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Wo es um Sport, Integration und Geselligkeit geht

Seit rund zehn Jahren hat der TV Dinklage eine eigene Gorodki-Anlage an der Schulstraße. Die Sportart vereint Kraft, Konzentration, Ausdauer und Technik.

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Haben Spaß beim Gorodki: (von links) Paul Garrecht, Benedikt Beumker, Samuel Kraft, Alexander Schlegel, Wladimir Shukowski und Harri Pekrul. Foto: Böckmann

Haben Spaß beim Gorodki: (von links) Paul Garrecht, Benedikt Beumker, Samuel Kraft, Alexander Schlegel, Wladimir Shukowski und Harri Pekrul. Foto: Böckmann

Samuel Kraft kann sich noch gut an die Anfänge seiner Pläne erinnern. "Ich wurde für meine Idee belächelt. Ich habe keine Ruhe gegeben und bin allen Beteiligten so lange auf die Füße getreten, bis wir das Projekt schließlich umgesetzt haben", sagt der 72-Jährige und lächelt. Die Idee - sie mag für die Stadtverwaltung, Politiker und die Sportler des TV Dinklage Ende der Nuller-Jahre zunächst etwas seltsam geklungen haben. Denn Samuel Kraft wollte in Dinklage eine Gorodki-Anlage bauen lassen.

Gorodki, was? Der Name dürfte wohl bei allen Ur-Dinklagern nur für Stirnrunzeln gesorgt haben.  Dafür kannten die Aussiedler, die Anfang der 1990er Jahre aus der ehemaligen Sowjetunion nach Dinklage gezogen waren, das Wurfspiel umso besser - denn es ist in Osteuropa, speziell in Russland, ziemlich populär. Und Samuel Kraft wollte es in Dinklage populär machen. 

Provisorische Platten dienten am Anfang als Spielfelder

Also trafen sich neben Kraft ab 2008 weitere Interessierte auf einer Wiese am Wiesenweg. Ein paar provisorische Platten dienten dort als Spielfelder. Das war für den Anfang ausreichend, aber auf Dauer eben nicht befriedigend. Also stellte Samuel Kraft, damals Aussiedlerbeauftragter der Stadt Dinklage, die Pläne für eine Gorodki-Anlage vor, die dank der in allen Bereichen vielfältigen Unterstützung von Politik, Verwaltung, TVD und Landessportbund schließlich 2010 auf dem Hof der Kardinal-von-Galen realisiert wurde. "Gemeinsamer Sport soll Integration fördern", titelte die OV damals über die Bauarbeiten.

Eine von 16 Spielfiguren: Samuel Kraft hat die Rakete aufgebaut. Foto: BöckmannEine von 16 Spielfiguren: Samuel Kraft hat die Rakete aufgebaut. Foto: Böckmann

Zehn Jahre später steht Samuel Kraft als Motor der Abteilung an einem sonnigen Donnerstagabend auf der Sportstätte an der Schulstraße - die nächstgelegene Gorodki-Anlage gibt es übrigens in Barnstorf -,  und blickt zufrieden auf die Trainingsresultate seiner Mitspieler Paul Garrecht, Benedikt Beumker, Alexander Schlegel, Harri Pekrul und Wladimir Shukowski. Es klappt nicht jeder der Würfe, einige gehen auch daneben. Doch wenn sie treffen, dann huscht den Dinklagern ein Lächeln über das Gesicht. 

Worum geht es überhaupt bei der Sportart?

Beim Gorodki stehen fünf kleine Holzzylinder (die Gorodki) im Mittelpunkt, aus denen jeweils eine von bis zu 16 verschiedenen Figuren aufgebaut wird. Der Spieler muss jede Figur aus einer Distanz von 13 oder 6,5 Metern mit einem speziellen Wurfstock (Bit) aus dem abgegrenzten, quadratischen Feld hinausschießen. Es treten immer zwei Spieler gegeneinander an - im Einzel oder in der Mannschaft. Gewonnen hat derjenige, der für alle Würfe die wenigsten Versuche benötigt. 

Die Regeln der Wurf-Sportart klingen ziemlich einfach. Leicht ist Gorodki indes nicht, das bezeugen Neulinge spätestens nach dem ersten Wurf mit einem der maximal einen Meter langen und höchstens 3,8 Kilogramm schweren Stäbe. Denn Gorodki erfordert Koordination und Konzentration, Ausdauer und Kraft gleichermaßen. Die unterschiedlichen Bahnen mit ihren speziellen Eigenheiten erfordern außerdem immer eine andere Variation bei den Bitswürfen, um die Figuren abzuräumen und nicht zu verfehlen. Eine konzentrierte Wurftechnik ist wichtig, weil beim Wurf jede Körperbewegung, jede Bitshaltung eine sehr wichtige Rolle spielt. 

