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Umbruch nach Umbruch nach Umbruch...

Der Landesligist BV Essen krempelt seinen Kader einmal mehr komplett um. Mohammad Nasari ist als Trainer und sportlicher Leiter unterwegs.

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BV Essen: Oben von links: Trainer Mohammad Nasari, Cotrainer Timi Kastanis, Lucas Abel, Kemal Salihagic, Williams Nyarko, Betreuer Ludger Ostendorf, Physiotherapeut Mamo Musaj. Mitte von links: Awrdekhan Kheder, Abdoulie Sillah, Nikita Kirik, Jeremy Rostowski, Philipp Ihnken, Ivan Buzzynikov, Ilias Kasapis, Enes Muric. Unten von links: Henry Odia, Kenny Monfort, Michael Lohe, Vincenz Busse, Janne-Ole Kay, Noah Maletzko, Qendrim Krasniqi, Bekim Erkoceviq, Zeugwart Dieter Hartwig. Foto: Langosch

BV Essen: Oben von links: Trainer Mohammad Nasari, Cotrainer Timi Kastanis, Lucas Abel, Kemal Salihagic, Williams Nyarko, Betreuer Ludger Ostendorf, Physiotherapeut Mamo Musaj. Mitte von links: Awrdekhan Kheder, Abdoulie Sillah, Nikita Kirik, Jeremy Rostowski, Philipp Ihnken, Ivan Buzzynikov, Ilias Kasapis, Enes Muric. Unten von links: Henry Odia, Kenny Monfort, Michael Lohe, Vincenz Busse, Janne-Ole Kay, Noah Maletzko, Qendrim Krasniqi, Bekim Erkoceviq, Zeugwart Dieter Hartwig. Foto: Langosch

Es kommt einfach keine Ruhe rein beim BV Essen. Wie in den vier Jahren zuvor hat der Landesligist seinen Kader „auf links gezogen“. Diesmal stehen 15 Abgänge auf der Liste (plus Trainer Andrew Uwe), nicht weniger als 18 Spielernamen finden sich in der Rubrik „Zugänge“. Zuletzt hatte es sage und schreibe vor der Saison 2014/2015 mit je fünf Ab- und Zugängen relativ „normale“ Kaderbewegungen gegeben, seither Jahr für Jahr folgte Umbruch auf Umbruch.

Unter den aktuellen Abgängen sind mit Emmanuel Ogunsuyi, Mustafa Sawah und Thorben Engelbart auch drei Kicker, die erst wenige Wochen zuvor zum BVE-Kader hinzugekommen waren. Während Letzterer wegen hartnäckigen Kniebeschwerden die Fußballschuhe an den Nagel hängen musste, mussten die beiden anderen aus sportlichen Gründe wieder ihre Sachen packen. Dafür ist Orgest Buzi, der schon in seine albanische Heimat abgereist war, doch kurzfristig wieder zurückgekehrt, weil er hier eine Ausbildung antritt.

Nimmt es wieder selbst in die Hand: Mohammad Nasari ist nach dem Abgang von Trainer Andrew Uwe beim BVE in Doppelfunktion unterwegs: Als sportlicher Leiter und Coach. Foto: LangoschNimmt es wieder selbst in die Hand: Mohammad Nasari ist nach dem Abgang von Trainer Andrew Uwe beim BVE in Doppelfunktion unterwegs: Als sportlicher Leiter und Coach. Foto: Langosch

Eine sehr kurzes Gastspiel gab auch Andrew Uwe. Eigentlich sollte er für Mohammad Nasari den Trainerposten übernehmen. Nasaris Plan war, sich allein um die sportliche Leitung zu kümmern. Doch Uwes Zeit in Essen war nach nur rund drei Wochen schon wieder zu Ende. Offizielle Begründung: Der Aufwand sei zu groß gewesen.

