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Wie ich zum Helden wurde

Meine Woche: Von epischen Siegen und Ekstase im Wohnzimmer.

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Es war ein kurzer Moment der Schwäche. Man könnte es auch Mitleid nennen. Aber was soll man als Vater auch machen, wenn das eigene Kind mit den Tränen ringt? 14 Tage Quarantäne, nur wegen dieser blöden Autofahrt zum Training. Eben: Man tröstet es. Und kauft ihm eine Playstation.

Ja, ich weiß, es gibt auch tolle Brettspiele. Und Bücher. Das Problem ist: Die haben wir alle schon. Und manchmal will man als Papa auch einfach nur ein Held sein. Und einmal nicht der Dödel, der die Räder aufpumpt und fragt, ob sich alle schon die Zähne geputzt haben. Seien Sie versichert: Ich war ein Held. Ein Superheld mit einem großen Paket von Expert-Bening unter dem Arm.

Ein halbes Jahr ist das jetzt her. Die Quarantäne ist längst vergessen, der Heldenstatus etwas verblasst. Das neue Familienmitglied ist geblieben. Manchmal nennen wir sie zärtlich Playsi. Ich würde lügen, wenn ich behauptete, sie habe unser Zusammenleben nicht verändert. Im Wohnzimmer spielen sich jetzt menschliche Dramen ab. Schreie, Ekstase, Flüche. Bis zur Tagesschau. Dann sind die Boomer dran.

"Beim Motorradfahren wurde mir schlecht (Motion sickness – hat angeblich nichts mit dem Alter zu tun). Das Ballern habe ich noch nicht ausprobiert."Andreas Hammer, Reporter

Ich habe es auch selbst versucht. Ich möchte nicht darüber reden. Beim Fußball torkelte ich orientierungslos über den Platz und drehte mich um die eigene Achse. Beim Motorradfahren wurde mir schlecht (Motion sickness – hat angeblich nichts mit dem Alter zu tun). Das Ballern habe ich noch nicht ausprobiert.

Trotzdem habe ich viel gelernt. Ich weiß jetzt, was "epische Siege" sind, was "Schwitzer" und was "Skins" (hat nichts mit Nazis zu tun). Und dass es Menschen gibt, die echtes Geld dafür bezahlen, dass ihre Spielfiguren pinke Hasenohren bekommen oder einen Piratenhut. Man muss nicht alles verstehen.

Manchmal ist Playsi auch ganz harmlos. Sie spielt mit der ganzen Familie "Wer weiß denn sowas?" (mit Kai Pflaumes Originalstimme) und beim Karaoke dürfen alle mal Freddie Mercury sein: "I want to break free". Schon okay. So lange sie mir nicht mit James Blunt kommen. Ich persönlich würde ja lieber David Bowie singen: "...und wir sind dann Helden, für einen Tag". Schön, wenn jemand weiß, wie man sich fühlt.

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