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Ziegen lösen Tränen der Freude aus

Die Aktion "Sportler gegen Hunger" unterstützt heimische Missionsvertreter bei der Arbeit in Afrika. An Weihnachten berichten sie über ihre Projekte und den Einsatz der SgH-Gelder.

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Mais- und Sojamehl für die Familien in Madisi.

Mais- und Sojamehl für die Familien in Madisi.

Die OV/KSB-Aktion „Sportler gegen Hunger“ unterstützt seit dem Winter 1994/95 auch heimische Missionsvertreter, die seit Jahrzehnten ihre segensreiche Arbeit in Afrika verrichten. Aus dem Erlös der SgH-Saison 2019/20 gingen im vergangenen Frühjahr jeweils 10.000 Euro an die vier Ordensschwestern Klara Lüers (Visbek/Malawi), Regina Kuhlmann (Oythe/Sambia), Klara Kohorst (Steinfeld/Namibia) und Beda Siewe (Lohne/Südafrika) sowie an Reimund Berding (Dinklage/SOS-Kinderdorf Mosambik) und Bischof Johannes Bahlmann (Visbek/Uganda).

In Briefen, vielen Mails und auch in persönlichen Gesprächen mit SgH-Vertretern berichteten alle über die Verwendung der SgH-Gelder aus der Heimat, was traditionell an Weihnachten in Kurzberichten wiedergegeben wird. Seit der ersten Unterstützung im Frühjahr 1995 haben die Ordensvertreter aus dem Kreis Vechta insgesamt 1,635 Millionen Euro aus ihrer Heimat erhalten. Welche Missionsprojekte im Frühjahr 2021 unterstützt werden, wird nach dem Ende der SgH-Saison bekanntgegeben.

Klara Lüers (Visbek/Malawi):

Der zweiseitige Brief zum 3. Advent, der für die „lieben Freunde der Aktion Sportler gegen Hunger“ bestimmt war, begann mit einem kleinen Wetterbericht. „Es ist seit Wochen fast unerträglich heiß. Der Regen lässt in Madisi noch auf sich warten. Wir hoffen, dass der 'Regengott' Erbarmen mit uns hat. Die Felder sind für die Aussaat vorbereitet“, schreibt Schwester Klara Lüers, die seit über drei Jahrzehnten in Malawi lebt.

Die 78-Jährige aus Visbek, die für ihren Franziskaner-Orden in der St. Francis Catholic Primary School in Madisi tätig ist, zeigte sich „sehr glücklich und dankbar, dass wir in dieser Corona-Krise mit Ihrer Spende von 10 000 Euro vielen Menschen in den Dörfern helfen konnten“. Ein Teil der SgH-Spende wurde für klassische Nothilfe zum Überleben verwendet. Die coronabedingte Schließung von Schulen und Kindergärten bedeutete für die unzähligen Waisen, dass die Schulspeisung, die für viele oft die einzige Mahlzeit des Tages ist, entfiel. „Wir machten uns große Sorgen um die Ernährungssituation unserer Kinder in den Dörfern“, berichtete Klara Lüers.

Nach Rücksprache mit den Dorfältesten beschlossen die Franziskaner-Schwestern, wöchentliche Rationen von Mais- und Sojamehl zu den Kindern, Großeltern und Betreuern zu bringen – und das persönlich, um sicher zu gehen, dass die Zuteilung auch klappt. Alles lief unter strengen Corona-Regeln ab. „Wir hatten gute Schutzengel“, berichtete Schwester Klara von den Reisen in die Dörfer, wo sie von den Kindern singend und tanzend empfangen wurden. Wöchentlich wurden 2000 bis 2500 kg Mais und Sojamehl verteilt. Mit der SgH-Spende habe man einen großen Maisvorrat einkaufen können, so Klara Lüers. Ebenso erfreulich: Seit Mitte September sind die Kinder wieder in der Schule und erhalten vor Ort ihre tägliche Schulspeisung.

Mit der SgH-Spende wurde zudem ein Ziegen-Projekt auf den Weg gebracht. Der Hintergrund: Wenn die Waisen nach der Schule in ihre Dörfer zurückkommen, gehören sie zu den Mittellosen. Auch ihre Großeltern sind mittellos, sie gehen betteln oder helfen auf den Feldern für ein wenig Geld. „In den meisten Fällen reicht das nicht für das Notwendigste“, so Klara Lüers. Und so entstand die Idee, dass zehn bedürftige Frauen, die sich um Waisenkinder aus der Schule kümmern, zum Start in eine gewisse Unabhängigkeit eine Ziege und einen Ziegenbock erhalten – für die Zucht.

