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Und plötzlich ist das Kino wichtiger

Josef Vornhagen, Ingo Soremba und Matthias Lünsmann sprechen über ihre Trainer-Zeit. Das Trio gehört zu den Dauerbrennern in der VEC-Trainerszene.

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Seit April 2011 Trainer von GW Mühlen: Ingo Soremba. Foto: Schikora

Seit April 2011 Trainer von GW Mühlen: Ingo Soremba. Foto: Schikora

Die größten Veränderungen im Trainingsalltag? Josef Vornhagen muss nicht allzu lange überlegen, um zu antworten. „Das Gelaufe im Wald ist viel weniger geworden. Wenn ich da an meine Anfangszeit in Bakum zurückdenke oder an die Jahre danach in Oythe: Was sind wir damals durch die Wälder gerannt, um Kondition zu bolzen. Das hat sich gravierend geändert, jetzt macht man ja viel mehr mit dem Ball auf dem Platz“, erzählt Vornhagen. Der 59-jährige Lohner, aktuell Coach des Kreisligisten BW Langförden, gehört ohne Zweifel zu den Dauerbrennern in der heimischen Trainerszene, die heute im Rahmen der OV-Serie „Best of Heimatfußball“ im Fokus steht. Seit der Saison 1992/93, als er als Spielertrainer in Bakum debütierte, ist „Joppel“ Vornhagen dabei. Große Unterbrechungen gab's eigentlich nicht, vielleicht zwei-, dreimal für ein halbes Jahr. Nach dieser Saison ist aber Schluss, Corona-bedingt geht die Zwangspause seit Mitte März wohl direkt in den Trainer-Ruhestand über. „Schade, dass es so endet“, sagt Josef Vornhagen.

„Jede Fahrt war gut. Und manchmal wurde aus einer schlechten Saison noch eine gute."Josef Vornhagen über die Mannschaftsfahrten

Er denkt aber gerne zurück – an das Double auf Kreisebene mit dem SC Bakum (1995), an die zwei Bezirkspokal-Triumphe mit dem VfL Oythe (2001, 2002) oder an die rauschende Meisterparty mit BW Langförden (2018). Nicht zu vergessen natürlich die Mannschaftsfahrten. „Jede Fahrt war gut. Und manchmal wurde aus einer schlechten Saison noch eine gute“, sagt Vornhagen mit einem Schmunzeln. Sein Lieblingsziel? Mallorca. „Ich war sieben- oder achtmal da“, sagt er.

Beim Thema „Ballermann“ kann Matthias Lünsmann nicht mitreden. „Mallorca? Nein, da war ich nie mit einer Mannschaft“, berichtet der 60 Jahre alte Dinklager, der auch seit knapp drei Jahrzehnten Teil der VEC-Fußballszene ist. Der Rekordtrainer des TV Dinklage, mit 316 Liga-Spielen als Coach die Nummer eins im Jahnstadion vor Alfred Schwermann (178) und Bernd Frilling (120), schwärmt stattdessen von der „schönsten Fahrt nach Epouville“, der französischen Partnerstadt von Dinklage. Und die größte Veränderung für ihn? „Das Freizeitverhalten der Spieler ist ein anderes. Hin und wieder hab' ich das Gefühl, dass das Training inzwischen mehr Last als Lust ist. Und heute geht's nach dem Spiel schnell nach Hause, um noch ins Kino zu können. Früher hatten alle mehr Zeit, um zusammenzusitzen. Es ist alles schnelllebiger geworden“, sagt Lünsmann, der aktuell Dinklages C-Jugend trainiert und zur neuen Saison sein Comeback in Brockdorf feiert.

