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Ukrainische Jugendhandballer finden in der Sportschule Lastrup eine Bleibe

Die 16 Jugendlichen wollten dem Krieg entkommen und brachen von Odessa mit dem eigentlichen Ziel Dänemark auf. Doch die Einreise klappte nicht. Der Bus stoppte jetzt in Lastrup.

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Einheit mit Toptrainer: Leszek Krowicki (Dritter von rechts), Coach der Cloppenburger Drittligamänner, leitete in der Sporthalle Lastrup ein Training der ukrainischen Nachwuchshandballer. Christian Bien vom TVC (links) und Christoph Rohling, Geschäftsführer des KSB (gelbe Jacke) verfolgten die Einheit. Foto: Langosch

Einheit mit Toptrainer: Leszek Krowicki (Dritter von rechts), Coach der Cloppenburger Drittligamänner, leitete in der Sporthalle Lastrup ein Training der ukrainischen Nachwuchshandballer. Christian Bien vom TVC (links) und Christoph Rohling, Geschäftsführer des KSB (gelbe Jacke) verfolgten die Einheit. Foto: Langosch

„Dawai, dawai!“ Es wird Russisch gesprochen an diesem Freitagvormittag in der Sporthalle Lastrup. Leszek Krowicki, Trainer des Drittligisten TV Cloppenburg, leitet ein Training mit einer Gruppe von 16 ukrainischen Nachwuchshandballern.

Dem polnischen Coach kommen die Fremdsprachenkenntnisse zugute. So kann er mit den Jungen im B-Jugendalter, die erst sind erst seit Mittwoch im Kreis Cloppenburg sind, problemlos kommunizieren. Die Verständigung klappt. Denn sowohl Krowicki als auch die Jungen beherrschen die russische Sprache. „Ich habe nur ein paar Schwierigkeiten mit den Fachbegriffen. Ich habe noch nie ein Handballtraining auf Russisch abgehalten. Aber es geht“, meinte Krowicki.

Von Odessa waren die Nachwuchshandballer aufgebrochen, um dem Krieg in ihrem Heimatland Ukraine zu entkommen. Zufällig hatte sich die Gelegenheit für die Jungen, die in der Hafenstadt am Schwarzen Meer für verschiedene Vereine spielen, ergeben, ihre Heimatstadt zu verlassen. Dänemark war ursprünglich das Ziel, aber aus versicherungstechnischen Gründen klappte die Einreise in das skandinavische Land nicht.

Keine Verständigungsprobleme: Leszek Krowicki (grauer Hoody) erklärt die nächste Übung – auf Russisch. Foto: LangoschKeine Verständigungsprobleme: Leszek Krowicki (grauer Hoody) erklärt die nächste Übung – auf Russisch. Foto: Langosch

Letztlich landete der Bus in Lastrup, und die Jungen haben in der Sportschule vorläufig Unterschlupf gefunden. „Das ist auf meinem Mist gewachsen“, sagt Franz-Josef Kettmann, stellvertretender Vorsitzender des Kreissportbundes (KSB), mit einem Augenzwinkern. Über die Spielervermittlerin Eva Wortmann (Greven) hatte Kettmann erfahren, dass die Gruppe auf der Suche nach einer Bleibe war. „An die Sportschule habe ich zuerst gar nicht gedacht, mehr an eine Jugendherberge. Aber eine meiner Mitarbeiterinnen hat mich darauf gebracht“, sagt Kettmann.

So fanden die jungen Handballer in Lastrup eine Bleibe. „Eine Sportmannschaft aufzunehmen, passt zu uns“, sagt Christoph Rohling, Geschäftsführer der Sportschule und des Kreissportbundes (KSB). In der Sportschule selbst ist eine Mitarbeiterin mit ukrainischer Herkunft beschäftigt, die sich mit den Jungen in der Muttersprache verständigen kann. „Die Jungen werden erst einmal für drei Wochen bei uns bleiben. Ziel ist es, sie in Familien unterzubringen“, sagt Rohling.

Der KSB-Vorsitzende, Franz Stuke, unterstützt die Aktion ausdrücklich. „Er hat mir gesagt, dass es genau richtig ist, so zu reagieren. Es geht darum, ganz schnell humanitäre Hilfe zu leisten“, berichtet Rohling, der sich auch über die reibungslose Zusammenarbeit mit dem Landkreis und der Gemeinde freut: „Jeder guckt, was er leisten kann, das ist toll.“

TVC will Programm für Ukrainer zusammenstellen

Auch Dirk Zumdohme, Leiter der Oberschule in Lastrup, trägt etwas bei, indem er Zeiten für die Sporthalle zur Verfügung stellt. So leitete am Freitag Leszek Krowicki eine zweistündige Trainingseinheit für die jungen Ukrainer. Der SV Cappeln hat 16 Handbälle gestiftet, die Cloppenburger Familie Weyers, deren Töchter Hannah und Sophie inzwischen beim VfL Oldenburg spielen, legte auch noch ein paar Bälle drauf.

Neben dem Besorgen von Trainingsmaterialien geht es nun auch darum, für die Ukrainer ein Programm auf die Beine zu stellen. Christian Bien, beim TVC-Handball für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig, plant etwa, die Mannschaft zum Heimspiel der Cloppenburger Männer am Samstag, 2. April, gegen die ESG Gensungen/Felsberg einzuladen. Außerdem hat er schon eine Anfrage beim Zweitligisten HSG Nordhorn-Lingen gestartet, ob es möglich ist, eine Partie im Euregium zu besuchen. Schließlich gibt es noch die Möglichkeit, dass die Ukrainer gegen andere Mannschaften ihrer Altersklasse in der Region Freundschaftsspiele bestreiten.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

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