Moment der Übergabe: Schwester Klara Lüers aus Visbek bei der Verteilung der Ziegen in Madisi.Moment der Übergabe: Schwester Klara Lüers aus Visbek bei der Verteilung der Ziegen in Madisi.

Ein Viehbestand ist für die Leute eine Geldanlage. Mit dem Verkauf von Ziegen können sie leicht Lebensmittel, Kleidung und Schulmaterial kaufen. Dazu Schwester Klara: „Das macht die älteren Menschen finanziell unabhängig und gibt ihnen Sicherheit.“ In den umliegenden Dörfern wurden 20 Ziegen gekauft. Eine große Kraftanstrengung für die Schwestern und die Lehrer – und auch für die Ziegen, die von der Hitze total schlapp waren und erst mal gefüttert und getränkt werden mussten. Bei der Übergabe an die Familien gab's große Freude. „Eine ältere Frau sagte: 'Es ist wie ein Traum, plötzlich eigene Ziegen zu haben'“, berichtete Schwester Klara: „Sie trug strahlend eine Ziege auf den Schultern nach Hause. Diese Szene trieb uns Tränen in die Augen.“ Die Visbekerin hielt zum Schluss fest: „Im Namen unserer Waisen und Besitzerinnen von Ziegen ein herzliches Zikomo kwambiri. Danke schön!“

Klara Kohorst (Mühlen/Namibia, Angola):

Aus dem Kreis Vechta nach Münster-Hiltrup. Von dort nach Namibia und dann weiter nach Angola: Die Hilfsgelder von „Sportler gegen Hunger“ fließen manchmal über Umwege – aber am Ende erreichen sie diejenigen, die Hilfe am nötigsten haben. So auch in diesem Fall: Über Schwester Klara Kohorst, in ihrer Heimat Mühlen auch liebevoll „Doats Klärchen“ genannt, flossen im März dieses Jahres 10.000 Euro aus dem SgH-Winter 2019/20 an die Missionsschwestern vom Heiligsten Herzen Jesu in Hiltrup, wo Klara Kohorst mittlerweile ihren Lebensabend verbringt.

Kinder in Cuvelai in Angola: Auch mit Unterstützung von Sportler gegen Hunger“ entsteht hier eine neue Schule.Kinder in Cuvelai in Angola: Auch mit Unterstützung von „Sportler gegen Hunger“ entsteht hier eine neue Schule.

Der Orden leitete die Spende nach Namibia weiter, wo auch Klara Lüers lange ihrer Missionsarbeit nachging, bevor sie aus Altersgründen nach Deutschland zurückgeholt wurde. Aus Namibia schrieb Schwester Letitia Andowa im August einen ergreifenden Dankesbrief an „Sportler gegen Hunger“. „Ich danke Gott für das Geschenk ihres Lebens, ihrer Liebe und Großzügigkeit“, schreibt sie. Das Geld verwendet der Orden, um in Cuvelai, einem Landkreis im Südwesten des Nachbarlandes Angola, eine Schule zu bauen. Corona habe die Arbeiten zwar verzögert. Das Schulgebäude solle aber, sobald die Pandemie es erlaube, fertiggestellt werden. „Ihre Unterstützung hilft uns, unsere Mission fortzusetzen und den Kindern in Angola eine wertvolle Zukunft zu ermöglichen“, schreibt Schwester Letitia.

Regina Kuhlmann (Oythe/Sambia):

Die Sehnsucht nach Sambia ist groß, riesengroß sogar. „Ich würde gerne zurück“, sagt Schwester Regina Kuhlmann und ergänzt mit einem Schmunzeln: „Mir ist es zu kalt hier. Ich hab' alles doppelt an. Ich mag die Hitze in Afrika lieber, sie tut mir gut.“ Als die 89 Jahre alte Ordensfrau das sagt, sitzt sie unweit des Stoppelmarkts am Küchentisch. Es ist ein nasskalter Montag in der Adventszeit. Schwester Regina, die seit 1954 ununterbrochen in der Entwicklungshilfe in Afrika tätig ist und seit 1962 in Sambia lebt, erholt sich seit August bei ihrer Nichte von einer Rücken-OP.

