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Wie geht's weiter? Die Liga ist gespalten

Basketball-Bundesliga entscheidet zwischen Saisonabbruch und Prinzip Hoffnung. Rasta startet „#wirsindrasta“.

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Abbruch, Geisterspiele oder weiter warten? Auch die Rasta-Fans sind gespannt. Foto: Schikora

Abbruch, Geisterspiele oder weiter warten? Auch die Rasta-Fans sind gespannt. Foto: Schikora

Gibt's einen Abbruch der Saison oder geht das Spiel auf Zeit in die Verlängerung? Knapp zwei Wochen nach der außerordentlichen Versammlung der 17 Klubs berät die 1. Basketball Bundesliga am Mittwoch erneut über das weitere Vorgehen in der Corona-Krise – diesmal nicht auf dem Flughafen in Stuttgart, sondern per Telefonkonferenz. Am 12. März hatte die BBL entschieden, „bis auf Weiteres“ mit dem Spielbetrieb auszusetzen. Seitdem ist die Gemengelage durchaus noch komplizierter geworden. Diverse Klubs kämpfen um ihre Existenz und melden Kurzarbeit an, viele Topspieler sind bereits ausgeflogen, eine Corona-Prognose ist unmöglich und der Druck der Sponsoren- und TV-Partner auf die BBL steigt.

Wie geht's weiter? Die Liga ist tief gespalten zwischen Saisonabbruch und dem Prinzip Hoffnung. Rastas Klubchef Stefan Niemeyer glaubt und „befürchtet“, dass es am Mittwoch keine Entscheidung gibt, „dass man schiebt und schiebt“. Niemeyer sagt: „Ich bin für klare Kante. Man sollte einen Abbruch ernsthaft in Erwägung ziehen.“

Bayreuths Coach Raoul Korner glaubt auch nicht an eine Fortsetzung der Serie. „Ich sehe kein realistisches Szenario, in dem man diese Saison zu Ende spielen kann“, sagte der Österreicher: „Wir werden letztendlich froh sein können, wenn die nächste Saison pünktlich starten kann.“ Beim Mitteldeutschen BC tickt man ähnlich. Manager Martin Geissler fordert „schnell Klarheit“. Der MBC setzt wegen finanzieller Probleme auf Crowdfunding. Mit der Aktion „Gemeinsam für die Wölfe“ sollen in vier Wochen möglichst 85000 Euro „für den Fortbestand des Bundesliga-Standorts Weißenfels“ zusammen kommen.

Kritik an den Klubs: BBL-Geschäftsführer Stefan Holz.Kritik an den Klubs: BBL-Geschäftsführer Stefan Holz.

Andere BBL-Vertreter würden das Spiel auf Zeit gerne weiterspielen. Oldenburgs Geschäftsführer Hermann Schüller warnte kürzlich vor zu schnellen Entscheidungen: „Ich denke, wir sind noch ein Stück weit von einem Shutdown wie im Eishockey entfernt und sollten uns noch etwas Zeit geben.“ BBL-Vize Frank Meinertshagen, im Liga-Alltag Geschäftsführer der BG Göttingen, sagt: „Ich plädiere dafür, noch weiter zu warten, um uns das offen zu halten.“

Sogar „Geisterspiele“, vor zwei Wochen noch nahezu ausgeschlossen, sind offenbar wieder eine Option für den einen oder anderen Klub. Es geht ums Geld. 250000 Euro erhält jeder Verein aus dem TV-Pool (Telekom mit Magenta Sport sowie Sport1), ausgezahlt wird in Etappen,rund 70000 Euro dürften es noch pro Klub sein. Crailsheims Macher Martin Romig bringt es auf den Punkt: „Alle Varianten sind irgendwo möglich oder denkbar.“

BBL-Geschäftsführer Stefan Holz sagt: „Natürlich sind wir keine Traumtänzer, wir können Szenarien bewerten. Trotzdem gibt es das Ziel zu spielen, wenn es irgendwie geht.“ Der 52-Jährige rechnet je nach Ausgang mit einem Schaden von bis zu 25 Millionen Euro – eine riesige Summe angesichts eines BBL-Gesamtumsatzes von 145 Millionen. Es gilt zu retten, was zu retten ist. Und als Liga zusammenzubleiben. Letzteres dürfte aber besonders knifflig werden.

Am Tag vor der Konferenz goss Holz noch ein wenig Öl ins Feuer. Er kritisierte den Umgang der Vereine mit ihren US-Profis. „Wir hatten uns kürzlich schließlich einstimmig auf eine Beschlusslage geeinigt, die Saison wieder aufzunehmen. Die Klubs haben nun im Alleingang Fakten geschaffen“, sagte Holz bei Sport1. Am Dienstag hatten die Skyliners Frankfurt als mittlerweile 14. BBL-Klub fünf US-Profis eine Heimreise ermöglicht und Verträge teilweise aufgelöst. Über 50 Spieler sind bereits in die USA gereist. Dazu gehört auch ein Rasta-Quartett mit Steve Vasturia, Kamari Murphy, Jordan Davis und Max DiLeo – nur DiLeos Vertrag wurde nicht aufgelöst.

Tickets für letzten fünf Heimspiele haben Wert von über 330000 Euro

Unabhängig vom Ergebnis der Telefonkonferenz versucht Rasta Vechta, die sich häufenden Anfragen bezüglich des Ticketings in geordnete Bahnen zu lenken. In den vergangenen Tagen hatten viele Fans per Mail oder Nachrichten auf anderen Wegen ihre Solidarität mit dem Klub bekundet, indem sie für den Fall eines vorzeitigen Saisonendes in der BBL auf die Rückerstattung der Kosten für erworbene Eintrittskarten verzichten wollen.

Für eine bessere Planbarkeit startet der Tabellensechste nun die Aktion „#wirsindrasta“. Ab sofort gibt's auf der Homepage zwei Formulare. Inhaber von Tages- und Dauerkarten für die letzten fünf Heimspiele von Rasta, die bei einem Abbruch oder im Falle von Geisterspielen auf eine Erstattung verzichten möchten, können das nun einfach mitteilen. Bei den Dauerkarten (insgesamt 2442) bewegen sich mögliche Rückforderungen zwischen 47 Euro für eine ermäßigte Stehplatzkarte und 153 Euro für eine Premium-Sitzplatzkarte. Die Tickets für die letzten fünf Heimspiele gegen Berlin, Hamburg, Ulm, Göttingen und Crailsheim haben einen Gesamtwert von über 330000 Euro.

Vor der BBL-Saison hatte Rasta mit einer 90-prozentigen Auslastung der Halle kalkuliert, nach den ersten ausverkauften Partien wurde der Wert auf 95 Prozent nach oben korrigiert. Aktuell liegt die Auslastung bei 100 Prozent, alle elf Spiele waren mit 3140 Zuschauern ausverkauft. Für die letzten fünf Begegnungen waren nur insgesamt 1094 Tickets – alles Rückläufer aus den Gäste-Kontingenten – noch nicht verkauft. Als der Spielbetrieb ausgesetzt wurde, stoppte der Klub auch den Ticketverkauf.

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