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Zurück an der alten Wirkungsstätte

Von 2016 bis 2018 spielte Radii Caisin für Rasta Vechta. Am Sonntagabend gastiert der 19-Jährige mit den Merlins Crailsheim bei seinem Ex-Klub.

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Seit diesem Sommer ein "Zauberer": Radii Caisin. Foto: Philipp Reinhard

Seit diesem Sommer ein "Zauberer": Radii Caisin. Foto: Philipp Reinhard

Dreimal hat's nicht geklappt, jetzt folgt Versuch Nummer vier: Radii Caisin, Basketballer in Diensten der Hakro Merlins Crailsheim, freut sich riesig auf den Sonntagabend, auf das Bundesliga-Duell bei Rasta Vechta (18.00 Uhr), auf die Chance, sich erstmals gegen seinen Ex-Klub beweisen zu können. „Schön, mal wieder in Vechta zu sein“, sagt der 19-Jährige. In der vergangenen Saison, als der junge Shooting Guard noch das Trikot der MHP Riesen Ludwigsburg trug, hätte er theoretisch dreimal gegen Rasta spielen können. Aber in der Praxis sah's anders auf. Beim Auswärtsspiel in Vechta sowie beim Gruppenspiel im Rahmen des Finalturniers in München stand Caisin nicht im Riesen-Kader, und beim Hauptrunden-Heimspiel kam er nicht zum Einsatz. „Aber jetzt“, sagt Caisin mit Blick auf den neunten BBL-Spieltag.

Caisin und Co. reisen mit breiter Brust an. Crailsheim gehört mit sieben Siegen aus acht Spielen der Spitzengruppe an, als Tabellenzweiter liegen die Merlins gerade vor Schwergewichten wie München, Berlin, Oldenburg, Ulm und Bamberg. „Wir zeigen, dass das letzte Jahr kein Zufall war“, erklärt Caisin. Der Standort Crailsheim habe sich „enorm entwickelt“. Bereits in der Saison 2019/20 sorgten die „Zauberer“ für Furore. Beim Abbruch der Hauptrunde lagen sie mit 15 Siegen aus 21 Spielen auf Platz drei, erst beim Finalturnier in München ging ihnen der Sprit aus (fünf Niederlagen). 

Dass die fünf besten Scorer des Teams im Sommer den Klub verließen, war der Fluch der guten Taten. Aber der finnische Coach Tuomas Iisalo schaffte es, eine neue funktionierende Einheit zu formen. „Wir verstehen uns richtig gut, auch außerhalb des Feldes“, berichtet Caisin. Er war im Sommer einer von neun Neuzugängen bei den Merlins und fühlt sich wohl in der neuen Wahlheimat. Der Youngster kam in allen fünf Dezember-Partien zum Einsatz, im Schnitt stand er zehn Minuten auf dem Parkett. Bei der bislang einzigen Saisonniederlage in Ludwigsburg sowie beim 108:75-Kantersieg in Braunschweig verbuchte er jeweils 13 Punkte und traf dabei sieben Dreier bei elf Versuchen, sein Punkteschnitt liegt bei 6,4.  

Gute Laune auf der Merlins-Bank: Radii Caisin (4. von rechts) im Kreise seiner Kollegen. Foto: Philipp ReinhardGute Laune auf der Merlins-Bank: Radii Caisin (4. von rechts) im Kreise seiner Kollegen. Foto: Philipp Reinhard

Seine Rolle bei den Merlins? „Meine erste Aufgabe ist es, in der Defense fehlerfrei zu sein und dem Team Energie zu geben“, sagt Caisin. Für die Offense gibt's klare Strukturen. Die Topspieler um Trae Bell-Haynes, der mit 21,8 Punkten und 8,9 Assists pro Spiel in beiden Kategorien die  Nummer eins der BBL ist, sollen kreieren und delegieren. „Ich nehme dann das, was kommt, und versuche, das Beste daraus zu machen“, so Caisin. Grundsätzlich hält er fest: „Ich bin zufrieden mit meinem Start in Crailsheim.“

Und das Erfolgsgeheimnis der Merlins? „Wir trainieren sehr hart, sehr intensiv. Tuomas ist sehr detailversessen, wir bekommen einen guten Input durch die Coaches. Und wir hatten immer einen guten Gameplan“, sagt Caisin. Er räumt allerdings ein, dass man sich anfangs noch etwas schwergetan habe. Auch im BBL-Pokal, in dem Caisin drei Einsätze hatte (10:34 Minuten und 4,0 Punkte pro Partie), habe es „noch nicht Klick gemacht“.