Der gebürtigen Oytherin, deren Elternhaus am Stoppelmarkt stand und die im Juni 2018 die Ehrenbürgerurkunde der Stadt Vechta erhielt, geht's wieder besser. Ihre Rückkehr nach Lusaka ist aber noch nicht terminiert. In Sambias Hauptstadt hat Schwester Regina in den vergangenen 13 Jahren den Aufbau einer komplett neuen Schule samt Kita auf dem Gelände des Holy-Cross-Ordens gemanagt. Zuletzt wurde – auch mit Hilfe der SgH-Spende – eine dringend erforderliche Schulhalle gebaut. Schwester Regina berichtet, dass auch die jüngsten 10 000 Euro in die Schule flossen. „Wir werden förmlich überrannt“, sagt sie und berichtet von 1500 Schülern: „Es gibt sogar Wartelisten, wir brauchen mehr Klassenräume.“

Während der Regenzeit habe zudem ein starker Sturm Schäden am Dach angerichtet. Die SgH-Spende half bei der Reparatur. Und für die Kinder, die ihre Mittagsmahlzeit in der Einrichtung erhalten, wurde eine kleine Hütte errichtet, in der sie während der Regenzeit essen können. Auch das Provinz- und Missionshaus Heilig Kreuz in Altötting bedankte sich. Sr. Edith Altschäffl schrieb an die SgH-Vertreter: „Bitte geben Sie den Dank an die Sportler und die Sponsoren weiter.“ Viele Menschen in Sambia hätten Hilfe erhalten.

Theresia Siewe (Lohne/Südafrika):

Schwester „Beda“ Theresia Siewe aus Lohne ist seit über 40 Jahren in Südafrika in der Mission tätig und wird schon länger von „Sportler gegen Hunger“ unterstützt. Die Spende, die in diesem Jahr zum Holy Cross Convent in Pretoria geflossen ist, hat die Ordensschwester „mit Freude und Dankbarkeit“ aufgenommen. In einem Schreiben an die „Sportler gegen Hunger“-Vertreter berichtet sie: „Wir haben die Spende im März 2020 erhalten, gerade zu der Zeit, wo auch das Corona-Virus in Südafrika Einzug hielt.“

Am 26. März wurde in Südafrika ein strenger Lockdown eingeführt. Dabei ist die Senioren-Tagesstätte Ikhwezi Mphatlalatsane geschlossen worden. Für die 45 betroffenen Senioren gab es damit auch keinen Zuschuss mehr. Und die 13 Helfer, die für Haushalt und Pflege sorgten und den Garten bebauten, hatten nun kein Einkommen mehr. Damit war auch das Produzieren von Kerzen und das Stricken von Pullovern nicht mehr möglich. Schwester Beda: „Von heute auf morgen wurden sie arbeitslos. Keiner durfte wegen der Ansteckungsgefahr unser Grundstück betreten.“

Essens-Spenden für die bedürftigen Senioren wurden in Pretoria im AugustSeptember eingeführt. Foto: SieweEssens-Spenden für die bedürftigen Senioren wurden in Pretoria im August/September eingeführt. Foto: Siewe

Zu Anfang erhöhte der Staat die Soziale Altersrente um umgerechnet rund zwölf Euro und die Helfer bekamen zweimal etwas Arbeitslosengeld. Schwester Beda weiter: „Im Juni fing dann aber die Not an.“ Hunger trat auf, die Kinder trieben sich infolge der Schulschließungen auf der Straße herum. Nur mit besonderer Erlaubnis, so Schwester Beda, „durften wir als Krankenschwestern in extremen Notfällen und bei der Lebensmittelausteilung helfen“ – alles natürlich unter besonderen sanitären Vorschriften.

Als der Lockdown im August/ September gelockert wurde, führte der Holy Cross Convent „Essen auf Rädern“ ein. Seitdem wird den Senioren dreimal pro Woche eine zubereitete Mahlzeit ins Haus geliefert, wodurch auch die Angestellten wieder in Arbeit kamen. Außerdem wird Gemüse im Garten geerntet und dann für die Mahlzeiten zubereitet. Dazu wurden Kerzen und Stricksachen verkauft, was zusätzliche Hilfe brachte. Schwester Beda schreibt dazu: „Wir sind sehr froh und dankbar, dass wir wegen der Corona-Krise im Projekt noch keine Todesfälle hatten. Wir halten uns streng an die Vorschriften. Mit der großzügigen Spende von 'Sportler gegen Hunger' konnten wir unseren sehr bedürftigen 45 Senioren und unseren Helfern und deren Familien Überleben schenken – und Hoffnung und Mut.“ Und so hoffen alle, dass auch die zweite Corona-Welle überstanden wird – gesundheitlich und finanziell.