Somit rückte Nasari wieder auf die Bank und wird die Geschicke des BVE in Doppelfunktion als sportlicher Leiter und Coach lenken. Den Umbruch nach dem Umbruch nach dem Umbruch erklärt der junge Familienvater, dessen Tochter vor acht Monaten auf die Welt gekommen ist: „Ich gehe hier in Essen in mein zweites Jahr. Als ich angefangen bin, mussten wir den Kader aus der Ära Steinbach/Sprehe komplett umbauen, die Spieler waren nicht mehr zu halten. Wir haben das gesamte Konzept geändert, weg von einem Großsponsor, wollten wir die Finanzierung auf viele Schultern verteilen. Aber damit hatten wir auch ein anderes Budget. Inzwischen arbeiten wir hier ganz sauber mit amtlichen Verträgen.“

Dabei – versichert Nasari – werden die Budgetgrenzen streng eingehalten. Unter diesen Vorgaben versucht der Coach, der in gut zwei Wochen 32 Jahre alt wird, einen Kader zusammenzustellen. Die Coronapandemie habe es ihm unmöglich gemacht, das Aufgebot aus der vergangenen Saison zu halten, sagt Nasari: „Eigene Sponsoren haben ihr Budget wegen Corona angepasst, deshalb mussten wir wieder viele Spieler ziehen lassen.“

Abstecher nach Cloppenburg: Qendrim Krasniqi war vor der Saison 20192020 zum BVC gewechselt, kehrte aber bereits in der Winterpause zum BV Essen zurück. Foto: LangoschAbstecher nach Cloppenburg: Qendrim Krasniqi war vor der Saison 2019/2020 zum BVC gewechselt, kehrte aber bereits in der Winterpause zum BV Essen zurück. Foto: Langosch

Mit der Konsequenz, dass er mit verkleinertem Etat beinahe wieder ganz von vorne anfangen musste. „Ich habe geschaut, dass ich eine gute Mischung aus jungen und erfahrenen Spielern hinbekomme“, sagt Nasari. „Wir wollen unseren Weg weitergehen, dass wir vor allem jüngere Fußballer aus der Region für uns gewinnen. Aber das ist langer Prozess, für den wir Geduld brauchen.“

Gleiches gilt auch für den Aspekt, aus den einzelnen Fußballern, die durch die Bank Qualität mitbringen, eine Einheit und ein schlagkräftiges Team zu formen. Dass es an Automatismen noch fehlt, trat unter anderem auch beim ersten Pflichtspieleinsatz zu Tage. Beim 0:1 im Erstrundenspiel des Bezirkspokales beim Bezirksligisten SV Thüle waren Abstimmungsprobleme unübersehbar, ander Feinjustierung muss noch ordentlich gearbeitet werden. Das Ausscheiden störte Nasari weniger als der Auftritt: „Wir haben einen relativ kleinen Kader und schon jetzt einige Verletzte, da wären weitere Spiele im Pokal für uns eher eine Belastung. Mich hat aber geärgert, wie wir uns präsentiert haben. Da muss mehr kommen.“

Die Startelf in Thüle ist derweil noch nicht das letzte Wort gewesen. „Vier Stammspieler haben mir gefehlt, am kommenden Sonntag beim Derby in Bevern wird die Aufstellung sicherlich anders aussehen. Vor allem aber wollen wir die Kritiker verstummen lassen, die jetzt schon unken, dass wir dort zweistellig verlieren“, verspricht Nasari. Mit gleich vier weiteren kurzfristigen Verpflichtungen wenige Tage vor dem ersten Punktspiel hat der BVE darüber hinaus auf die Verletzungen im Kader reagiert.

Für die kommende Saison nimmt sich Essen einen Platz unter den ersten sechs vor. „Das wird schwer genug“, meint Nasari. „Wir haben den Kader zusammengestellt, um erst einmal nicht unterzugehen, sondern vielmehr zu überleben und vielleicht sogar positiv zu überraschen.“

Platz sechs würde auch bedeuten, dass der BVE die Meisterrunde erreicht. Dafür müssen die Essener in der Staffel I der geteilten Landesliga den vierten Platz belegen. Die Konkurrenz ist indes groß. Von den Aufsteigern, die in die Nordstaffel gekommen sind, hat Essens Coach eine hohe Meinung: „Gerade Frisia Wilhelmshaven, aber auch Hansa Friesoythe haben sich ordentlich verstärkt. Das sind sicherlich keine normalen Aufsteiger. Aber die ganze Liga ist stark, da gibt es keinen leichten Gegner.“

