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Tanja Schultes Glück liegt in Niederösterreich

Die frühere Trainerin und sportliche Leiterin der BVC-Fußballerinnen arbeitet seit Sommer beim SKN St. Pölten. "Ich fühle mich sauwohl hier", sagt die 46-Jährige.

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Neue Heimat: Tanja Schulte hat sich beim SKN St. Pölten bestens eingelebt. Foto: Langosch

Neue Heimat: Tanja Schulte hat sich beim SKN St. Pölten bestens eingelebt. Foto: Langosch

Ein ganzes Jahrzehnt ist Tanja Schulte bei den Fußballfrauen des BV Cloppenburg gewesen, als Trainerin, als sportliche Leiterin und auch in beiden Funktionen gleichzeitig. Nach dem Aus des maroden Klubs im vergangenen Jahr orientierte sich die gebürtige Bochumerin um – und fand im vorigen Sommer ihr Glück in Österreich.

Beim Ausnahmeteam SKN (Sport-Klub Niederösterreich) St. Pölten heuerte die 46-Jährige an und übernahm dort die sportliche Leitung. St. Pölten, eine knappe Dreiviertelstunde per Auto westlich von Wien gelegen, ist das Nonplusultra im österreichischen Frauenfußball. Die letzten sechs Titel in der Pure-Planet-Bundesliga schnappte sich der SKN.

Auch in der laufenden Saison führen die Niederösterreicherinnen das Klassement an. Nach neun Spielen haben sie 25 Zähler auf dem Konto, das 1:1 im Oktober gegen den einzigen ernsthaften Verfolger, Sturm Graz, war der erste Punktverlust nach mehr als zweieinhalb Jahren. Am 20. April 2019 hatte sich St. Pölten mit einem 1:1 beim AKV Altenmarkt begnügen müssen. Die letzte Punktspielniederlage liegt noch ein knappes Jahr weiter zurück. Am vorletzten Spieltag der Saison 2018/2019 verlor der SKN bei Sturm Graz mit 0:1 – als Meister hatte Schultes neuer Klub indes schon längst festgestanden.

"Cristiano Ronaldo hat sich über 20 Minuten Zeit für uns genommen"Tanja Schulte (SKN St. Pölten)

Die Dominanz in der heimischen Liga ist gleichzeitig Fluch und Segen. „Natürlich ist es schön, die vielen Titel zu holen. Aber uns fehlen einfach die Herausforderungen“, sagt Schulte. „Und das merken wir im internationalen Vergleich. Unser Ziel ist es nun, den Abstand zum europäischen Topniveau zu verringern.“ In der vorigen Champions-League Saison hatte St. Pölten immerhin das Achtelfinale erreicht, scheiterte dort aber am schwedischen Vertreter FC Rosengard (0:2, 2:2).

In der laufenden Serie kam das Aus schon in der Qualifikationsrunde. Diese fand in Turin statt, nach einem 7:0 über Besiktas Istanbul waren die Gastgeberinnen eine Nummer zu groß für St. Pölten – 1:4. „Es war eine Mannschaft im Topf, auf die wir in keinem Fall hätten treffen dürfen. Das war Juve“, ärgert sind Schulte. „Wir wollen uns künftig aber so aufstellen, dass wir nicht nur auf Losglück angewiesen sind, um in die Hauptrunde einzuziehen.“

Aber trotzdem sollte sich der Abstecher nach Norditalien lohnen. Die St. Pöltenerinnen waren im Mannschaftshotel von Juve untergebracht und so kam es, dass sich dort auch ein gewisser Cristiano Ronaldo aufhielt. Trainerin Celia Liese Brancao Ribeiro gelang es schließlich, Kontakt zum Portugiesen aufzunehmen. Die Brasilianerin schlich sich in den Trakt des Männerteams und spürte Ronaldo tatsächlich auf. In ihrer Muttersprache Portugiesisch hatte sie letztlich wenig Mühe, Ronaldo zu einem kurzen Treffen mit dem St.-Pölten-Team zu überreden. „Letztlich hat er sich über 20 Minuten für uns Zeit genommen. Er hat locker mit uns geplaudert, hat Autogramme gegeben, Selfies gemacht – alles sehr sympathisch“, erinnert sich Schulte sehr gern an dieses denkwürdige Treffen.

Tanja Schulte. Foto: LangoschTanja Schulte. Foto: Langosch

Die Bedingungen, unter denen Tanja Schulte in St. Pölten arbeitet, sind nahezu optimal. Kein Vergleich zu ihrer Zeit in Cloppenburg. Rund um die Heimspielstätte, der 8000 Zuschauer fassenden NV-Arena an der Bimbo-Binder-Promenade, fehlt es an nichts. Seien es Trainingsplätze, sei es ein medizinisches Zentrum, seien es die großzügigen Räumlichkeiten der Verwaltung und Büros für die administrative Arbeit.

