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So denkt die Sportredaktion vor dem deutschen EM-Auftakt

Wer soll spielen? Wie weit kommt Deutschland? Überall wird eifrig diskutiert. Neben Joachim Löw gibt es noch 80 Millionen weitere Bundestrainer. Fünf davon sitzen in der OM-Medien-Sportredaktion.

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Startelf-Kandidaten? Thomas Müller (links) scheint gesetzt, Timo Werner nicht. Foto: dpa/Charisius

Startelf-Kandidaten? Thomas Müller (links) scheint gesetzt, Timo Werner nicht. Foto: dpa/Charisius

Steffen Lünsmann
Schön, dass man sich über die Torwartposition keine Gedanken machen muss. Aber auch Neuer kann nicht alles verhindern. Und die nicht immer stabile Abwehr vor ihm lässt die Vermutung zu, dass er einiges zu tun bekommen wird. Eine Dreierkette könnte gegen Frankreich haarsträubend enden. Selbst gegen Lettland gab es im Spielaufbau viele ungenaue Pässe und Flankenwechsel. Wenn da ein Mbappe durchstößt, sehen Hummels und Rüdiger nur noch die Rücklichter. Ich würde auf eine Viererkette setzen, in der Hummels und Rüdiger von Kimmich und Gosens eingerahmt werden.

Auf der Doppelsechs davor muss neben dem Metronom Kroos ein Mann mit Zweikampf-Kompetenz her. Goretzka wäre ideal, aber das wird zunächst wohl nichts. Den fehleranfälligen Can zu bringen, wäre mindestens ein kleines Risiko. Vielleicht muss man es eingehen, um nicht überrannt zu werden. Die Offensive lässt auf den ersten Blick den Schluss „Qual der Wahl“ zu. So blumig würde ich es nicht beschreiben. Spieler wie Gnabry, Sane und Werner können gegen starke Gegner auch mal untergehen. Müller und Gündogan sind in der offensiven Dreierreihe gesetzt, ich würde Werner dazunehmen. In der Spitze führt kein Weg am starken Havertz vorbei. Es könnte ein kurzes Turnier für Deutschland werden. Für mehr als das Viertelfinale fehlt mir noch die Fantasie.
Aufstellung: Neuer - Kimmich, Hummels, Rüdiger, Gosens - Can, Kroos - Müller, Gündogan, Werner - Havertz.

Andreas Hausfeld
Klar – im Tor ist Manuel Neuer unangefochten. Er ist schon 35, wirkt aber wie 27. Der wird noch mit Mitte 40 in der DFB-Elf stehen. In der Abwehr hat sich das Trio Ginter/Hummels/Rüdiger gefunden. Wobei Hummels gegen Mbappe, Griezmann und Benzema das Problem werden könnte; über den schnelleren Süle kann man also nachdenken. Vor der Abwehr sind Kimmich und Gündogan in Stein gemeißelt. Kroos hatte ich gedanklich schon mal aussortiert, aber auch er gehört ins Team. Genau wie Newcomer Gosens auf links. Auch Müller und Havertz müssen spielen.

Ganz vorne würde ich Werner anfangen lassen. Bleibt die Systemfrage. Kimmich als rechter Gegenpart zu Gosens? Passt. Kriegen Kroos und Gündogan die Mitte dicht? Das ist eine zentrale Frage. Draußen ist der zu oft zaudernde Sane; wenn er steiler gehen würde, wäre er gesetzt. Erste Nachrücker sind Gnabry und bei entsprechender Fitness Goretzka. Mein Geheimtipp: der unbekümmerte Neuhaus. Der Einzug ins Achtelfinale wird schon nicht einfach. Wenn wir in der Gruppe bestehen, scheint aber vieles möglich. Dennoch: Halbfinale ist Maximum.
Aufstellung: Neuer - Ginter, Hummels, Rüdiger - Kimmich, Kroos, Gündogan, Gosens - Havertz, Müller - Werner.

