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Wie heilig ist der Fußball-Sonntag noch?

In der Kreisliga finden immer wieder auch Spiele unter der Woche statt. Der NFV-Kreis Vechta erkennt aber keine steigende Tendenz. Die Gründe für Verlegungen sind vielfältig.

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Stimmungsvoller Sonntag: Eine Szene aus dem Kreisliga-Spiel SV Langenberg gegen BW Lohne III im September 2020. Foto: Wenzel

Stimmungsvoller Sonntag: Eine Szene aus dem Kreisliga-Spiel SV Langenberg gegen BW Lohne III im September 2020. Foto: Wenzel

Der Sonntag. Für viele heilig. Nicht nur für Kirchengänger, sondern auch für Fußballer und Anhängerschaft im Heimatsport. An keinem anderen Tag in der Woche dreht sich so viel um Fußball. Und doch rücken einige Kreisligisten von der Tradition ab.

Wie sehen die Fakten aus? Wie bewertet es der NFV-Kreis Vechta? Welche Gründe für Verlegungen haben die Vereine? Und wie sieht's eigentlich in den Kreisklassen aus? Eine Übersicht.

Die Fakten: In der Hinrunde der Saison 2021/2022 fanden in der Kreisliga insgesamt 136 Spiele statt. 24 davon gingen im Rahmen dreier englischer Wochen über die Bühne. Heißt: Die anderen 112 Aufeinandertreffen hätten eigentlich alle an Sonntagen stattfinden sollen – eigentlich.

Nur einmal spielten alle am Sonntag

Denn nur 83 Begegnungen wurden laut fussball.de tatsächlich an einem Sonntag angepfiffen. Insgesamt 29 Spiele fanden außerhalb des Sonntags statt. Laut den Zahlen von Georg Möhlmann, Spielleiter Herren des NFV-Kreises Vechta, wurden davon 20 Spiele durch die Vereine verlegt. Er sagt: „Bei den anderen ist es möglich, dass auch Spiele eingeflossen sind, die durch Corona oder witterungsbedingt abgesagt worden sind.“ Interessant ist auch, dass nur am 11. Spieltag (26. September) alle acht angesetzten Spiele am Sonntag absolviert wurden.

Wie läuft eine Spielverlegung ab? Das Prozedere ist relativ simpel. Ein Verein, unabhängig von Heim- oder Gastmannschaft, beantragt die Verlegung bei DFBnet. Der Gegner erhält eine Mail und reagiert mit Ablehnung oder Zustimmung. Schlussendlich muss der Staffelleiter dann nur noch genehmigen. „Manchmal ist das auch ein hin- und hertelefonieren, weil man keine Einigung findet“, erklärt Georg Möhlmann: „Aber generell ist es eine sehr gute Zusammenarbeit mit den Vereinen.“

Spielverlegungen, die nach dem Staffeltag beantragt werden, kosten 25 Euro Gebühr. Wenn die Verlegung erst zehn Tage oder kürzer vor dem Spiel erfolgt, werden 35 Euro fällig.

Kuriose Geschichte zum Thema "spielfreies Wochenende" 

Manchmal bringen die Spielverlegungen übrigens auch kuriose Geschichten hervor. Wie Georg Möhlmann verrät, hat ein Verein auf dem Staffeltag vor der Saison beantragt, am ersten Spieltag ein spielfreies Wochenende zu haben. Diesem Antrag wurde auch stattgegeben – kurioserweise hat dieser Verein dann aber wenig später einen Verlegungsantrag eines anderen Klubs angenommen und schlussendlich doch am Wochenende des 1. Spieltags gespielt.

So bewertet der NFV-Kreis Vechta die Zahlen: Einen Anstieg an Spielverlegungen – weg vom Sonntag – kann der Verband nicht verzeichnen. Georg Möhlmann sagt: „Hochgerechnet hat sich die Zahl der Spielveränderungen kaum verändert und bleibt ziemlich konstant.“

Dass die Vereine versuchen, bei Verletzungsmiseren oder anderen Anliegen wie einem runden Geburtstag in der Mannschaft die Spiele zu verlegen, versteht Georg Möhlmann: „Letztlich wollen alle mit den besten Mannschaften spielen.“ Zudem würden andere Faktoren wie Pokalspiele, große Vereinsfeste, Jugendturniere oder auch Trauerfälle in die Statistik mit einfließen. „Das kostet dann natürlich auch keine Gebühr“, merkt er an.

Nicht nur sonntags im Einsatz: Frank Schwermann. Foto: WenzelNicht nur sonntags im Einsatz: Frank Schwermann. Foto: Wenzel

Das sagen die Vereine: Tatsächlich ist es so, dass jeder Verein in dieser Saison bisher an mindestens einer Spielverlegung beteiligt war – die einen mehr, die anderen weniger. An der Spitze steht der TuS Neuenkirchen. Ganze sieben Mal spielten die Südkreisler, abgesehen von angesetzten englischen Wochen, nicht am Sonntag. „Bei zwei Spielen ging es von uns aus, die anderen kamen durch die Gegner“, sagt Trainer Frank Schwermann. Als Gründe gibt er terminliche Probleme, Personalsorgen und Reserve-Teams, die nicht zeitgleich mit den ersten Mannschaften spielen sollen, an.

