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Wechsel sorgen für Ärger in der Nachbarschaft

Abwerben von Jugendspielern im Fußball: Der TuS Neuenkirchen erhebt Vorwürfe gegen RW Damme.

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Im Clinch: TuS Neuenkirchen und RW Damme. Foto: Wenzel

Im Clinch: TuS Neuenkirchen und RW Damme. Foto: Wenzel

Geografisch betrachtet liegen Neuenkirchen-Vörden und Damme nah beieinander. Doch sportlich scheint es einen tiefen Riss zwischen beiden Vereinen zu geben. „Auf gute Nachbarschaft? Rot-Weiß Damme legt darauf scheinbar keinen Wert“, heißt es in einem Schreiben, mit dem sich der Vorstand des TuS Neuenkirchen an diese Redaktion gewandt hat. Der Grund für den Ärger: Der Klub wirft den Rot-Weißen vor, im Jugendbereich zuletzt wiederholt Spieler von der JSG Neuenkirchen-Vörden abgeworben und dabei vereinbarte Kommunikationswege missachtet zu haben.

Konkret nennen die Neuenkirchener Vorständler das Beispiel der C-Junioren-Mannschaft. Hier seien in Damme nun drei Akteure aktiv, die bis zur D-Jugend ausschließlich für Neuenkirchen bzw. Vörden gespielt hätten. Drei weitere Spieler seien kontaktiert worden. RW Damme und die JSG Neuenkirchen/Vörden spielen beide in der C-Jugend-Bezirksliga. „Scheinbar ist das Vertrauen in den eigenen Nachwuchs nicht so stark, da man nicht nur nach punktuellen Verstärkungen sucht, sondern Gegnern aus der gleichen Liga gezielt Spieler abwirbt“, heißt es in dem Schreiben der Neuenkirchener.

Sie werfen RW Damme vor, sich nicht an kreisinterne Vereinbarungen gehalten zu haben. Vor vier Jahren wurde auf dem Kreisjugendtag in Lutten von allen Vereinen im NFV-Kreis eine „freiwillige Selbstverpflichtungserklärung“ unterzeichnet. Diese sieht neben einem Verzicht auf das Abwerben von Jugendspielern bis zur D-Jugend auch folgenden Kommunikationsweg vor: Der Jugendleiter des abgebenden Vereins soll „frühzeitig über den gewünschten Wechsel“ informiert werden.

Trend laut TuS-Jugendleiter "seit zwei Jahren zu beobachten"

Das sei „nur selten“ seitens der Dammer geschehen, kritisieren die Neuenkirchener. „Beim Großteil der Leute ist gar nichts passiert“, sagt TuS-Jugendleiter Sebastian Gude. Häufig seien zuerst der Spieler und die Eltern angesprochen worden. Die Tatsache, dass RWD Spieler abwerbe, ist laut Gude „seit zwei Jahren zu beobachten“. Der jüngste Fall stört den TuS massiv – weil gleich mehrere Spieler angesprochen worden seien und die Teams in einer Liga spielen.

Dammes Klubchef Matthias Theilmann kann den Ärger des Nachbarvereins nachvollziehen. „Ich bin auch nicht begeistert, wenn ich als 1. Vorsitzender zwei Spieler nach Lohne ziehen lassen muss“, gibt er zu. Er bekräftigt mit Verweis auf die Regularien der Ausbildungs- und Förderungsentschädigung allerdings: „Wir sind da immer ganz fair.“ So zahle RW Damme stets die geregelten Beträge an die abgebenden Vereine aus.

Auch Theilmann ist der Meinung, dass man sich an die vom NFV-Kreis vereinbarten Kommunikationswege halten und es über die Jugendleiter regeln solle. „Letztendlich entscheiden immer die Spieler und die Eltern“, sagt er. Und: „Sie können auch jederzeit zurückgehen.“

Kreisjugendchef David Lücker kennt die Problematik und auch den Fall im Südkreis. Es sei aber kein neuer Trend, sondern vielmehr würden immer mal wieder Differenzen auftreten. Im Detail wollte er sich zum konkreten Fall nicht äußern. „Wir haben als Kreisverband sowieso keine Handhabe dagegen“, erklärt er und verweist auf die Freiwilligkeit der Vereinbarung. Eine spezielle Entwicklung bereitet ihm aber doch ein wenig Sorgen: die neuen Kommunikationswege über die sozialen Netzwerke. „Wenn Trainer direkt per WhatsApp Kontakt mit Spielern aufnehmen – das ist für mich ein Unding“, sagt er. Diese „absolute Unsitte“ sei gerade im Jugendbereich zu vermeiden.

Teil der Neuenkirchener Vorwürfe an RWD ist auch, im Sommer 2019 „massiv über WhatsApp für den Dammer Jugendbereich geworben“ zu haben. Gude meint, die Klubs aus dem Umkreis hätten sich damals dagegen „zusammentun müssen“.


Freiwillige Selbstverpflichtungserklärung des NFV-Kreises Vechta

„In Anbetracht der in der Vergangenheit zunehmenden Abwerbungen und versuchten Abwerbungen von Jugendspielern – zunehmend auch in den jüngsten Altersklassen – gebe ich als Vertreter des oben benannten Vereins folgende Selbstverpflichtungserklärung ab:

  • Bei beabsichtigten Vereinswechseln von Jugendspielern aller Altersklassen zu unserem Verein werden wir den Jugendleiter des abgebenden Vereins frühzeitig über den gewünschten Wechsel in Kenntnis setzen und diesen nicht vor vollendete Tatsachen stellen.
  • Wir verzichten auf Spielerabwerbungen von Spielern der jüngsten Altersklassen bis einschließlich der D-Junioren – auch und gerade in Anbetracht der Tatsache, dass bis zu diesen Klassen der Jugendfußball ausschließlich auf Kreisebene stattfindet.
  • Wir informieren alle Trainer und Eltern der Jugendspieler unseres Vereins über den Inhalt dieser abgegebenen Selbstverpflichtungserklärung, damit auch diese die vorstehenden Grundsätze beachten.“

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