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Trotz Corona: Jan Vodde erwartet steigendes Spielniveau im Tischtennis

Luttens Kapitän sagt im Interview mit OM online: "Ich habe noch nie so lange pausiert." Sein letzter Teamkontakt war im Oktober.

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Konzentration beim „Lieblingsschlag“:  Jan Vodde. Foto: Schikora

Konzentration beim „Lieblingsschlag“:  Jan Vodde. Foto: Schikora

Die Tischtennis-Saison wurde in der vergangenen Woche endgültig abgebrochen. Im Interview mit OM online äußert sich Jan Vodde, Kapitän des Oberligisten TuS Lutten, zur Lage. Der 31-jährige Dinklager, der seit 2016 in Lutten spielt und seit 2018 in Vechta lebt, hatte letztmals im Oktober direkten Kontakt zu seinen Teamkollegen. Jan Vodde glaubt aber, dass er selbst schnell wieder rein kommt. Und er erwartet ein steigendes Spielniveau.

Herr Vodde, hatten Sie bis zum Saisonabbruch noch Hoffnung, dass es weitergeht?
Es war absehbar, dass der Abbruch irgendwann kommen würde. Trotzdem hatte ich immer die Hoffnung, dass es irgendwie weitergeht. Man hatte sich frühzeitig darauf geeinigt, nur die Hinrunde auszutragen, somit hätte man theoretisch die Saison bis in den Sommer ziehen können. Da allerdings sämtliche Hallen geschlossen sind, ist es natürlich die einzig richtige Entscheidung.

Ohne jetzt nachzusehen – kennen Sie Ihren Tabellenplatz bzw. Punktestand?
Bei erst 4 Punktspielen ist zumindest der Punktestand recht leicht zu beantworten. 4:4 Punkte, in der Tabelle sollten wir also irgendwo im Mittelfeld gelandet sein. Klassenerhalt, Saisonziel erreicht.

Wann und wo hatten Sie denn mit dem Team letztmals physischen Kontakt?
Am 18. Oktober beim letzten Saisonspiel gegen Marklohe. Ein paar Tage später wurde die Saison dann erst mal unterbrochen.

Und wie ist jetzt der Kontakt zu den Mitspielern?
Da aktuell die Planungen für die neue Saison auf Hochtouren laufen, habe ich fast täglich Kontakt zu meinen Mitspielern.

Wie geht es denn Agnius Kacerauskas in Litauen?
Auch mit Agnius bin ich ständig im Kontakt, allein schon um mein mittlerweile halbwegs passables Englisch aufrecht zu erhalten (lacht). Ihm geht es sehr gut und er vermisst auch die Spiele. Wir hoffen, dass er uns auch in der nächsten Saison erhalten bleibt, weil er einfach menschlich ein super Typ ist und er uns sportlich weiterhilft.

Bleibt das Team zusammen?
Es wurde entschieden, dass auch in der Regionalliga und Oberliga ab der kommenden Saison die Anzahl von 6 auf 4 Spieler reduziert wird. Lars Brinkhaus und Thuong Nguyen werden uns voraussichtlich verlassen, um kürzerzutreten. Vor allem der Verlust von Lars tut uns schon sehr weh. Spielerisch ist er immer in der Lage, jeden Spieler aus der Oberliga zu schlagen. Aber auch als Betreuer an der Bande war er unglaublich gut und wichtig. So gehen wir sehr wahrscheinlich mit Agnius Kacerauskas, Kristof Sek, Julian Nordiek und mir in die neue Saison. Wir versuchen noch einen Spieler aus der Region zu integrieren, aber auf dem Leistungsniveau sind die Optionen überschaubar.

Läuft und spielt Squash: Mönchengladbach-Fan Jan Vodde. Foto: Vodde Läuft und spielt Squash: Mönchengladbach-Fan Jan Vodde. Foto: Vodde 

Gespielt wird in der Oberliga?
Falls Agnius Kacerauskas uns seine Zusage gibt, wovon ich ausgehe, dann spielen wir definitiv weiter Oberliga. Er wird seine Spiele gewinnen und wir anderen drei müssen an unser Leistungslimit gehen.