Smalltalk nach dem Spiel: Matthias Lünsmann (rechts) und der im Februar 2019 verstorbene Paul Jaschke nach der Kreisliga-Partie Amasyaspor Lohne - SFN Vechta im September 2016. Foto: Wenzel
Dreimal Bezirksliga-Meister: Stefan Stuckenberg führte Falke Steinfeld, BW Lohne und den TV Dinklage zum Titel. Foto: Schikora
Der langjährige Frisia-Coach und sein Nachfolger: Paul Engelmann (links) und Jan Egbers. Foto: Schikora
Nach der Saison ist Schluss: Josef Vornhagen von BW Langförden. Foto: Schikora
Auch schon lange dabei: Thomas Schmunkamp. Foto: Schikora
Dauerbrenner in Varenesch: Georg Kossen-Voges. Foto: Schikora
Von der 1. Kreisklasse in die Landesliga: Stefan Arlinghaus, einst SV Kroge, aktuell GW Brockdorf, künftig TV Dinklage. Foto: Schikora

Eine Feststellung, die Vornhagen auch gemacht hat. „Der Zusammenhalt nach den Spielen hat sich gravierend geändert. Das Gesellige am Sonntag ist über die Jahre weniger geworden, und das fehlte mir zuletzt auch.“ Ingo Soremba, seit April 2011 Coach von GW Mühlen und damit der aktuell dienstälteste VEC-Trainer, ergänzt: „Anfangs war das Bier nach dem Spiel ganz wichtig. Aber der Freizeitbereich ist einfach größer geworden, das Angebot höher.“

Zurück zu Lünsmann. In den vergangenen 20 Jahren hat der Dinklager vier Titel geholt – das Double auf Kreisebene mit GW Mühlen (2007), den Bezirkspokal mit dem TVD (2013) sowie den Kreispokal mit Amasyaspor Lohne (2016). Weitere Highlights, an die sich Lünsmann „sehr gerne“ erinnert, waren die vier Auftritte im NFV-Pokal gegen Bückeburg, Havelse, Ottersberg und Cloppenburg.

Mit ihren Erfolgen sind Lünsmann und Vornhagen in guter Gesellschaft. Paul Jaschke etwa, der im Februar 2019 an den Folgen eines Herzinfarkts verstarb, führte alle fünf Teams, die er trainierte, eine Etage höher: SW Osterfeine, SV Holdorf und SFN Vechta jeweils in die Bezirksliga, Emstekerfeld in die Landesliga und den VfL Oythe in die Oberliga. Oder Stefan Stuckenberg, der das Kunststück schaffte, nacheinander Falke Steinfeld, BW Lohne und den TV Dinklage zum Meistertitel in der Bezirksliga und damit in die Landesliga zu führen. Oder Klaus Themann, der mit GW Brockdorf jeweils zweimal Kreisliga-Meister und Kreispokalsieger wurde.

Ingo Soremba blickt „nur“ auf einen Titel zurück – aber die Bezirksliga-Meisterschaft mit GW Mühlen (2018) war für ihn ein „großer emotionaler Moment“. Vergessen war der tiefe Frust über den verpassten Aufstieg vier Jahre zuvor. „Da ist einiges an Druck abgefallen“, erinnert sich Soremba. Seit über neun Jahren ist er jetzt bei den Grün-Weißen im Amt. Was die Länge einer Dienstzeit angeht, hat er Kollegen wie Raik Wolter (neun Jahre in Vörden), Paul Jaschke (acht Jahre in Osterfeine), Georg Kossen-Voges (seit sieben Jahren in Varenesch), Turkey von Wahlde (über sieben Jahre in Lüsche), Manfred Blömer, Markus Südkamp (jeweils sechs Jahre in Carum), Carsten Schubert (sechs Jahre in Steinfeld), Matthias Lünsmann (sechs Jahre beim TVD) oder Paul Engelmann (über sechs Jahre in Goldenstedt sowie sechs in Langförden) überholt. Nur Christian Zurborg (Rechterfeld) und der im Oktober 2011 verstorbene Peter Engelmann (Varenesch) waren mit über zehn Jahren länger im Amt. „Die Verantwortung als Trainer ist größer geworden“, findet Soremba: „Man ist über die Jahre auch immer mehr Sozialpädagoge geworden und muss gruppendynamische Prozesse stärker fördern. Frühere gab's feste Hierarchien, heute ist das nicht mehr so starr.“

Auf einen Blick: Die Trainer aller Vereine (2000 - 2020)

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