Denn die macht den Kern ihrer Tätigkeit aus. „Offiziell bin ich zwar auch Cotrainerin, aber das hat mehr damit zu tun, dass ich die A-Lizenz habe, die unserer Cheftrainerin Celia Liese Brancao Ribeiro noch fehlt. Tatsächlich bin ich in erster Linie für solche Dinge wie Kaderplanung und Vertragsverlängerungen zuständig, aus dem rein Sportlichen halte ich mich raus.“ Das Angebot, nach St. Pölten zu wechseln, kam von SKN-Präsidenten Wilfried Schmaus. „Wir kennen uns seit Jahren und immer, wenn wir uns getroffen haben, sprachen wir auch darüber, dass ich ja auch mal einen Posten in Österreich übernehmen könne. Aber das kam für mich nicht infrage, weil ich mit so viel Herzblut ich beim BV Cloppenburg war“, erzählt Tanja Schulte, die mit ihrer Gattin mittlerweile in Wien lebt. Als sich dann nach zehn Jahren das Kapitel BVC schloss, machten Schmaus und Schulte Nägel mit Köpfen.

Den Wechsel in die Alpenrepublik hat die 46-Jährige nicht bereut. Im Gegenteil: „Ich fühle mich sauwohl hier“, meint Schulte voller Überzeugung. „Es macht mir riesigen Spaß in St. Pölten, auch wenn alles viel größer ist als in Cloppenburg. Beim BVC musste ich mich ,nur' um die 2. Bundesliga kümmern, hier geht es um die Champions League. Ich merke aber auch, dass ich inzwischen in St. Pölten angekommen bin. Immerhin war der Schritt nicht gerade klein: Ein neues Land, auch wenn hier deutsch gesprochen wird, ein neuer Verein, ein neues Umfeld. Aber inzwischen bin ich sehr gut integriert.“

Ein Treffen mit ehemaligen BVC-Spielerinnen ist für den 14. Januar geplant

Und zudem hat Tanja Schulte die anspruchsvolle Aufgabe, einen Umbruch einzuleiten und durchzuführen. „Wir haben einige Leistungsträgerinnen, die inzwischen jenseits der 30 sind. Nun müssen wir dafür sorgen, dass wir die Mannschaft verjüngen und zumindest das Niveau halten. Aber bei einem Umbruch besteht natürlich auch die Gefahr, dass es nicht auf Anhieb fluppt.“ Denn das Anspruchsdenken ist hoch. Nach sechs Meisterschaften in Folge ist Nummer sieben quasi Pflicht – auch wenn mit Sturm Graz inzwischen ein ernst zu nehmender Gegner herangewachsen ist.

Folglich hat Tanja Schulte auf dem Wunschzettel für das Jahr 2022 unter anderem Platz eins in der Bundesliga stehen. „Dann wären wir österreichischer Staatsmeister und ich hätte endlich mal wieder einen Titel errungen.“ Außerdem hofft Schulte, dass die Coronapandemie ein Ende nimmt. „Natürlich auch unabhängig vom Fußball. Aber es wäre schön, wenn der Sportbetrieb wieder ungestört laufen könnte.“

Genau so wie private Aktivitäten. Zurzeit steht ein für den 14. Januar geplantes Treffen mit ehemaligen BVC-Spielerinnen wieder auf der Kippe. „Ich habe noch regelmäßig Kontakt zu einigen, wie etwa ,Ede' Luker oder Lisa Josten. Und es sind noch ein paar Euro in der Mannschaftskasse, die wollen wir bei Hofrogge mal sinnvoll einsetzen – wenn Corona es zulässt“, meint Tanja Schulte mit einem Augenzwinkern.


Fakten:

  • Die Frauen des SKN St. Pölten sind Abonnementmeister in Österreich. 2015, 2016, 2017, 2018, 2019 und 2021 holte das Team den Titel.
  • Dazu gesellen sich Pokalerfolge in den Jahren 2013, 2014, 2015, 2016, 2017, 2018 und 2019.
  • Fünfmal hat sich der SKN für die Champions League qualifiziert 2013/14, 2015/16, 2016/17, 2017/18 und 2020/21. In der aktuellen Saison 2021/22 scheiterte St. Pölten im Qualifikationsturnier an Juventus Turin (1:4), nachdem sich der SKN zuvor gegen Besiktas Istanbul (7:0) durchgesetzt hatte.
  • Tanja Schulte hat nach ihrer aktiven Laufbahn 2005 mit der SG Wattenscheid 09 erstmals einen Trainerposten bei einem Frauenteam übernommen. Von 2008 bis 2010 war sie beim Herforder SV, bevor sie zum BV Cloppenburg wechselte, bei dem sie bis 2020 blieb. Seit dem Sommer 2021 ist sie beim SKN St. Pölten beschäftigt.

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