Das ist beispielsweise bei Falke Steinfeld II der Fall. Drei Partien wurden vom Sonntag weggelegt. Zum einen wegen Geburtstagsfeiern des Teams, wie Trainer Ertan Cira verrät, zum anderen aber eben auch, weil die Landesliga-Mannschaft nicht immer zeitgleich mit der Reserve spielen soll. „Natürlich werden Spieler hin- und hergetauscht“, gibt Ertan Cira zu.

"Wir haben kein Problem, am Freitag oder Samstag zu spielen."Franz-Josef Ripke

Bei SW Osterfeine II will man davon nichts wissen. Trainer Franz-Josef Ripke sagt: „Dem kann ich bei uns entgegentreten. Ich habe in der Hinrunde kaum Spieler von der Ersten bekommen“, sagt er. Und dennoch spielte die SWO-Reserve gleich fünfmal außerhalb des Sonntags. Ripke gibt an, dass terminliche Gründe, wie beispielsweise Geburtstage, verantwortlich gewesen seien. „Wir haben kein Problem, am Freitag oder Samstag zu spielen“, gibt er zu: „Für erste Mannschaften ist das noch mal anders. Da ist Sonntag, 15.00 Uhr Anpfiff, da kommen die Leute.“

So sieht's in der Regel auch beim SV Langenberg aus. Nur ein einziges Mal, am 8. Oktober (Freitagabend) auswärts in Neuenkirchen, spielten die Langenberger außerhalb der englischen Wochen nicht am Sonntag. Fußball-Obmann Frank Zerhusen berichtet, dass das ganz normal sei. Von verletzungsbedingten Verlegungen sei er kein Freund und dann manchmal eben der Buhmann, wenn er gegen eine Verlegung ist.

Er sagt aber auch: „Wenn es Anlässe gibt, kann man es natürlich nicht vermeiden.“ Dennoch ist für Frank Zerhusen klar: „Bei uns im Dorf sind alle auf den Sonntag eingestellt.“ Neuenkirchens Frank Schwermann pflichtet ihm bei: „Dann ist in Neuenkirchen Fußball-Tag. Da bin ich ein Verfechter von.“

Hier mal am Samstagabend: RW Visbeks Dennis Jex (links) im Duell mit Langfördens Steffen Grave. Foto: SchikoraHier mal am Samstagabend: RW Visbeks Dennis Jex (links) im Duell mit Langfördens Steffen Grave. Foto: Schikora

Die Lage in den Kreisklassen: In den drei Kreisklassen, die es im Kreis Vechta gibt, fanden in der Hinrunde der Saison 2021/21 insgesamt 312 Spiele statt. Davon wurden 92 Partien auf andere Wochentage verlegt. Vor allem in der 1. Kreisklasse stechen die Zahlen heraus: 42 Prozent der angesetzten Begegnungen, das sind 37 von 87 Partien, fanden nicht sonntags statt. Georg Möhlmann klärt auf: „Es gab in der Klasse mehrere Coronafälle. Viele Teams waren leider regelmäßig betroffen.“

Blick in die Zukunft: Der NFV-Kreis Vechta möchte auch in Zukunft Spielverlegungen zulassen. Georg Möhlmann macht deutlich, dass man nicht die „Spielverweigerungs-Organisation“ und für die Vereine und deren Interessen und Wünsche da sei. Verlegungen seien teilweise unumgänglich, betont er. Zudem hätten manche Spiele – vor allem Derbys – ihren Reiz, wenn sie werktags unter Flutlicht ausgetragen werden.

Möhlmann appelliert: Nicht verlegen, wenn nur ein Spieler fehlt

Als Beispiel nennt Georg Möhlmann das Derby zwischen BW Langförden und TuS Lutten (2:2) im vergangenen August. Das Duell fand an einem Mittwoch um 19.30 Uhr statt, über 300 Zuschauer pilgerten zum Bomhof. „Das sind dann richtig gute Kulissen, schöne Atmosphären“, sagt Georg Möhlmann.

Für die Zukunft wünscht sich der Spielleiter Herren allerdings, dass nicht wegen jeder Kleinigkeit Spiele verlegt werden. „Manche Vereine verlegen kurzfristig, weil ein Spieler fehlt. Davon muss man wieder ab“, macht er deutlich. Generell sei der Sonntag ein schöner Spieltag, da sich alle im Dorf treffen. Für viele ist dieser Tag dann eben doch noch heilig.


Verlegungen in der Saison 21/22

Beteiligung an Spielen, die nicht sonntags stattfanden:

  • Siebenmal: TuS Neuenkirchen
  • Fünfmal: SW Osterfeine II, BW Lohne III
  • Viermal: TV Dinklage II, SFN Vechta II, 1. FC Varenesch, SC Bakum
  • Dreimal: GW Mühlen II, Falke Steinfeld II, GW Brockdorf II, RW Damme, BW Langförden
  • Zweimal: VfL Oythe III, RW Visbek, TuS Lutten
  • Einmal: SV Langenberg

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