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Volle Kraft voraus für Paris und Wimbledon

Tennisspielerin Julia Middendorf (18) aus Dinklage steht erstmals in der WTA-Weltrangliste. Bei OM online spricht sie über die "tolle Erfahrung" in Stuttgart und die nächsten Ziele.

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Power mit der Rückhand: Julia Middendorf in Stuttgart. Foto: Porsche Media/Paul Zimmer

Power mit der Rückhand: Julia Middendorf in Stuttgart. Foto: Porsche Media/Paul Zimmer

Es ist nur eine Zahl. Und Julia Middendorf war seit Tagen klar, dass es "irgendwas zwischen 800 und 900 wird". Aber als sie dann Gewissheit hatte, als sie es auf ihrem Smartphone lesen konnte, in lila-blauer Schrift auf weißem Grund, kam die 18 Jahre alte Dinklagerin aus dem Strahlen nicht mehr raus. "Ich bin mega happy", sagt sie, nachdem sie eine wichtige Hürde gemeistert hat. Seit dieser Woche wird Julia Middendorf in der Weltrangliste der "Women’s Tennis Association" (WTA), der Vereinigung der professionellen Tennisspielerinnen, geführt.

Zum Einstieg ist es Platz 830 geworden. Vor ihr liegen eine Japanerin, eine Italienerin und eine Serbin, hinter ihr Spielerinnen aus Indonesien, USA und Venezuela – internationaler geht's kaum. "Ich bin drin. Das fühlt sich echt gut an", sagt Julia Middendorf und schickt einen Grund für die gute Laune hinterher: "Jetzt wird's leichter, in die Felder bei den Damen-Turnieren zu kommen."

Platz 830 – das ist noch weit weg von der Weltspitze, aber darum geht's ihr auch noch nicht. "Ich hatte einen guten Start, das freut mich. Ich hoffe, dass das erst der Anfang ist", erklärt Julia Middendorf. Der gute Start – damit meinte sie die vergangene Woche. Beim mit 565 .000 Dollar dotierten WTA-Turnier in Stuttgart hatte Julia Middendorf zwei Erfolge in der Qualifikation gefeiert und damit den Einzug ins elitäre Hauptfeld geschafft, wo sie in der ersten Runde der Weltranglisten-27. Anett Kontaveit einen tollen Fight lieferte. Das Talent aus dem "Porsche Junior Team" des Deutschen Tennis Bundes (DTB), per Wildcard in die Qualifikation gekommen, nutzte die Gunst der Stunde mit drei mutigen Auftritten.

25 Weltranglistenpunkte gab's dafür, hinzu kommt noch ein Punkt von einem früheren Turnier auf der „Women's Tour“ des Weltverbandes ITF. "Mir wurde gesagt, dass ich für die 25 Punkte, die ich jetzt in Stuttgart bekommen habe, auf der ITF-Tour bestimmt ein, zwei Turniere hätte gewinnen müssen", sagt die Dinklagerin, die die Wildcard für die Qualifikation als "Glücksfall" bezeichnet. Stuttgart sei eine "tolle Erfahrung" gewesen, so Julia Middendorf. Das Schnuppern auf der großen Bühne – aus den Top 10 der Weltrangliste waren sieben Spielerinnen in Stuttgart – machte Lust auf mehr.

"Ich glaube, sie konnten sich alle viel von den Stars abgucken", erklärt Julia Görges (32). Die Wimbledon-Halbfinalistin von 2018, die im letzten Oktober ihre Karriere beendet hat und in Stuttgart als Social-Media-Reporterin die "Mädels von morgen" unter die Lupe nahm, ergänzt mit Blick auf Julia Middendorf und Co.: "Man muss der jungen Generation Zeit geben, sich zu entwickeln. Sie haben alle gute Grundlagen. Aber Zeit sollte ganz groß geschrieben sein."

Worte, die Julia Görges' frühere DTB-Kaderkollegin Andrea Böckmann (geb. Sieveke) unterschreiben kann. "Man darf nicht zu früh zu viel erwarten. Bei allem Ehrgeiz darf gerade am Anfang der Spaß am Training nicht verloren gehen", sagt die 33-Jährige. Sie weiß, wovon sie spricht. Die Lutterin, die inzwischen in Damme lebt und mit ihrem Mann Paul den Friseursalon Böckmann in Steinfeld betreibt, war 2004 die erste VEC-Tennisspielerin, die in der WTA-Weltrangliste geführt wurde. Ihre Einstiegsdaten: Platz 1095 mit 2,5 Punkten.

Sie absolvierte auf der ITF-Damentour 69 Turniere in 18 Ländern und gewann fünf Titel – zwei im Einzel (Manchester, Melilla) und drei im Doppel (La Palma, Sheffield, Caserta). Im Oktober 2006 verbuchte sie als Nummer 331 ihre beste Weltranglistenplatzierung. Im Sommer 2007 war Schluss. Der Körper hatte rebelliert. Milz raus, Galle raus – es hatte keinen Sinn mehr. Andrea Böckmann sagt aus Erfahrung: "Es ist wichtig, auf den Körper zu hören."

Turnier in Tschechien: Julia Middendorf im Achtelfinale

Julia Middendorfs Weg hat sie verfolgt, auch die Woche in Stuttgart. "Sie ist sehr athletisch, sehr zielstrebig", erklärt Andrea Böckmann: "Und sie ist auf dem Boden geblieben, das finde ich gut. Sie hat ein tolles Umfeld." Hin und wieder sei man in Kontakt. "Wir standen bzw. stehen ja vor ähnlichen Entscheidungen", so Andrea Böckmann. Sie verließ 2004 die Liebfrauenschule nach der 11. Klasse, wechselte ins Bundesleistungszentrum Hannover, konzentrierte sich sofort auf die ITF-Damen-Tour und spielte kaum Junior-Turniere. Bei Julia Middendorf ist es anders: Die Zwölftklässlerin (auch ULF in Vechta) streckt die Oberstufe um ein Jahr, hat ihren Lebensmittelpunkt weiter in Dinklage und fokussiert sich auf die ITF-Juniors, um mal bei den Junior Grand Slams starten zu können.

Zum Vergleich: Als Andrea Böckmann erstmals in der WTA-Weltrangliste auftauchte, lag sie im U-18-Ranking der ITF auf Platz 683. Julia Middendorf steht aktuell in der Jugend-Weltrangliste auf Rang 44. Der Traum von Paris und Wimbledon dürfte in Erfüllung gehen. "Ich hab' mich für die French Open angemeldet. Jetzt hoffe ich, dass ich ins Feld komme. Es sieht ganz gut aus", so Julia Middendorf, die zurzeit in Tschechien ist; genauer gesagt in Ricany südöstlich von Prag. Dort spielt sie noch ein J1-Junior-Turnier, um Restzweifel zu beseitigen. Nach einem 6:4, 7:5-Sieg gegen die Russin Yaroslava Bartashevich steht sie im Achtelfinale, in dem sie am Donnerstag auf die Tschechin Kristyna Tomajkova trifft.

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