wie die aktuelle Leistung ist und dass man nicht nur auf Potenziale schaut. Flick wird sich ein Bild machen, auch mit Blick auf die älteren Spieler. Für einen Umbruch müsste er richtungweisende Entscheidungen treffen. Auf wen verzichtet man, um Platz für andere zu schaffen?

Flick wird sicher eine andere Ansprache wählen. Und er hat ja auch bei den Bayern gezeigt, dass er mit dem gleichen Kader etwas bewegen kann. Die Kovac-Zeit und die Zeit unter Flick – das waren ja Welten. Grundsätzlich muss man aber auch Flick erst mal die Zeit geben, eine Entwicklung zu vollziehen.

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