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Wunden lecken und klaren Kopf behalten

Nach der Niederlage gegen Würzburg sagt Rasta-Coach Thomas Päch: "Wir müssen in der Defense druckvoller sein." Im Schnitt kassierte Vechta zuletzt 90,2 Punkte.

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Und jetzt? Rastas Will Vorhees (links) wird von Micah Downs unter Druck gesetzt. Foto: Schikora

Und jetzt? Rastas Will Vorhees (links) wird von Micah Downs unter Druck gesetzt. Foto: Schikora

Am Tag nach der misslungenen Heimpremiere tat Ablenkung gut. Thomas Päch, Trainer der Basketballer von Rasta Vechta, fand sie daheim bei seiner Familie in Berlin-Schöneberg. Mit seinem kleinen Sohn ging's am Samstagmittag auf den Spielplatz. Noch in der Nacht, direkt nach der 80:88-Niederlage gegen s.Oliver Würzburg am späten Freitagabend, hatte sich Päch auf den Weg gen Osten gemacht. „Es wäre eh eine kurze Nacht gewesen. Nach Spielen komme ich vor 3.00 Uhr nicht zur Ruhe“, verriet der 38-Jährige zwischen Schaukel, Wippe und Klettergerüst.

Für den Nachmittag stand die Videoanalyse auf der Tagesordnung – aber auch ohne das genaue Studium der Bilder hatte Thomas Päch eine Erklärung für die zweite Niederlage im zweiten Spiel der Bundesliga-Saison 20/21. „In der letzten Sequenz der Verteidigung waren wir zu nachlässig, da müssen wir konsequenter sein. 20 Sekunden gut zu verteidigen, reicht nicht“, sagte Päch. Fakt ist: In den fünf Pflichtspielen inklusive Pokal kassierte Rasta im Schnitt 90,2 Punkte. Ein Wert, der nach unten gedrückt werden muss, wenn man Spiele gewinnen will. „Wir müssen in der Defense druckvoller sein“, sagte Päch. Auch Kapitän Josh Young fordert „mehr Aggressivität“, eine höhere Bereitschaft für die Drecksarbeit.

Offensiv kam auch einiges zusammen, was Würzburg in die Karten spielte. Rastas Center Dennis Clifford, in München ein Aktivposten mit 16 Punkten, ging diesmal leer aus. Null Punkte, nur ein Wurf, immerhin sieben Rebounds. „Er war gehemmt“, gab Päch zu. Clifford war unter der Woche erneut umgeknickt und konnte zwei Tage nicht trainieren. Am Freitag spielte er mit „starken Schmerzen“ im angeschwollenen Sprunggelenk. „Ihm fehlte einfach die Spritzigkeit“, sagte Päch und ergänzte: „Wir haben aber auch keinen guten Job gemacht, ihn zu finden, ihn in Szene zu setzen.“ Und Big-Man-Kollege Will Vorhees, in München Rastas Topscorer, machte gegen Würzburg die Erfahrung, dass der Weg vom ProA-Leistungsträger zum BBL-Fixpunkt auch Schwankungen beinhaltet. Für Rasta kam erschwerend hinzu, dass die Dreier-Quote (7/28) bescheiden war.

Rasta muss Länderspiel-Thematik klären

Dass Rasta nun vier Pflichtspiele in Serie verloren hat, löste beim Coach keine Panikattacke aus. Im Gegenteil: Päch wirkte ganz ruhig, fokussiert auf die Lösungsansätze. Geht er entspannt mit dem Ist-Zustand um? „Entspannt ist das falsche Wort. Klaren Kopf bewahren, das trifft es eher. Wir wissen, woran wir arbeiten müssen“, sagte Päch. Der Pokal war – und daraus hatte der Coach während der Pre-Season nie einen Hehl gemacht – noch Teil der Vorbereitung. „In der Liga haben wir erst zweimal gespielt, einmal davon gegen die Bayern. Ja, wir müssen uns verbessern, und das in vielen Bereichen. Aber wir werden uns da rausarbeiten“, so der Coach.

Zu Wochenbeginn ist auch Wundenlecken angesagt. Die lädierte linke Hand von Young, der sich bei einem Crash in die LED-Bande eine blutende Wunde zugezogen hatte, dürfte das kleinste Problem sein. Bei Clifford und Philipp Herkenhoff, dessen eingerissene Plantarfaszie in der Fußsohle sich entzündet hatte, ist mehr Pflege gefragt. Herkenhoff vermittelte am Rande der Würzburg-Partie aber den Eindruck, dass es bergauf geht.

Unter der Woche ist bei Rasta zudem zu klären, wie man mit der bevorstehenden EM-Qualifikation (27. bis 30. November) umgeht. Länderspiele in Corona-Zeiten sind auch für Päch „ein Risiko“. Was passiert mit den Reise-Rückkehrern? Eine Frage, auf die der Coach bisher noch keine befriedigende Antwort erhalten hat. Herkenhoff steht im vorläufigen Kader der DBB-Auswahl, die in Pau auf Montenegro und Gastgeber Frankreich trifft. Jean Salumu wurde für die belgische Nationalmannschaft nominiert, die es in Vilnius mit Litauen und Tschechien zu tun bekommt. Und Stefan Peno steht im vorläufigen Aufgebot von Serbien, das in Espoo gegen die Schweiz sowie Gastgeber Finnland spielt. Eine komplexe Gemengelage für Rasta, zumal am ersten Dezember-Wochenende ein BBL-Doppelspieltag mit Partien gegen Bayreuth (4.12.) und in Ulm (6.12.) ansteht.

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