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"Viele Fragen ohne klare Antworten"

Rastas Coach Pedro Calles klopft Stimmungslage im Team ab.

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Gesprächsbedarf: Rasta Vechtas Kapitän Josh Young zwischen Coach Pedro Calles (links) und Co-Trainer Miguel Zapata.  Foto: Schikora

Gesprächsbedarf: Rasta Vechtas Kapitän Josh Young zwischen Coach Pedro Calles (links) und Co-Trainer Miguel Zapata.  Foto: Schikora

Vechta. Die Kritiker feuerten sofort aus allen Rohren. Die Entscheidung der Basketball-Bundesliga, die wegen der Coronavirus-Krise seit Mitte März unterbrochene BBL-Saison 2019/20 nicht abzubrechen und stattdessen alle Kraft in ein mögliches Rumpfturnier im Juni mit zehn Mannschaften zu stecken, hat zum Teil heftige Reaktionen in den sozialen Netzwerken ausgelöst. Von einer „Alibi-Veranstaltung nur des schnöden Geldes wegen“ war die Rede. Oder: „Die dümmste Entscheidung, die es gibt!“, gefolgt von „Unnötige Verschwendung von Test-Ressourcen“. Dass sich die BBL im Gegensatz zum Eishockey, Volleyball, Tischtennis und Handball nicht zu einem Abbruch durchringen konnte und ihr Spiel auf Zeit nun mit einem konkreten Vorschlag für ein sportliches Saisonende garnierte, fand aber auch vereinzelt Zustimmung. „Besser als nichts“, hieß es. Die „mutige Entscheidung“ sei eine „große Chance für den Sport“.

"Wir geben dem Ganzen eine Chance"Rastas Klubchef Stefan Niemeyer über den BBL-Plan

Rasta Vechta will Teil dieser Chance sein und wechselte aus dem Lager der Abbruch-Befürworter in die „Allianz der Willigen“, die von Bayern München und Alba Berlin angeführt wird. Die positive Haltung gegenüber dem neuen Modell kommentierte Vechtas Klubchef Stefan Niemeyer so: „Wir denken, dass wir im besten Sinne handeln, und hoffen, damit einen möglichen noch größeren, langfristigen Schaden von Rasta abwenden zu können.“ Eine gewisse Skepsis sei zwar noch da, „aber wir geben dem Ganzen eine Chance.“ Ebenso wie viele andere Klubs fürchtete auch Rasta hohe Rückforderungen der Liga-Partner (easycredit, Telekom, Barmer).

Seit Dienstag bastelt eine BBL-Expertenrunde mit Vertretern der weiter mitwirkenden Vereine an einem genauen Ablauf für das gewagte Vorhaben. Die Liga benötigt ein detailliertes Hygiene- und Sicherheitskonzept für ihr Turnier mit 20 Gruppen- und sieben K.o.-Spielen an einem Standort. Spätestens am 18. Mai braucht die BBL das Okay seitens der Politik, um nach einer zwei- bis dreiwöchigen Vorbereitungszeit innerhalb von drei weiteren Wochen den „Geistermeister 2020“ küren zu können.

Calles nimmt die Liga in die Pflicht

Rasta Vechta steht derweil vor der Aufgabe, die finanzielle Belastung für ein sportliches Saisonende auszuloten. Und: Der Klub braucht Gewissheit in Sachen Kader. Welche Spieler tragen das Konzept eines Turniers mit Kasernierung der Teams mit? Wann kommen Max DiLeo und Ishmail Wainright aus den USA zurück? Wann endet die Kurzarbeit für die Profis? Wann kann richtig trainiert werden? „Es gibt viele offene Fragen ohne klare Antworten“, gab Trainer Pedro Calles am Dienstag im OV-Gespräch zu bedenken. Am Abend bat der Spanier seine Spieler zu einer Videokonferenz. „Wir bereiten gerade viele Szenarien vor“, sagte der Coach. Natürlich würden Spieler und Trainer darauf brennen, wieder ihre Arbeit aufnehmen zu können, so Calles. Er nahm die Liga in die Pflicht: „Das macht aber nur Sinn, wenn jede auch nur irgendwie denkbaren Vorkehrungen von der Seiten der BBL getroffen werden, um die Gesundheit aller an diesem Turnier Beteiligten zu garantieren.“ Und sein eigenes Gefühl? „Was ich fühle, ist nicht wichtig. Wir sind alle Profis und müssen damit umgehen, was die Organisation entscheidet“, sagte Calles. Er fragt sich natürlich, ob der Kader nach den Abgängen von Jordan Davis, Steve Vasturia und Kamari Murphy stark genug ist, um nicht nur ein Spielball für Ludwigsburg, Bamberg, Berlin und Co. zu sein.

Unterstützung von den Fans: Viele Dauerkarten-Besitzer verzichten auf Rückforderungen. Foto: SchikoraUnterstützung von den Fans: Viele Dauerkarten-Besitzer verzichten auf Rückforderungen. Foto: Schikora

Abseits der Frage, ob es von der Politik grünes Licht für das Turnier gibt, arbeitet Rasta zudem mit Hochdruck daran, Klarheit in die Rückforderungen seiner Fans und Sponsoren wegen des Wegfalls der letzten fünf Heimspiele zu bekommen. Im Bereich der Dauerkarten (2442) liegen Rasta inzwischen Rückmeldungen für über 1700 Saisontickets vor. Für 1600 Dauerkarten erhielt der Klub eine Verzichtserklärung, 115 Mal soll die restliche Summe zurückerstattet werden. Für die gut 3000 verkauften Einzelkarten gilt bislang: 700 Mal Verzicht, 490 Mal Geld zurück. In Summe belaufen sich die Rückforderungen im Bereich Ticketing aktuell auf gut 19.000 Euro. Zur Einordnung: Die 14.600 Karten für die letzten fünf Heimspiele hatten einen Wert von über 330.000 Euro.

Sponsoren verzichten bislang auf 302.000 Euro

Im Bereich der Sponsoren hat Rasta bislang Rückmeldungen von 107 der rund 190 Förderer erhalten. Die Unterstützung ist groß: Der Verzicht auf Rückforderung beläuft sich derzeit auf 302.000 Euro. Lediglich 5200 Euro sollen bislang erstattet werden. Das Worst-Case-Szenario hat sich damit in der Zwischenzeit auf 320.000 Euro reduziert, die im schlimmsten Fall von Fans und Sponsoren noch zurückgefordert werden könnten.

  • Teams, die am BBL-Turnier im Juni teilnehmen wollen: Bayern München, Riesen Ludwigsburg, Alba Berlin, Crailsheim Merlins, EWE Baskets Oldenburg, Rasta Vechta, Brose Bamberg, Ratiopharm Ulm, BG Göttingen und Skyliners Frankfurt.
  • Teams, die nicht teilnehmen wollen: s.Oliver Würzburg, Basketball Löwen Braunschweig, Medi Bayreuth, Gießen 46ers, Hamburg Towers, Mitteldeutscher BC und Telekom Baskets Bonn.

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