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Virtueller Lauf: Alle schwärmen vom "Ossiloop anners"

Sogar in Afghanistan, Singapur und Chile nehmen momentan Starter am Ostfriesland-Lauf teil. Unter den knapp 5000 Hobbyläufern sind auch Jan Gardewin (Löningen) und Jürgen Ahrens (Cloppenburg).

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Frühstarter: Jürgen Ahrens absolviert seine Etappen stets morgens um 6.30 Uhr. Foto: Til Bettenstaedt

Frühstarter: Jürgen Ahrens absolviert seine Etappen stets morgens um 6.30 Uhr. Foto: Til Bettenstaedt

Ein Soldat in Afghanistan, ein Pastor in Südafrika, eine Musikstudentin in Norwegen – in aller Welt starten heute wieder Hobbyläufer beim „Ossiloop anners“. Auch in Singapur, Chile oder Kanada sind Ausdauerfans – zumeist Exil-Ostfriesen – mit von der Partie. Bei der virtuellen Ausgabe der kultigen Sechs-Etappen-Veranstaltung, die in normalen Zeiten quer durch Ostfriesland führt, steht für die knapp 5000 Teilnehmer an diesem Freitag der vierte Teilabschnitt auf dem Programm. Aus dem Kreis Cloppenburg nehmen im Laufe des Tages unter anderem der Löninger Jan Gardewin und Jürgen Ahrens aus Cloppenburg die 11,9 Kilometer lange Strecke in Angriff.

Als die Corona-Pandemie im vergangenen Jahr ihren Anfang nahm und der Ossiloop abgesagt werden musste, entschied sich Organisator Edzard Wirtjes dazu, eine Alternative ins Leben zu rufen: den „Ossiloop anners“.

Die Idee sollte zur Erfolgsgeschichte werden, das Interesse war riesig – vor allem bei Ostfriesen, die fernab der Heimat leben und nicht drei Wochen lang zu den Etappen, die immer dienstags und freitags ausgetragen werden, kommen können.

Jan Gardewin. Foto: GardewinJan Gardewin. Foto: Gardewin

Auch in diesem Jahr „rennen“ die Teilnehmer wieder auf ihrer ganz persönlichen Lieblingsstrecke und halten ihre Zeiten – diese sind eigentlich irrelevant, Sieger und Platzierungen gibt es nämlich nicht – anschließend in der Ossiloop-App oder auf der Ossiloop-Homepage fest.

Ein 27 Jahre alter Mann aus Ostrhauderfehn im Landkreis Leer, Uwe Dübbelde, absolvierte die erste Etappe sogar in seinem Flur. Weil er sich in Corona-Quarantäne befand, blieb ihm keine andere Möglichkeit. 1120-mal rannte Dübbelde in seinem fünf Meter langen Flur hin und her, wie er der „Ostfriesen-Zeitung“ sagte.

Draußen an der frischen Luft geht Jan Gardewin (51) aus Löningen heute die vierte Etappe an. Nachdem er bei den ersten beiden Abschnitten (11,2 und 11,5 Kilometer) auf der „Marathonstrecke“ in Löningen unterwegs war, fuhr er für den dritten Teil (9,5 km) zu einem befreundeten Läufer nach Werlte ins Emsland. „Zu zweit zu laufen, macht natürlich etwas mehr Spaß.“

Dreifacher Sieger: Der Garreler Andreas Kuhlen feierte 2019 in Ben- sersiel seinen dritten Ossiloop-Triumph. Foto: Klaus OrtgiesDreifacher Sieger: Der Garreler Andreas Kuhlen feierte 2019 in Ben- sersiel seinen dritten Ossiloop-Triumph. Foto: Klaus Ortgies

Eine Teilnahme am normalen Ossiloop hatte Gardewin schon länger im Blick. „Ich mag den Charme von besonderen Laufveranstaltungen. Von dem Lauf durch Ostfriesland habe ich viel Positives gehört.“ Doch drei Wochen lang immer dienstags und freitags pünktlich um 17 Uhr bei den Starts zu sein, sei für ihn aus beruflichen Gründen nicht machbar. „Irgendwann werde ich mir für den Ossiloop aber mal Urlaub nehmen“, sagt er.

Doch heute und in der kommenden Woche stehen erst einmal die letzten drei Etappen beim „Ossiloop anners“ an. Jan Gardewin ist von dem virtuellen Lauf begeistert. „Ich kenne einige, die auch dabei sind. Obwohl man nicht zusammen läuft, kommt ein Gemeinschaftsgefühl auf“, sagt er.

In den Genuss dieses Gefühls kam bereits auf der ersten Etappe der Cloppenburger Jürgen Ahrens. „Ich habe am frühen Morgen auf meiner Strecke an der Soeste in Richtung Ambührener See jemanden getroffen, der auch eine Ossiloop-Startnummer auf der Brust hatte“, sagt der 54-Jährige.

"Ich laufe immer so um 6.30 Uhr. Zweimal war es sehr windig und regnerisch."Jürgen Ahrens

Schon im vergangenen Jahr wollte Ahrens eigentlich am „Ossiloop anners“ teilnehmen – doch er verpasste den Anmeldeschluss um einen Tag. Diesmal erinnerte ihn sein ossiloop-erfahrener Neffe Michael Röben (31) rechtzeitig – und Ahrens ist mit von der Partie.

Während Jan Gardewin seine Etappen meist nach der Arbeit absolviert, heißt es für Jürgen Ahrens: sehr früh aufstehen. „Ich laufe immer so um 6.30 Uhr. Zweimal war es sehr windig und regnerisch, das ist dann kein Zuckerschlecken. Vor allem, wenn ich, wie beim ersten Mal, keinen Kaffee und nicht gefrühstückt hatte“, sagt er und schmunzelt.

Wie Gardewin wird aber natürlich auch Ahrens bis zur Schlussetappe am nächsten Freitag (26. März) „durchziehen“. Und dabei einer von vielen Ossiloopern in aller Welt sein.


Fakten:

  • Der Ossiloop ist eine Laufveranstaltung, die die Teilnehmer jedes Jahr in der Regel im Mai über sechs Etappen quer durch Ostfriesland führt. Die Länge der Gesamtstrecke beträgt 64,7 Kilometer. Erstmals wurde der Lauf im Jahre 1982 ausgetragen.
  • Bis 2009 wurde beim Ossiloop von „Leer bis ans Meer“ gelaufen, mittlerweile wechselt die Richtung Jahr für Jahr. Bei den Männern feierte der Garreler Andreas Kuhlen zwischen 2017 und 2019 drei Gesamtsiege.
  • Im vergangenen Jahr war der reguläre Ostfrieslandlauf aufgrund der Corona-Pandemie ausgefallen. Stattdessen rief Organisator Edzard Wirtjes den „Ossiloop anners“ ins Leben, bei dem die Starter jeweils für sich ihre Etappen absolvieren und ihre Zeiten über eine App oder online erfassen. Wegen des großen Interesses 2020 – mehr als 3500 Teilnehmer waren am Start – wird der virtuelle Lauf von nun an zusätzlich zum normalen Ossiloop angeboten.

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