Gleichwohl gibt sich Nasari zuversichtlich: „Auch, wenn die Landesliga eine brutale Spielklasse ist, haben wir sehr gute Chancen. Ich weiß, was meine Spieler können und was die Mannschaft im Training zeigt. Wir müssen nur schnell dazu kommen, dass die Mechanismen greifen.“

Die fehlende Kontinuität verhindert wieder einmal gefestigte Mannschaftsstrukturen. Erneut muss sich ein Team aus einem in weitesten Teilen neu zusammengestellten Kader finden. Das braucht Zeit, die jedoch gerade im besonderen Modus der Landesligasaison, fehlt. Daher erscheint das Erreichen der Meisterrunde, für die sich nur vier der zehn Mannschaften in der Staffel 1 qualifizieren ebenso kaum erreichbar wie das eigene Saisonziel, unter die ersten sechs Mannschaften zu kommen. Folglich wird sich der BVE in der Abstiegsrunde wiederfinden. Für diese hat er aber genügend Qualität und rettet sich problemlos.


Zur Übersicht der Fußballsaison 20/21


  • Abgänge: Tiberius Bosilca (Hansa Friesoythe), Orgest Buzi (zurück nach Albanien), Michael Schaubert (BW Lüsche), Oliver Ihnken (Union Lohne), Ermal Doci (unbekannt), David Pankratz (Spielertrainer Essen II), Emiljan Lundraxhiu (Vatan Sport Bremen), Vafing Jabateh (VfL Oldenburg), Mohammed Al Awie (FC Hude), Marten Niemeyer, Johannes Wielspütz (beide Heidmühler FC), Leon Walles (Frisia Wilhelmshaven), Emmanuel Ogunsuyi, Mustafa Sawah, Andrew Uwe (alle Ziel unbekannt), Thorben Engelbart (Ziel unbekannt).
  • Zugänge: Vinzenz Busse (BV Cloppenburg), Thorben Engelbart (TuS Obenstrohe), Kenny Monfort (Kickers Emden), Ilias Kasapis (Arminia Hannover), Sillah Abdoulie (Tuspo Surheide), Bekir Erkoceviq (Vatan Sport), Enes Muric (SV Bevern), Emmanuel Ogunsuyi (Hansa Friesoythe), Mustafa Sawah (TV Munderloh), Awrdekhan „Ordi“ Kheder (SV Brake), Kemal Salihgic (Slaven Zivinice), Lucas Abel (TSV Großenkneten), Andrew Uwe (JFV Nordwest), Williams Nyarko (Akademie Schüttorf), Henry Odia (Vatan Sport Bremen), Adelaid Thaci (Hansa Friesoythe), Mikajl Peci (Albanien), Orgest Buzi (zurück aus Albanien), Reinhard Young (Akademie Schüttorf).
  • Tor: Janne Ole Kay, Vincenz Busse.
  • Abwehr: Kenny Monfort, Noah Maletzko, Ilias Kasapis, Philipp-Jonas Ihnken, Ivan Buzynnikov.
  • Mittelfeld: Sillah Abdoulie, Qendrim Krasniqi, Jeremy Rostowsky, Bekir Erkoceviq, Enes Muric, Michael Lohe, Nikita Kirik, Ordi Kheder.
  • Angriff: Kemal Salihgic, Lucas Abel.
  • Trainer: Mohammad Nasari.
  • Cotrainer: Dimitrios Kastanis.
  • Torwarttrainer: Tom Bremersmann.
  • Betreuer: Ludger Ostendorf.
  • Zeugwart: Dieter Hartwig.
  • Teammanager: Georg Witte.
  • Sportlicher Leiter: Mohammad Nasari.
  • Saisonziel: Unter die ersten sechs Mannschaften.
  • Meistertipp: SV Bevern, SC Melle.

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