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Sandra Nuxolls Weg vom Fuße der Alpen bis in die Dressur-Spitze

Die Reiterin und Ausbilderin aus Dinklage sorgt für Aufsehen. Auf dem Weg nach oben begegnen der gebürtigen Österreicherin aber einige bürokratische Hürden.

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Ein erfolgreiches Duo: Sandra Nuxoll auf Bonheur de La Vie. Foto: nordphoto/Lafrentz

Ein erfolgreiches Duo: Sandra Nuxoll auf Bonheur de La Vie. Foto: nordphoto/Lafrentz

Normalerweise beschäftigt sich Sandra Nuxoll viel mit Ästhetik. Mit Piaffen, Traversalen und Passagen. Dieser Tage gehört für die Dressurreiterin aber noch ein Kontrastprogramm zum Tagesablauf. Da geht es für die Österreicherin zwar auch um Passagen – aber um die des deutschen Einbürgerungsrechts. Trockene deutsche Bürokratie statt beschwingte Harmonie auf dem Dressurplatz. Immerhin hat die 51-Jährige dabei ein Ziel vor Augen, das macht es etwas leichter. „Ich möchte in Zukunft für Deutschland reiten“, sagt Sandra Nuxoll.

Trotz der Coronavirus-Pandemie und allen dazugehörigen Unwägbarkeiten gelang es der Dinklagerin in den letzten Monaten, verstärkt auf sich aufmerksam zu machen. Der bisherige Höhepunkt war der Finalsieg beim Louisdor-Preis im vergangenen Dezember. Beim Nachwuchs-Grand-Prix für acht- bis zehnjährige Pferde belegte sie nicht nur mit Bonheur de La Vie (9) mit großem Abstand Platz eins, sondern erreichte auch noch mit Hanami (10) Rang fünf.

Beide Pferde gehören der 51-Jährigen. „Die möchte ich auch behalten“, bekräftigt sie. „Bonheur de La Vie bleibt auf jeden Fall.“ Sie weiß genau, dass es für die beiden Talente gute Angebote geben wird. Denn das ist ihr Job. Die frühere Bankkauffrau aus der Alpenrepublik bildet Dressurpferde aus – und verkauft sie auch. Drei ihrer Pferde schafften bereits den Sprung in den internationalen Spitzensport: Kristina Bröring-Sprehes Destiny, Lisa Müllers Stand by Me und Patrik Kittels Delaunay. Kein Wunder, dass Sandra Nuxoll als Top-Talentscoutin gilt.

„Es ist natürlich schon so, dass man überlegt: Wo könnte die Reise hingehen?“Sandra Nuxoll über ihre Zukunft in der Dressur

Sie selbst sagt dazu: „Man braucht eine gute Portion Glück.“ Sandra Nuxoll schaut gewissermaßen mit einem fachlichen und einem emotionalen Auge hin. Zur Qualität gehört in der Dressur eben auch Ästhetik. Und ganz viel Arbeit. „Auf Grand-Prix-Niveau ist man nicht über Nacht“, sagt sie. Auch sie selbst hat erst im vergangenen Jahr erste Grand-Prix-Erfahrungen gesammelt, weil sie viele Pferde auf S-Niveau verkauft hat. Das soll sich jetzt ändern. „Es ist natürlich schon so, dass man überlegt: Wo könnte die Reise hingehen?“, erklärt sie und ahnt angesichts des vorhandenen Potenzials: „Das könnte auch international gut werden.“

Wo könnte die Reise hingehen? Die Frage hat sich die kleine Sandra Nuxoll in den 70er-Jahren in den österreichischen Bergen wohl noch nicht gestellt. Sie wollte einfach nur reiten. Ihre Eltern kauften ihr kein Pferd – und so half sie einem Bauern bei der Ernte, um sich die ersten Reitstunden zu verdienen. „Skifahren ist bei uns ganz oben angesiedelt, Reiten ganz unten“, berichtet sie lachend. Trotzdem blieben Pferde ihr großes Hobby. Nach einer kaufmännischen Ausbildung arbeitete Sandra Nuxoll zehn Jahre lang als Bankkauffrau. Und dann kam für sie die entscheidende Wende.

