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Viele harte Worte und ein stolzer Engländer

Das EM-Aus der Fußball-Nationalmannschaft bewegt auch die heimische Sportszene. OM online hat sich umgehört – und dabei auch einen Glücklichen gefunden.

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Der Anfang vom Ende: Raheem Sterling trifft zum 1:0. Mats Hummels und Manuel Neuer kommen zu spät. Foto: dpa/Charisius

Der Anfang vom Ende: Raheem Sterling trifft zum 1:0. Mats Hummels und Manuel Neuer kommen zu spät. Foto: dpa/Charisius

Frank Schwermann (Trainer TuS Neuenkirchen, Kreisliga): „Ich finde im Gegensatz zu unseren ganzen Experten im Fernsehen, dass England hochverdient gewonnen hat. Die Deutschen haben vielleicht bis zum Sechzehner kombiniert, dann ist ihnen aber nichts mehr eingefallen. Die Engländer waren generell viel bissiger. Wir haben gerade auch Sterling zu viel Raum gegeben, er konnte sich immer drehen. Insgesamt war das Zweikampfverhalten nicht gut. Wenn ich einen Serge Gnabry sehe, auch wenn es nur eine Viertelstunde war: So etwas Lustloses, so etwas Uninspiriertes. Vielleicht war er beleidigt, weil er nicht von Anfang an gespielt hat. Das war eins zu eins das, was Leroy Sane auch abgeliefert hat. Ich will es aber jetzt nicht an ihnen alleine festmachen. Goretzka ist zwar gut reingekommen, man hat ihm die Verletzung aber auch angemerkt. Und Kroos war auch nicht im Spiel. Das zog sich alles wie ein roter Faden durch das Turnier. Vor allem die Einstellung einiger Spieler – da hat es gefehlt. Das fand ich echt schlimm.“

Carsten Stammermann (A-Jugendtrainer JFV Emsland aus Bunnen): „Das Aus ist natürlich enttäuschend, kommt für mich aber nicht wirklich überraschend. Das England-Spiel war sinnbildlich für das gesamte Turnier. Meiner Meinung nach fehlte bei uns in allen vier Partien die Konstanz und vor allem die Mentalität, die etwa die Schweiz und Dänemark an den Tag legen. England wollte den Sieg einfach mehr, bei uns waren es letztendlich 10, 15 Prozent zu wenig. Abgesehen davon konnte ich Löws Entscheidung für die Dreier- bzw. Fünferkette nicht nachvollziehen. So spielen eigentlich nur Mannschaften, die defensiv eingestellt und nicht auf Ballbesitz aus sind.“

Martin Fischer (NFV-Kreisvorsitzender aus Langenberg): „Das Turnier fand ich aus deutscher Sicht anfangs sehr erfolgreich, da sie in der schweren Gruppe weitergekommen sind. Ich finde aber, dass Deutschland jetzt sehr, sehr verdient rausgeflogen ist. Vor allem, wenn man guckt, wie sehr man in den beiden Spielen Kroatien - Spanien und Frankreich - Schweiz einen Tag vorher verwöhnt worden ist. Und dann sieht man so ein Hin- und Hergeschiebe. Ich finde, dass auch viel zu spät gewechselt wurde – und dann auch noch falsch. Sehr erbost war ich darüber, dass Musiala erst so spät gekommen ist. Da muss man den Bundestrainer an dieser Stelle schon kritisieren, das sind aus meiner Sicht falsche Signale. Ich hätte Musiala von Anfang an gebracht, das Risiko wäre ich eingegangen. Der Schwung von jungen Spielern, die noch was erreichen wollen, hat gefehlt. Ich hätte mir gegen England unsere U-21-Nationalmannschaft gewünscht. Sie sind mit Biss und Hunger aufgetreten, sie sind vorne angelaufen. Hoffentlich hat der neue Bundestrainer diese Signale vernommen. Und ich hoffe auch, dass jetzt einige Spieler wie Hummels, Müller und Kroos den Mut haben, zu sagen: Es reicht.“

Hatte das 1:1 auf dem Fuß: Deutschlands Thomas Müller ärgert sich nach der verpassten Torchance. Foto: dpaCharisiusHatte das 1:1 auf dem Fuß: Deutschlands Thomas Müller ärgert sich nach der verpassten Torchance. Foto: dpa/Charisius

