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TVC-Handball-Coach: „Schwerste Entscheidung meines Lebens“

Barna-Zsolt Akacsos verlässt die Drittligahandballer des TV Cloppenburg mit Ablauf der Saison. Der Aufwand, den er für das Coaching in der 3. Liga betreiben muss, ist dem 53-Jährigen zu hoch.

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Immer 100 Prozent: Drei Jahre lang hat Barna-Zsolt Akacsos das Traineramt beim TV Cloppenburg mt viel Engagement und Herzblut ausgeübt. Der ehemalige rumänische Nationalspieler führte den TVC in die 3. Liga.    Foto: Langosch

Immer 100 Prozent: Drei Jahre lang hat Barna-Zsolt Akacsos das Traineramt beim TV Cloppenburg mt viel Engagement und Herzblut ausgeübt. Der ehemalige rumänische Nationalspieler führte den TVC in die 3. Liga.    Foto: Langosch

Paukenschlag bei den Drittligahandballern des TV Cloppenburg: Trainer Barna-Zsolt Akacsos wird seine Tätigkeit nach vier Jahren beim TVC beenden und seinen Posten im Sommer niederlegen.

„Das war die schwerste Entscheidung meines Lebens“, sagt Akacsos. Der zeitliche Aufwand, den er für seinen Posten in Cloppenburg treiben musste, war einfach zu hoch. „Ich gehe morgens um 5.30 Uhr aus dem Haus und bin nach Feierabend vielleicht gerade einmal ein Stunde wieder da, bevor ich mich auf den Weg nach Cloppenburg mache“, sagt der 53-Jährige, der in Bockhorn bei Varel lebt und in Nordenham arbeitet.

"Ich hätte nach Cloppenburg ziehen müssen oder meinen Job aufgeben. Beide Optionen kamen nicht in Frage."Barna-Zsolt Akacsos

„Um beim TVC zu bleiben, hätte es nur zwei Möglichkeiten gegeben“, meint Akacsos, der noch einen Vertrag bis 2022 hatte. „Entweder hätte ich nach Cloppenburg umziehen müssen. Aber ich habe ein Haus in Bockhorn und meine Frau und ich sind hier sehr verwurzelt. Oder ich hätte meinen Job aufgeben müssen, um als Vollzeittrainer beim TVC zu arbeiten. Aber das geben die Bedingungen in Cloppenburg noch nicht her, auch wenn die Strukturen in den vergangenen Jahren sehr viel professioneller geworden sind. Also kamen beide Optionen nicht in Frage.“

Daran hat „Axy“ sehr wohl seinen Anteil. Zur Saison 2017/2018 war der ehemalige rumänische Nationalspieler nach Cloppenburg gekommen und hatte vom ersten Tag an als Ziel ausgegeben, binnen drei Jahren den Aufstieg aus der Oberliga in die 3. Liga zu schaffen. Diesen Plan verfolgte Akacsos mit großer Akribie und enormem Einsatz und entwickelte eine Mannschaft, die das Vorhaben tatsächlich realisierte. Im vergangenen Sommer kehrte Cloppenburg nach 20-jähriger Abstinenz in die dritthöchste deutsche Spielklasse zurück. Zuletzt hatte der TVC in der Saison 2000/2001 der 3. Liga, die damals noch Regionalliga hieß, angehört.

Hoffnung ruht auf dem Frühjahr

Umso tragischer, dass der TVC aktuell ausgebremst wird. Wegen Corona haben die Cloppenburger erst drei Partien bestritten – es ist fraglich, ob noch welche hinzukommen. „Ich habe ein kleine bisschen Hoffnung, dass wir vielleicht doch noch spielen können“, sagt Akacsos. „Vielleicht geht etwas im April, Mai und Juni – und dann am besten vor Zuschauern. Ich wünsche mir sehr, dass ich noch die Gelegenheit bekomme, mich von den fantastischen Fans zu verabschieden. Es wird so oder so wahnsinnig schwer für mich. Ich habe hier in Cloppenburg Freunde gefunden, die Zusammenarbeit hat mir unheimlich viel Freude gemacht.“

Gleichwohl bekam Akacsos durch Corona unverhofft viel Zeit zum Nachdenken. „Da ist mir klar geworden, dass ich den Aufwand so nicht weiter treiben kann. Ich kann den Ansprüchen, die ich an mich selbst stelle, nicht gerecht werden und wäre nicht der gute Trainer, der ich sein möchte. Daher musste ich schwersten Herzens die Entscheidung so fällen, wie ich es jetzt getan habe“, sagt „Axy“. Der sportlichen Leitung hatte der 53-Jährige seinen Entschluss am Dienstagmorgen per WhatsApp mitgeteilt und am Abend in einer Videokonferenz, an der auch die Mannschaft teilnahm, erläutert.

Coach sieht TVC auf einem guten Weg

Komplett sagt sich Akacsos indes nicht vom TVC los. „Ich würde gerne helfen, um die Nachfolge zu regeln und möchte auch weiterhin ins das Geschehen involviert bleiben. Der TVC hat einen Weg eingeschlagen, der noch nicht zu Ende ist. Und dabei möchte ich den Verantwortlichen beratend zur Seite stehen.“

Das Teammanagement macht sich unterdessen daran, die Suche nach einem geeigneten Nachfolger aufzunehmen


Kommentar zum Thema von Ludger Langosch (Sportredakteur)

Der Weggang von Barna-Zsolt Akacos ist ein Schlag ins Kontor für die Cloppenburger Handballer. Der charismatische Coach ist DAS Gesicht des TVC-Aufschwungs in den vergangenen Jahren. Der Caoch wurde schnell zum Publiukumsliebling und verfolgte beharrlich sein Ziel, eine Mannschaft zu formen, die in die 3. Liga aufsteigt. Diesen Verdienst kann ihm niemand mehr nehmen.

Umso bedauerlicher, dass er wohl kaum noch den Lorbeer ernten kann. Mehr als fraglich, ob Corona noch einen ordentlichen Spielbetrieb zulassen wird. Es spricht für „Axy“, dass er nicht komplett zurückzieht, sondern dem Verein im Hintergrund erhalten bleibt. Sein Fachwissen wird dem TVC noch so manches Mal zum Nutzen sein. Das Teammanagement steht unterdessen vor der schweren Aufgabe, die Nachfolge gescheit zu regeln.

Egal, wer demnächst auf der TVC-Bank Platz nehmen wird, er oder sie tritt ein schweres Erbe an. Denn Barna-Zsolt Akacsos lässt ein großes Paar Schuhe stehen, in das sein Nachfolger oder seine Nachfolgerin erst einmal hineinpassen muss.

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