Wenn wieder Training möglich ist: Würden Sie gleich einsteigen?
Ich spiele seit circa 22 Jahren Tischtennis und so lange habe ich noch nie pausiert. Deswegen würde ich schon versuchen, zumindest einmal die Woche zu trainieren.

Treiben Sie Sport im Lockdown?
Ja, ohne Sport geht es absolut nicht bei mir. Aktuell laufe ich sehr viel und spiele auch Squash.

Haben Sie überhaupt noch Lust auf Tischtennis?
Die Frage stelle ich mir ehrlich gesagt auch regelmäßig. Im Wettkampf brenne ich komplett. Allerdings mehrmals die Woche zu trainieren, das fällt mir immer schwerer. Dazu kommt, dass wir in Lutten „spezielle“ Hallenzeiten haben, was das Ganze recht mühsam macht.

Was schätzen Sie: Wie viel Prozent von Ihrem Schlagrepertoire haben Sie eingebüßt?
Schwierig zu sagen. Nach einer längeren Sommerpause komme ich sehr schnell wieder rein, deswegen bin ich mir sicher, dass das auch jetzt kein Problem sein wird. Meinen besten Schlag, die Rückhand, spiele ich sowieso im Schlaf. Und meinen schlechtesten Schlag, den Aufschlag, werde ich sowieso nie mehr lernen.

Wird das Spielniveau allgemein deutlich sinken?
Nein, im Gegenteil. Da in den Teams die Positionen 5 und 6 wegfallen, wird die Oberliga noch mal deutlich stärker. Auch in den unteren Ligen wird das Niveau wieder etwas stärker, da halt einige Leute aus den oberen Ligen herunterkommen.

Hat es Tischtennis als vergleichsweise kleine Sportart schwerer, nach Corona wieder Fuß zu fassen und auch Nachwuchs zu gewinnen?
Wir würden gerne weitere Talente aufbauen und an höherklassiges Tischtennis ranführen. Allerdings gibt es aktuell weit und breit keine weiteren Spieler, die dafür infrage kommen, weder im Junioren- noch im Erwachsenenbereich. Meiner Meinung nach hat das aber nicht mal wirklich was mit Corona zu tun. Auch schon vor Corona war es unglaublich schwer, Kinder in die Halle zu bekommen und sie für Tischtennis zu motivieren. GW Mühlen ist im Kreis Vechta da ein absolut positives Beispiel. Da gibt es Leute, die sich kümmern und dann kann man etwas aufbauen. Es fehlen in vielen Vereinen einfach Leute, die sich langfristig mit dem Thema Jugendarbeit beschäftigen.

Sie sind doch auch Fußball-Fan. Glauben Sie, dass der Profifußball gegenüber anderen Sportarten bevorzugt wird?
Ja, absolut. Es ist für mich unbegreiflich, warum Mannschaften tausende Kilometer in der Champions League oder Europa League fliegen, um ein vermeintliches Heimspiel auszurichten. Ebenfalls war die Durchführung der völlig uninteressanten Klub-WM unnötig. Thomas Müller wird dort positiv getestet, aber es muss niemand anderes in Quarantäne? Für den Bürger ist das schon sehr schwer nachvollziehbar.

Zusatzfrage an den Gladbach-Fan: Sind Sie sauer auf Marco Rose?
Es ist völlig in Ordnung, wenn ein Spieler oder Trainer den Verein wechselt. Die Art und Weise war allerdings fragwürdig und ich glaube und hoffe, dass Marco Rose es nicht leicht haben wird, die restliche Saison zu überstehen. Er hat 2019 den Verein mit den Worten „Ich will hier etwas aufbauen“ übernommen – und knapp anderthalb Jahre später zeigt sich dann doch das wahre Gesicht. Ich bin sehr gespannt, wann demnächst sein Trainerstuhl in Dortmund anfängt zu wackeln.

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