Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Wenn aus dem Keller keine Erleuchtung kommt

Kolumne: Kopfball zum großen Kick – Thema: Die Video-Schiedsrichter.

Artikel teilen:

Noch immer huscht mir ein Lächeln durchs Gesicht, wenn ich ans 4:1 im Achtelfinale der WM 2010 gegen England denke. Frank Lampards Schuss prallte von der Unterkante der Latte deutlich hinter der Torlinie auf. Weltweit sichtbar, nur der Schiri sah's nicht. Wäre das 2:2 gewesen, eine Schlüsselszene. Damals ohne Torlinientechnik. Ungerecht, aber schön.

Die technischen Hilfsmittel inklusive Video-Beweis haben den Fußball gerechter gemacht, doch Gerechtigkeit herrscht dadurch noch lange nicht. Das Paradebeispiel lieferte die Schlüsselszene in Frankfurt, als Dortmunds Adeyemi den einschussbereiten Lindström mit beiden Händen umstieß. Kleinlaut erklärte Schiri Stegemann nach dem Abpfiff, dass er kein klares Foul habe erkennen können, nach Ansicht der Bilder aber auf Strafstoß hätte entscheiden müssen. Sein Geständnis in Ehren, aber exakt diese Bilder hätte er in besagter 42. Minute auch sehen können.

Da stand aber der bedröppelte Stegemann nach seinem abstrusen Handspiel-Pfiff im Frankfurter Hexenkessel und wartete auf die Erleuchtung im Kölner VAR-Keller. Dort schienen sie vielleicht vom abendlichen Kaffee mit Schuss benebelt zu sein, als sie über Headset von einer offensichtlich nicht falschen Entscheidung murmelten. Schmählich im Stich gelassen, mutierte Stegemann zur ärmsten Sau. Ohne die Institution VAR hätte man ihm eine falsche Tatsachenentscheidung verziehen, mit VAR ist so etwas unverzeihlich. Besser hätte Stegemann selbstbewusst nach Köln funken sollen: „Schickt mir mal die Bilder und schlaft weiter.“

„Die da unten im Kölner Keller werden schon sagen, was Sache ist.“Franz-Josef Schlömer

Längst verlassen sich die Schiris zu sehr auf den Video Assistant Referee. Abwarten, nichts falsch machen – die da unten im Kölner Keller werden schon sagen, was Sache ist. Beispiel Benjamin Cortus in München: Nach Hacks Foul an Mané pfiff er nicht und stand regungslos da, als ob er Hilferufe in den Keller sendete: „Was ist jetzt? Elfmeter? Abstoß? Macht hin, was soll ich entscheiden?“ Am Ende Elfmeter.

Die Kellermänner als Oberschiedsrichter? Sie sollten sich auf das Ziehen von Abseitslinien konzentrieren, das können sie perfekt. Und bei heiklen Szenen dem Schiedsrichter den Gang zum Monitor empfehlen. Ansonsten das Spiel laufen lassen, damit wir nicht schon beim Ankündigen des nächsten VAR-Eingriffs zusammenzucken. Aber die Kellermänner forschen in den Strafräumen zu oft und zu lange nach Händen, die den Ball vielleicht in einem bestimmten Winkel oder einer gewissen Höhe gestreift haben. Oder suchen Körperkontakte, die leicht, mittel oder schwer sein könnten. Da geht's nur um „Kann“-Entscheidungen, die kann ein Schiedsrichter allein regeln. Auf'm Platz. Mal so, mal so. Die eine richtige Entscheidung gibt es sowieso nie, diese absolute Gerechtigkeit garantieren auch technische Hilfsmittel nicht.

Also: Check over für das Checken von Spitzfindigkeiten. Aber da sein, wenn man gebraucht wird.

So verpassen sie nichts mehr. Mit unseren kostenlosen Newslettern informieren wir Sie über das Wichtigste aus dem Oldenburger Münsterland. Jetzt einfach für einen Newsletter anmelden!

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Wenn aus dem Keller keine Erleuchtung kommt - OM online