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Tollkühner Torwart, treffsicherer Torjäger

Jahrzehntelang war Walter Zwick ein Hansdampf in allen Gassen. Am Freitag wird der Goldenstedter 90 Jahre alt.

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Seine letzte Station als Trainer: Walter Zwick (rechts) in der Saison 1991/92 als Coach des Bezirksklassisten Fortuna Einen – hier im Gespräch mit seinen Leistungsträgern Werner Kuhlmann, Peter Schlömer, Rudi Renschen und Rainer Uhlhorn (von links). Foto: Schlömer

Seine letzte Station als Trainer: Walter Zwick (rechts) in der Saison 1991/92 als Coach des Bezirksklassisten Fortuna Einen – hier im Gespräch mit seinen Leistungsträgern Werner Kuhlmann, Peter Schlömer, Rudi Renschen und Rainer Uhlhorn (von links). Foto: Schlömer

Die Anekdote mit Uwe Seeler erzählte Walter Zwick immer gerne. Vor ewigen Zeiten, Anfang der 50er Jahre, sah er im Weserstadion das Fußballspiel zwischen Werder Bremen und dem Hamburger SV. Und im Vorspiel der beiden A-Jugendteams mischte Seeler mit, Fallrückzieher inklusive. Zwick war fasziniert, das wollte er auch können. Zurück in Goldenstedt, trainierte er ohne Unterlass. So lange, bis der Fallrückzieher auch zu seinem Repertoire gehörte.

Walter Zwick, jahrzehntelang ein Hansdampf in allen Gassen, hat viele dieser Geschichten auf Lager. Kein Wunder: Er hat zwischen Februar 1948 und Juni 1992 ja auch einiges erlebt – als Torwart, als Torjäger, als Trainer. Zwick, vor allem im Nordkreis bekannt wie ein bunter Hund und überall gern gesehen, wird womöglich auch am Freitag noch die eine oder andere Anekdote erzählen – wenn er in Goldenstedt im Kreis der Familie, mit Ehefrau Maria, zwei Kindern, fünf Enkeln und vier Urenkeln, seinen 90. Geburtstag feiert.

Im Oktober 1949 waren Zwick und seine Teamkollegen von Frisia Goldenstedt die Nummer eins in der Verbandsklasse und damit im Kreis Vechta – noch vor Falke Steinfeld mit dem späteren Nationalspieler Theo Schönhöft, SFN Vechta und BW Lohne. Und das alles als Aufsteiger. Zwick war 18 Jahre jung und spielte 1948/49 seine dritte Saison im Frisia-Tor. Bereits mit 16 hatte er bei den Herren debütiert, dafür musste eine Sondergenehmigung aus Hannover eingeholt werden.

Probetraining bei Eintracht Nordhorn

Der etatmäßige Keeper der Frisia hatte im Krieg eine Krankheit erlitten. Plan B war der Handball-Torwart, der die Bälle aber immer fallen ließ. Also musste der junge Zwick ran. Der tollkühne Torwart, gerade einmal 1,69 m groß, warf sich in jeden Schuss und griff auch die Flanken ab. Vier Jahre stand er im Tor, dann gab es bei der Frisia keine Stürmer. Coach Seppel Blaschke, eigentlich Trainer beim VfB Oldenburg und in Goldenstedt nur für die Verpflegung aktiv, stellte Zwick in den Angriff. Ein Glücksgriff. Im ersten Spiel erzielte Zwick alle drei Treffer zum 3:0 gegen Lemförde – und kam nicht mehr ins Tor zurück.

Als Torjäger sorgte Zwick für Furore – auch über die Kreisgrenzen hinaus. In einer Saison erzielte er 48 Pflichtspieltore, die meisten per Kopf. Sein gutes Auge, sein Timing aus Torwart-Zeiten, das waren auch als Torjäger Vorteile. Regionalligist Eintracht Nordhorn wollte ihn holen, sogar der „Kicker“ meldete das Interesse am „torgefährlichen Vollblutstürmer“. Beim Probetraining in Nordhorn sollte er den Ball 50 Mal mit dem Kopf hochhalten, nach 49 Kontakten fiel er runter. Das war aber nicht der Grund, warum er in Goldenstedt blieb – seine Teamkollegen hatten ihn schlichtweg bekniet, doch bitte zu bleiben. Gesagt, getan.

Zwick erzählte viele dieser Anekdoten. Für die Meisterschaft 48/49 gab's als Prämie neue Fußballschuhe. Der Sponsor ließ ein Schwein und ein Schaf schlachten, um den Schuhmacher mit Speck zu bezahlen. Unvergessen auch eine Nacht im Arrest. Auf der Rückfahrt vom Spiel in Bassum stoppte die Militärpolizei den Frisia-Trecker samt Anhänger und hielt alle im Amtsgericht fest. Grund: Es fehlte die Sonntagsfahrerlaubnis. Erst eine Stunde nach Mitternacht durfte der Frisia-Tross weiterfahren – der Montag war angebrochen.

Sein letztes Pflichtspiel absolvierte Gladbach-Fan Zwick, der nach wie vor sehr sportinteressiert ist, im Februar 1968. Danach hinterließ er als Trainer Spuren – in Goldenstedt, Langförden, Visbek, Emstek und Lutten. Seine letzte Station war Fortuna Einen in der Bezirksklassen-Serie 1991/92. Mit 60 Jahren zog er im Training auch gerne noch mal die Handschuhe an und ließ sich die 25-m-Geschosse von Peter Schlömer auf den Pelz donnern. Die Schmerzen lächelte er weg: „Hauptsache kein Tor.“ Und Helmut Schmedes, Mitte der 80er Jahre ein junger Stürmer unter Zwick in Lutten, erinnerte sich an den einen oder anderen Fallrückzieher von Zwick, damals Mitte 55, im Trainingsspiel. „Andere wären ins Krankenhaus gekommen“, so Schmedes. Zwick hatte es halt gelernt – von Seeler.

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