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VfL Oythe erlebt ein historisches Debakel

Paukenschlag in der Fußball-Landesliga Staffel 2: GW Mühlen feiert in Oythe einen 7:1-Sieg, wahrt damit seine Chancen auf die Meisterrunde und verschärft die Krise an der Hasenweide.

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Sein erster Streich: Mühlens Benjamin Willenbrink (rechts) trifft zum 1:0 in Oythe, er legte später noch zwei Tore nach. Foto: Schikora

Sein erster Streich: Mühlens Benjamin Willenbrink (rechts) trifft zum 1:0 in Oythe, er legte später noch zwei Tore nach. Foto: Schikora

Es gab Gesprächsbedarf, und zwar reichlich. Der Gegner aus Mühlen hatte sich längst in die warme Kabine verabschiedet, um seinen historischen Sieg zu zelebrieren, da standen die Fußballer des VfL Oythe immer noch im großen Kreis vor ihrer Bank und redeten Tacheles. Nein, nach diesem Desaster im eigenen Stadion konnte man nicht so einfach zur Tagesordnung übergehen. Die Laune war mies, richtig mies. Und der kräftige Regenschauer passte zur Gemütslage. Mit 1:7 (1:2) hatten die Oyther am frühen Sonntagnachmittag das Landesliga-Derby gegen GW Mühlen verloren. 1:7 – was für eine Abreibung für den Tabellenvorletzten der Staffel 2, der jetzt seit neun Spielen sieglos ist und sich einen immer schwereren Rucksack für die drohende Abstiegsrunde packt.

„Ich bin ja jetzt auch schon ein paar Jahre dabei und hab' auch einige bittere Niederlagen hinnehmen müssen. Aber so etwas wie heute hab' ich noch nie erlebt“, sagte Oythes Trainer Raphael Dornieden, der völlig desillusioniert ergänzte: „Mir fehlen die Worte. Sich so zu ergeben, wie wir es in der zweiten Halbzeit getan haben, ist heftig.“ Der VfL Oythe, der mittlerweile in seiner 17. Landesliga-Saison ist, kassierte erstmals im Weser-Ems-Oberhaus eine Niederlage mit sechs Toren Differenz. Die bislang höchste Heimpleite datierte vom 13. April 2005 – ein 1:6 gegen den VfL Löningen.

Andreas Hinrichs gehörte damals dem Oyther Kader an, nun durfte er einen unglaublichen Erfolg an alter Wirkungsstätte bejubeln und sich zusammen mit den Spielern von den mitgereisten Fans als „Derbysieger, Derbysieger“ feiern lassen. „So ein Sieg in dieser Höhe ist natürlich absurd“, sagte der Trainer von GW Mühlen und dachte im Moment des großen Triumphs auch an seinen Ex-Teamkollegen Dornieden: „Für Rapha tut's mir echt leid.“ Mühlen untermauerte mit dem dritten Sieg in Serie den fünften Platz und hat urplötzlich realistische Chancen auf die Meisterrunde und damit auf den vorzeitigen Klassenerhalt.

Die Art und Weise, mit der Mühlen am Sonntag zum Kantersieg stürmte, war beeindruckend. Vor allem in der zweiten Halbzeit galt: kein Nachlassen, keine Gnade für einen taumelnden Gegner, immer weiter volle Pulle nach vorne. Mühlen war nimmermüde, nimmersatt. „Das ist die Mentalität der Jungs. Sie hören nicht auf – egal, wie es steht“, schwärmte Hinrichs und sagte weiter: „Heute hat auch wirklich alles geklappt. Wir waren unheimlich effizient.“ In der Tat: Mit Ausnahme eines Freistoßes von Markus Stukenborg, den VfL-Keeper Lukas Katarius aus dem Winkel kratzte (74.), war jeder Schuss ein Treffer.

Der überragende Benjamin Willenbrink erzielte drei Tore (17./67./70.) und zog mit nunmehr acht Saisontreffern mit seinem Teamkollegen Jonas Pöhlking gleich. Zudem waren Tom Ungemach (43., Foulelfmeter), Nico Files (47., aus spitzem Winkel), Leo Westermann (52., abgefälschter Schuss aus 10 m) und Felix Klaphake (80.) für die Gäste erfolgreich.

Für Oythe traf Janek Jacobs zum zwischenzeitlichen 1:1 (29.) – ansonsten hatten die Gastgeber keinen weiteren Torschuss. Und hinten war die Mängelliste sehr lang. Der kapitale Fehlpass von Lukas Büssing vor dem 1:6 stand stellvertretend für das mal vogelwilde, mal viel zu passive Abwehrverhalten der Oyther. „Nach dem 1:3 bricht alles zusammen, das war unterirdisch“, haderte Dornieden mit der Widerstandsfähigkeit des Kollektivs. Hinrichs sagte indes: „Das 2:1 kurz vor der Pause und das schnelle 3:1 zu Beginn der zweiten Halbzeit waren ganz wichtig für uns. Und mit dem 5:1 war alles klar.“ Der Rest kam einer Zugabe gleich – gefolgt von den Feierlichkeiten mit den Fans. „Unglaublich“, sagte Hinrichs.

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