"Wenn wir längere Zeit nicht trainieren, dann merken wir gleich die Resultate - nämlich, wie sie schlechter werden", sagt Abteilungsleiter Shukowski.  Doch die Dinklager haben in den vergangenen Jahren viel trainiert. "Früher haben wir 13 oder 14 Mal geworfen - und nichts getroffen." Das habe sich jetzt deutlich verbessert. Weswegen die neue Schallschutzwand wichtig ist, um den Lärm zu dämpfen. Shukowski bittet die Nachbarn dennoch um Nachsicht, wenn dann doch mal wieder ein erfolgreicher Treffer zu hören ist.

Zuletzt gute Erfolge bei den Gorodki-Turnieren

Die besseren Leistungen im Training machten sich in diesem Sommer auch bei Wettbewerben bemerkbar. Denn die Resultate bei größeren Turnieren waren durchaus positiv.  Wladimir Shukowski siegte bei einem Turnier in Schwerin. Der Abteilungsleiter wurde bei einem anderen Turnier in Schwerin Zweiter und Alexander Schlegel Dritter, während Samuel Kraft bei einem Turnier in Todtglüsingen Dritter wurde. Dazu erreichten die TVD-Sportler als Mannschaft einige Podestplätze. Diese Erfolge erweitern die Vitrine in der kleinen Gartenhütte mit weiteren Pokalen. 

Was die Sportart ausmacht? Es ist für die Dinklager die Mischung aus vielen Komponenten, sagt Shukowski. Gorodki ist körperlich eine durchaus anstrengenden Sportart, die aber auch viele über 80-Jährige noch spielen. Viele Muskelpartien werden gefordert. Gleichzeitig mache die Beschäftigung an der frischen Luft aber viel Spaß. Und die sportliche Entwicklung sei deutlich erkennbar, wenn man entsprechend trainiere.  "Im Grunde ist Gorodki eine Sportart, die die ganze Familie spielen kann", findet Kraft.

Beim Wurf ist Koordination und Technik gefragt: Wie das funktioniert, macht Benedikt Beumker vor. Foto: BöckmannBeim Wurf ist Koordination und Technik gefragt: Wie das funktioniert, macht Benedikt Beumker vor. Foto: Böckmann

Dazu kommt auch die soziale Komponente, nämlich die Geselligkeit und die Integration. Die OV-Titelzeile von damals ist noch immer aktuell. Benedikt Beumker, der nach einer Aktion für Jugendliche seit 2013 dabei geblieben ist, ist mit 17 Jahren der jüngste Sportler. Dazu kommt eben die Generation der Spätaussiedler, die zum Teil wie Kraft, mit 72 Jahren der älteste Sportler, schon im Rentenalter ist.  Die Gorodki-Anlage sei deshalb auch eine Art Integrationszentrum, sagt Kraft. Ein erfolgreiches, wohlgemerkt.

Wünsche für die Zukunft? Die haben sie beim TVD natürlich auch. Aus sportlicher Sicht wäre die Teilnahme an einem großen Turnier in Baden-Württemberg ein großer Traum, sagt Wladimir Shukowski. Wichtiger wäre aber, dass die Abteilung wieder größer wird. Im 5000-Mitglieder-Verein mit seinen 19 Sparten ist die Gorodki-Abteiung die kleinste. Es gibt nur acht aktive Sportler - "und einen Grillmeister", wie Shukowski lächelnd betont. Deshalb ist jeder Interessierte eingeladen, zu den Trainingszeiten vorbeizugucken. Auch Spaß-Aktionen für Vereine, Nachbarschaften und Gruppen bieten die Gorodki-Sportler immer gerne an.  Und das seit nun zehn Jahren. 

  • Info: Die Gorodki-Sportler trainieren dienstags (15 bis 20 Uhr), donnerstags (15 bis 20 Uhr) und samstags (10 bis 12 Uhr und 15 bis 20 Uhr) auf der Anlage an der Schulstraße. Informationen zur Gorodki-Abteilung gibt es auch unter www.tv-dinklage.de. Näheres zur Sportart steht unter www.gorodki.de im Internet.

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