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Vivien Endemann zwischen Abstiegsfrust und Neuanfang

Die Dinklager Fußballerin blickt auf ihre Zeit in Meppen zurück. Mit den Emsländerinnen verpasste sie den Klassenerhalt, aber die 19-Jährige bleibt erstklassig. Sie spielt und wohnt ab Juli in Essen.

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Sie bleibt erstklassig: Vivien Endemann trägt künftig das Essener Trikot. Foto: Keßler

Sie bleibt erstklassig: Vivien Endemann trägt künftig das Essener Trikot. Foto: Keßler

Die Saison ist gerade seit etwas mehr als einer Woche vorbei. Da ist es wenig verwunderlich, dass Vivien Endemann noch nicht komplett mit ihr abgeschlossen hat. „Natürlich ist der Abstieg auch heute immer noch ärgerlich“, sagt die Fußballerin zum verpassten Klassenerhalt in ihrer Premierensaison in der 1. Bundesliga mit dem Aufsteiger SV Meppen. In ihrer Heimat Dinklage gewinnt sie gerade etwas Abstand. Und tankt Kraft für ein neues Kapitel. Denn auch wenn der Klub aus dem Emsland abgestiegen ist: Vivien Endemann bleibt erstklassig. Sie schließt sich zur kommenden Saison der Sportgemeinschaft Essen-Schönebeck 19/68 e.V. an, kurz: SGS Essen. Ein gestandener Erstligist, der seit 2004 im Oberhaus vertreten ist und in der nun beendeten Spielzeit den achten Platz belegte.

Vivien Endemann wartet nun auf den 1. Juli, dann kann sie ihre neue Wohnung beziehen. Ein Teil ihres Hab und Guts befindet sich schon in Dinklage, die Möbel stehen noch in ihrer Meppener Wohngemeinschaft. Sie sollen bestenfalls direkt von dort aus ins Ruhrgebiet wandern. In Essen wird die 19-Jährige alleine wohnen, die Wohnung hat der Verein organisiert. Sie befindet sich in einer Straße, in der auch einige ihrer Mitspielerinnen zu Hause sind.

Die Angreiferin startet im Juli also in ein neues Kapitel – und lässt ein altes hinter sich. Klar, den Abschied aus Meppen hätte sie sich anders gewünscht. „Dass die Zeit mit dem Abstieg endet, ist nicht schön. Aber das gehört vielleicht auch zum Sport dazu“, sagt sie. Trotzdem fällt ihr Rückblick positiv aus. Nicht nur wegen des Aufstiegs durch den Corona-Abbruch im vergangenen Jahr, sondern auch wegen ihrer persönlichen Entwicklung.

„Ich hätte niemals gedacht, dass ich so viel Spielzeit bekomme – weder in der zweiten noch in der ersten Liga, wo ich alle Spiele gemacht habe“, resümiert Vivien Endemann. Nach ihrem Wechsel vom Regionalligisten Jahn Delmenhorst (19 Spiele, 17 Tore) kam sie in der Zweitliga-Saison 2019/20 auf 14 Einsätze, vier Tore und eine Vorlage. In der darauffolgenden Bundesliga-Spielzeit spielte sie in allen 22 Partien, erzielte drei Tore und kam außerdem auf zwei Assists. Damit war sie an knapp einem Drittel der Meppener Tore (16) beteiligt. In beiden Saisons traf sie außerdem je einmal im DFB-Pokal.

In die Meppener Zeit fiel auch Vivien Endemanns DFB-Premiere. Bei einem Nationenturnier im spanischen La Manga absolvierte sie im März 2020 drei Partien für die U-19-Nationalmannschaft. Ihr Weg führte also steil nach oben. Grinsend stellt die schnelle Stürmerin fest: „Beschweren kann ich mich da wirklich nicht.“ Ihr großer Ehrgeiz hat ihr dabei sicherlich geholfen, dennoch gibt sie unumwunden zu: „Dass es so gut läuft, hätte ich vorher nicht gedacht.“

Dass ihr Weg nach einem Jahr nicht wieder runter in die 2. Bundesliga führen soll, hatte Vivien Endemann in den vergangenen Monaten mehrfach betont. Das Ziel war bis zum Schluss der Klassenerhalt mit Meppen. Doch dass sie den Verein verlassen wird, war trotzdem schon vor dem verpassten Klassenerhalt klar. Man hatte sich wegen der brisanten Lage nur dazu entschieden, den Wechsel erst nach der Saison zu kommunizieren.

Vivien Endemann verlässt das Emsland mit guten Erinnerungen und voller Tatendrang. „Ich freue mich, dass ich jetzt noch mal den nächsten Schritt gehen kann“, sagt sie zu ihrer Zukunft in Essen. Nicht nur aus sportlichen Gründen hält sie das Ruhrgebiet für den richtigen Standort: Am 1. Oktober beginnt sie ein Fernstudium in Fitnessökonomie und Fitnesswissenschaft. Das Studieninstitut befindet sich in Düsseldorf, aber auch Essen ist ein Prüfungsort.

Dass in Maike Berentzen eine bisherige Mitspielerin aus Meppen mit ihr zur SGS Essen wechselt und ebenfalls einen Vertrag bis 2024 unterschrieben hat, wird der Dinklagerin die Eingewöhnung in Essen sicherlich erleichtern. Es sei zwar kein ausschlaggebender Grund gewesen, „aber es freut einen natürlich schon, wenn noch jemand da ist, den man schon kennt“.

Bald im selben Stadion wie Simon Engelmann

Apropos bekannt: Vivien Endemann wird künftig auf dem selben Rasen auf Torejagd gehen wie der Visbeker Simon Engelmann. Der 32-Jährige spielt für den Regionalligisten RW Essen – und die beiden Essener Mannschaften teilen sich das Stadion an der Hafenstraße.

Die 29 Saisontore von Torschützenkönig Engelmann dienen zwar noch nicht als Richtwert. Ein paar sollen es aber schon sein, wie Vivien Endemann bei der Formulierung ihrer persönlichen Ziele durchblicken lässt: „Ich möchte so gut wie möglich spielen. Und vielleicht auch mal wieder das eine oder andere Tor schießen.“

Die 19-Jährige liebäugelt auch mit einer etwas längeren Pokalreise. Die SGS Essen schaffte es 2020 sogar bis ins Finale, verlor dann aber im Elfmeterschießen gegen den Dauersieger VfL Wolfsburg. Vivien Endemann wäre gerne bei einer Neuauflage mit ihrer neuen jungen Mannschaft dabei. Doch vorher heißt es noch: Möbel schleppen.

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