Dr. Franz Stuke (Vorsitzender KSB Cloppenburg): „Die individuelle Klasse im deutschen Team ist durchaus vorhanden, das hat man auch am Dienstag gesehen. Allerdings haben wir es nicht geschafft, als echte Einheit und mutig genug aufzutreten. Jogi Löw kann ich nicht verstehen. Nicht einmal nach dem 0:1 hat er Abstand von der Dreierkette genommen. Er trägt eine große Mitschuld am Ausscheiden, wie ich finde.“

Raphael Dornieden (Trainer des Landesligisten VfL Oythe): „Ich denke, wir sind verdient ausgeschieden. Es war keine gute EM, wir haben von vier Spielen nur eins gewonnen. Es war offensiv und defensiv nicht gut. Was mich gewundert hat, war, warum Löw nicht reagiert hat. Nach dem 0:1 bringe ich doch spätestens eine Minute später zwei neue Leute. Er hat gewartet und gewartet, und dann fällt das 0:2 und es ist vorbei. Es ist schade, dass die Ära Löw so zu Ende geht. Ich hätte ihm gegönnt, dass sie weiterkommen, vielleicht ins Halbfinale, auch wenn mir der Glaube an den Titel fehlte. So bleiben die letzten zwei Turniere hängen und das wird ihm als Trainer nicht wirklich gerecht. Bis 2018 ging es ja nur bergauf und er ist Weltmeister geworden. Taktisch hätte ich mit Viererkette gespielt und mit Kimmich im Zentrum. Aber auch so hätten wir gegen England weiterkommen können. Wer weiß, was passiert, wenn Müller das 1:1 macht. Da liegen dann wirklich nur Zentimeter zwischen 'Wäre Löw doch 2018 zurückgetreten' und 'Super, dass er weitergemacht hat'.“

Jörg Roth (Trainer SV Emstek): „Das war eine völlig verdiente Niederlage. Die Mannschaft hat mutlos gespielt und hatte gerade einmal zwei Torchancen in 90 Minuten. Es gab wesentlich mehr Rückpässe als Pässe nach vorne. Thomas Müller war die ärmste Sau auf dem Platz. Von dem in der Vorbereitung angeblich trainierten Pressing war gar nichts zu sehen.“

Marlon Wichmann (A-Jugendspieler JFV Cloppenburg): „Ich war vor dem Spiel gegen England pessimistisch, daher habe ich auch 2:0 für sie getippt. Deutschland hat meiner Meinung nach wieder zu zurückhaltend und defensiv agiert. Zwar waren die Engländer nicht wirklich besser, trotzdem ist der Sieg verdient. Müller muss natürlich das 1:1 machen, dann wäre alles möglich gewesen.“

Ian Burgess (englischer Altherren-Fußballer vom TV Dinklage): „Am Anfang war es sehr taktisch, beide Mannschaften kamen nicht so zum Zug und hatten Angst, Fehler zu machen, das erste Gegentor zu kassieren. Später in der zweiten Halbzeit hat England dann aber mit Sterling und Kane gepusht. Ich habe natürlich mitgejubelt. Ich bin da geboren. Ich lebe jetzt seit 26 Jahren hier – und ich habe jede Menge Niederlagen erlitten in dieser Zeit. Endlich gab es jetzt einen Sieg, ich war definitiv stolz. Und ich bin glücklich, dass es nicht ins Elfmeterschießen gegangen ist. Bei der Müller-Chance habe ich schon gezittert, dass war ein Tausend-Prozenter. Es war bezeichnend, dass Müller die Chance vergeben hat. Ich hab' ihn in den ersten drei Spielen nicht gesehen – und er sollte der Heilsbringer sein. Was mir gefallen hat: Meine Nachbarn, mit denen ich geguckt habe, haben alle gesagt, dass es verdient war. Das hab' ich auch schon anders erlebt. Jetzt tippe ich auf einen englischen EM-Sieg im Finale gegen Italien.“

Gerrit Thomes (Spieler Hansa Friesoythe): „Über das gesamte Turnier war es eine starke kämpferische Leistung. Dennoch fehlte gegen England, wie es in fast allen Spielen – ausgenommen Portugal – an Risikobereitschaft, Tempo und Spielwitz im letzten Drittel. Mit nur einem Sieg aus vier Spielen ist Deutschland letztendlich zu Recht ausgeschieden. Jetzt freue ich mich auf eine neue Ära mit einer jungen Mannschaft und einem klasse Coach.“

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