Eine Freundin lockte sie in die USA, da seien gute Reiterinnen begehrt. Und so war es auch. Aus einem dreiwöchigen Miami-Urlaub wurden später drei Jahre als Bereiterin – als „totale Quereinsteigerin“, wie sie anmerkt.

Nach ihrer Rückkehr nach Europa war Sandra Nuxoll an verschiedenen Stationen tätig, ehe sie sich nahe München selbstständig machte. Die Liebe führte sie dann 2014 in die Reitsport-Hochburg Norddeutschland. Die Verbindung zu ihrem Mann Norbert Nuxoll – der frühere Nationenpreis-Springreiter arbeitet seit über 20 Jahren bei Paul Schockemöhle – kam dabei über das Pferd Destiny zustande. Schicksal eben.

Vor drei Jahren bezog das Ehepaar in Dinklage ein neues Eigenheim – in direkter Nachbarschaft zu Kristina Bröring-Sprehe und ihrer kleinen Familie. Vor der Herpes-bedingten Zwangspause im Turniersport ging das Dinklager Dressur-Duo beim Turnier in Vechta an den Start. Sandra Nuxoll siegte auf Hanami vor Kristina Bröring-Sprehe auf Saphira Royal. „Ein Volltreffer“ sei der Erfolg gewesen, sagt die Österreicherin heute.

Triumphmoment: Sandra Nuxoll und Bonheur de La Vie bei der Siegerehrung als Louisdor-Preisträger. Foto: nordphotoLafrentzTriumphmoment: Sandra Nuxoll und Bonheur de La Vie bei der Siegerehrung als Louisdor-Preisträger. Foto: nordphoto/Lafrentz

Aktuell hat sie in Telbrake drei Pferde unter dem Sattel. Sie kümmert sich dort fast alleine um alles – auch um die Pflege. „Dadurch hab' ich natürlich einen speziellen Draht zu den Pferden“, erklärt sie und sagt fast philosophisch mit einem Augenzwinkern: „Wir Reiter sind ohne Pferde auch nur Menschen.“

In Dinklage fühlt sich Sandra Nuxoll wohl, auch ohne die Alpen. „Wenn man mit Pferden zu tun hat, ist man hier gut aufgehoben“, bemerkt sie. Das Großstadtleben war ihr schon immer relativ fern. Ihre Begründung: „Ich bin auch so ein Landei.“ Nach Österreich reisen heißt für sie heute: Urlaub. Berge, Skifahren, Familie – aber keine Pferde. Die stehen schon in der Wahlheimat im Mittelpunkt. Von hier aus könnte die Top-Ausbilderin Sandra Nuxoll bald selbst in den absoluten Spitzensport vordringen. Vielleicht hat sie dann sogar schon den deutschen Pass in der Tasche.


Zur Person

  • Sandra Nuxoll (geb. Kopf) ist 51 Jahre alt und stammt aus Dornbirn (Österreich).
  • Vor 20 Jahren gab sie ihren Job als Bankkauffrau auf und stieg voll in den Pferdesport ein. Sie war seitdem an verschiedenen Standorten tätig, unter anderem drei Jahre als Bereiterin in den USA.
  • Seit 2014 ist die Dressurreiterin mit dem früheren Nationenpreis-Reiter Norbert Nuxoll verheiratet; das Paar lebt in Dinklage.
  • In Telbrake bildet die Talent-Spezialistin Pferde aus – drei schafften den Sprung in den Spitzensport.
  • Der Sieg im Louisdor-Preis-Finale 2020 mit „Bonheur de La Vie“ war bislang ihr größter Erfolg.

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