Bischof Josef Bahlmann (Visbek/Uganda):

Seine Heimat ist Visbek, als Bischof ist er in Brasilien tätig, doch mit der Unterstützung von „Sportler gegen Hunger“ hilft Johannes Bahlmann auch den Ärmsten in Afrika. Denn im Rahmen seiner seelsorgerischen Tätigkeit betreut der Bischof auch ein Missionsprojekt seines Ordens in Uganda. 10-000 Euro erhielt die St. Francis Foundation aus dem SgH-Erlös 2019/20. Geld, das die Helfer in dem ostafrikanischen Land dringend brauchen. „Wir sind Gott dankbar für das Geld, das Sie uns geschickt haben. Es hat uns in dieser Lockdown-Periode so sehr geholfen“, schreibt Schwester Mary Alma in einer E-Mail an Bischof Bahlmann. „Vielen Dank an Sie und die ganze Gemeinschaft der Sportler. Wir beten für Sie, so wie Sie für uns beten.“

Lernen fürs Leben: Junge Frauen im berufsbildenden Unterricht durch die St. Francis Foundation in Uganda.Lernen fürs Leben: Junge Frauen im berufsbildenden Unterricht durch die St. Francis Foundation in Uganda.

Die St. Francis Foundation kümmert sich unter anderem um das Wohl dreier Schulen. Coronabedingt konzentrierte sich die Stiftung im Sommer vor allem auf den berufsbildenden Unterricht, „was so, so, so wichtig ist für unsere Kinder“, wie Mary Alma berichtet. Die Zusage der SgH-Spende kam genau zur richtigen Zeit: „Wir hatten uns schon darauf eingestellt, einige Kinder wegschicken zu müssen.“

Reimund Berding (Dinklage/Mosambik):

Bereits seit 40 Jahren engagiert sich der ehemalige Dinklager Schulleiter Reimund Berding in der Stadt Tete in Mosambik im Rahmen der SOS-Projekte für Kinder in Not. Dabei wird er auch von der OV/KSB-Aktion „Sportler gegen Hunger“ unterstützt. Hier berichtet er von seiner Arbeit:

„Das SOS-Kinderdorf Tete gibt den bis zu 150 Kindern und Jugendlichen, die hier leben, das, worauf es ankommt: Sicherheit und Geborgenheit, medizinische Versorgung und Schulbildung. Und vor allem sind Menschen da, die sich für die Kinder interessieren, die ihr Bestes wollen: an allererster Stelle die SOS-Kinderdorf-Mütter. Trotz ihrer bewegten und oft traumatisierenden Vergangenheit erleben die Kinder ein Stück Normalität. Sie gehen in den Kindergarten oder in die Schule. In ihrer Freizeit treiben sie Sport.

Geborgenheit im SOS-Kinderdorf: Hier wird den Kindern und Jugendlichen ein sicheres Umfeld geboten. Über 1000 Menschen profitieren von der Arbeit in Tete.Geborgenheit im SOS-Kinderdorf: Hier wird den Kindern und Jugendlichen ein sicheres Umfeld geboten. Über 1000 Menschen profitieren von der Arbeit in Tete.

Bei Entwicklungsauffälligkeiten oder psychischen Problemen werden Fachleute hinzugezogen. Auch die Kinder, die in der Umgebung des SOS-Kinderdorfes Tete leben, profitieren von den Einrichtungen wie z.B. der Familienhilfe, die mehr als 1000 Kinder und Erwachsene aus gefährdeten Familien unterstützt. In der dem SOS-Kinderdorf angegliederten SOS-Jugendeinrichtung leben die Jugendlichen, die den SOS-Familien entwachsen sind, und bereiten sich hier – begleitet von pädagogisch ausgebildeten Jugendbetreuern – auf ein selbstständiges Leben vor. Während dieser Zeit schließen sie ihre schulische Ausbildung ab und beginnen ein Studium oder eine Berufsausbildung.

Die Kinderdörfer fördern und begleiten die Jugendlichen intensiv bei ihrem Eintritt in die Berufstätigkeit und in der Führung eines eigenen Haushalts. Die Covid-19-Pandemie hat große Auswirkungen auf die Arbeit in Tete. Selbstverständlich unterstützen wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Kinder und die betreuten Familien dabei, sich zu schützen und mit den Folgen und Einschränkungen zurechtzukommen. Die SOS-Mütter haben gleich zu Beginn der Pandemie Masken für alle Kinder und Mitarbeiter genäht. Alle Schulen sind geschlossen und die Kinder lernen von zu Hause aus. Es finden aber kreative Aktivitäten wie Handarbeit und Design im Dorf statt. Danke für die sehr großzügige Hilfe. Gerade in einer solchen Zeit ist es für Menschen in den ärmsten Länder besonders wichtig, dass sie Hilfe bekommen.“

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