Der Knoten sei erst geplatzt, als die beiden letzten Neuzugänge dazukamen. Gemeint sind der BBL-erfahrene Center Bogdan Radosavljevic und der belgische Nationalspieler Elias Lasisi, die eine Woche vor dem Liga-Start geholt wurden. Mit dem Duo kam die Merlins-Maschine ans Laufen. Crailsheim hat sieben Ausländer im Kader; seit Saisonbeginn setzt US-Guard Nimrod Hilliard aus, weil er sich einen Muskelfaserriss zugezogen hat. 

Zurück zum Ex-Rastaner Radii Caisin. Er wurde am 27. Februar 2001 in Hannover geboren. Seine Mutter stammt aus Kasachstan, sein Vater aus Moldawien, daheim wird russisch gesprochen. Als Kleinkind verbrachte er zwei Jahre in Moldawien, ansonsten wuchs er aber in Hannover auf. Zum Basketball kam er an seiner Grundschule in Hannover. Er sollte sich für eine AG entscheiden - und da Orchester und Singen nicht infrage kamen, wurde es Basketball. Eine Notlösung. Als kleiner Junge spielte er auch Fußball, als Torwart bei Hannover 96. Irgendwann war Basketball aber die Nummer eins.

Im Sommer 2016 wechselte Radii Caisin von den TSV Blue Giants Neustadt ins Rasta-Programm.  Er spielte für die Young Rasta Dragons in der U-16- und U-19-Bundesliga sowie für Rasta Vechta II in der 1. Regionalliga Nord der Herren, ehe der Junioren-Nationalspieler (U15, U16, U18) zur Saison 2017/18 vom damaligen Coach Doug Spradley auch in den ProA-Kader berufen wurde - im Alter von 16 Jahren. Auf dem Weg zum Zweitliga-Meistertitel absolvierte er vier Kurzeinsätze und kam dabei auf 2,5 Punkte im Schnitt.

Während seiner Zeit in Vechta besuchte er die Justus-von-Liebig-Schule und lebte in der Familie von Rastas Teamarzt Achim Gutersohn. Zu den Gutersohns hat er den Kontakt gehalten, verbunden mit großer Dankbarkeit. „Sie haben mich als fremden Jungen, den sie ja überhaupt nicht kannten, bei sich aufgenommen. Das ist nicht selbstverständlich“, sagt er heute.

Rasta-Talkrunde in der 1. Regionalliga: Radii Caisin (Mitte) mit Fynn Aumann (links) und Jammal Schmedes. Foto: SchikoraRasta-Talkrunde in der 1. Regionalliga: Radii Caisin (Mitte) mit Fynn Aumann (links) und Jammal Schmedes. Foto: Schikora

Mit Nat Diallo, Jammal Schmedes, Torge Buthmann, Philipp Herkenhoff und Luc van Slooten bildete Caisin damals ein hoffnungsvolles Rasta-Sextett mit Profi-Perspektiven. Inzwischen haben sich die Wege getrennt. Diallo spielt in Ulm, van Slooten in Braunschweig, Schmedes beim SC Rist Wedel in der ProB. „Es ist schwer, mit allen Kontakt zu halten“, verrät Caisin. Zu Schmedes, der wie Caisin aus Hannover stammt und dem Trainingskader der Hamburg Towers angehört, hat er den besten Draht. „Wir telefonieren fast täglich“, sagt Caisin. 

Er selbst verließ Vechta im Oktober 2018 und wechselte zu den Artland Dragons in die 2. Liga ProA, für die er bis zum Ende der Saison 15 Spiele absolvierte (7:02 Minuten und 1,3 Punkte im Schnitt). Im Sommer 2019 folgte der Wechsel zu den Riesen Ludwigsburg, ausgestattet mit einem Drei-Jahres-Vertrag.

Entschlossenheit im Viertelfinale: Radii Caisin (links) im Finalturnier-Spiel gegen Bayern Münchens Danilo Barthel. Foto: dpaEntschlossenheit im Viertelfinale: Radii Caisin (links) im Finalturnier-Spiel gegen Bayern Münchens Danilo Barthel. Foto: dpa

Für die Riesen absolvierte er insgesamt 18 Partien, elf in der Hauptrunde (6:03 Minuten und 1,2 Punkte im Schnitt) sowie sieben beim Finalturnier in München (7:40/1,4). Trotz der Vizemeisterschaft war er nicht wirklich glücklich. „Das erste Jahr in Ludwigsburg war nicht einfach für mich“, so Caisin. Er stand im Schatten vom Riesen-Eigengewächs Lukas Herzog sowie der Trainer-Söhne Jacob und Johannes Patrick. „Ich hab' mich daher entschlossen, den Verein um die Auflösung des Vertrags zu bitten. Ich wollte weg“, erklärt Caisin. Es dauerte ein bisschen, bis alle Formalitäten geklärt waren. Aber dann war der Weg frei für den Neustart in Crailsheim.  

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