Andreas Hammer
Neuer, klar. Aber davor kann man aufstellen, wen man will – die Abwehr bleibt die Achillesferse der Mannschaft. Die Vorstellung, dass am Dienstag Griezmann, Mbappe und Benzema auf die deutsche Abwehr losstürmen, kann einem schon den Angstschweiß auf die Stirn treiben. Gesetzt sind für mich der bullige Rüdiger (mit Rückenwind aus Chelsea), der bissige Kimmich (egal, wo), der coole Kroos, die kreativen Gündogan und Gnabry und der unberechenbare Müller. Freuen würde mich, wenn uns Musiala als Joker ein paar Zaubermomente bescheren würde.

Dennoch ist Deutschland nach der Erfahrung der letzten Jahre in seiner Gruppe nur Außenseiter. Zu frisch ist die Erinnerung an das 0:6 gegen Spanien und andere Enttäuschungen. Früher galten späte Tore als deutsche Spezialität – jetzt sind es späte Gegentore. Aber die Rolle des Außenseiters muss kein Nachteil sein. Auf Frankreich und Portugal lastet der Druck des Welt- bzw. Europameisters. Und was der bewirken kann, hat Deutschland 2018 in Russland zu spüren bekommen. Die Sorge hat Löw diesmal nicht.
Aufstellung: Neuer - Ginter, Hummels, Rüdiger - Kimmich, Kroos, Gündogan, Gosens - Havertz - Gnabry, Müller.

Carsten Boning
Wie sagt man so schön: Das erste Spiel bei einem Turnier darf man nicht verlieren. Deswegen muss man ja nicht gleich Beton anrühren. Aber: Die Abwehr, die ja nicht gerade das Prunkstück ist, sollte einigermaßen gestärkt werden. Gegen Dänemark und Lettland war's eine Dreierkette, aber das ist mir gegen die Franzosen zu riskant. Also: Vor Neuer eine Viererkette – auf jeden Fall ohne Süle (Jogi, bitte nicht) und mit Kimmich rechts. Davor sind Gündogan und Kroos gesetzt – weil Goretzka noch nicht bei 100 Prozent ist. Schade, seine Präsenz wäre gut.

Fehlen noch vier für den Vorwärtsgang: Wie Gosens die linke Seite beackert, gefällt mir, Gnabrys Tor-Quote spricht für ihn, an Müller führt kein Weg vorbei und ganz vorne ist Werner zumindest für das Frankreich-Spiel erste Wahl. Ein persönlicher Wunsch noch: Gerne mal aus 20 Metern aufs Tor zimmern, dieses Quergeschiebe vor dem Strafraum nervt irgendwann. Mein Tipp: Maximal Viertelfinale, mir fehlt der Glaube an eine längere EM-Reise.
Aufstellung: Neuer - Kimmich, Ginter, Hummels, Rüdiger - Gündogan, Kroos - Gnabry, Müller, Gosens - Werner.

Sebastian Hanke
Jogi geht nach einer sehr erfolgreichen Ära in sein letztes Turnier und hegt insgeheim sicherlich Pokalträume. Schwer wird's mit Blick auf die Konkurrenz allemal. Und mit Frankreich wartet direkt der Topfavorit. Ich würde im 3-4-3 aufstellen. Dass Neuer startet, ist klar. In der Dreierkette laufen Ginter, Hummels und der bullige Rüdiger auf. Gosens links, Kimmich (gezwungenermaßen) rechts. Denn: Im Zentrum herrscht die Qual der Wahl. Gündogan und Kroos werden's richten, für Goretzka reicht's noch nicht.

Vorne sind Müller und Havertz gesetzt. In der Mitte ist Gnabry (19 Torbeteiligungen seit 2018) der Vollstrecker. Für mehr Tempo können dann immer noch Werner und Sane eingewechselt werden. Wohin wird die Reise für Deutschland gehen? Schwer zu sagen. Aber: Meistert die DFB-Truppe die schwere Gruppe F, sind die Top 4 drin. Dafür muss aber alles passen.
Aufstellung: Neuer - Ginter, Hummels, Rüdiger - Kimmich, Kroos, Gündogan, Gosens - Havertz, Gnabry, Müller

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