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Rastas Tage in der 1. Liga sind gezählt

Nach der 81:98-Niederlage in Crailsheim und dem MBC-Sieg in Frankfurt droht am Freitag der dritte Abstieg aus der BBL. Hier der Nachbericht mit diversen Reaktionen und einem Video.

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Gesprächsbedarf beim Schlusslicht: Rastas Coach Derrick Allen während einer Auszeit in Crailsheim. Foto: philippreinhard.com

Gesprächsbedarf beim Schlusslicht: Rastas Coach Derrick Allen während einer Auszeit in Crailsheim. Foto: philippreinhard.com

Als Philipp Herkenhoff am späten Samstagabend die Arena Hohenlohe in Ilshofen verließ und über die nächste Etappe einer Horror-Saison plauderte, hielt der Power Forward von Rasta Vechta kurz inne. Die frische Luft tat gut, das „Essen to go“ wartete bereits im Teambus, aber so richtig Appetit hatte der 21-Jährige nicht. Der Frust saß tief – und aus seiner Gemütslage machte Herkenhoff keinen Hehl. „Langsam nervt es, so zu verlieren“, haderte er mit dem Aufenthalt in einer Endlosschleife. Zum x-ten Mal in dieser Saison in der Basketball-Bundesliga ärgerte sich Herkenhoff über „zu viele offene Dreier“ des Gegners und „nicht genug Energie in der Defense“. Dass er solche Sätze in den letzten Wochen schon einige Male gesagt hatte, war ihm bewusst. Fast schon entschuldigend, versuchte er die Worte zu erklären: „Ich kann auch nichts anderes sagen, wir machen ja immer die gleichen Fehler.“

Diesmal führte Rastas Mängelliste zu einem 81:98 (37:45) bei den Hakro Merlins Crailsheim, für den Tabellenletzten der BBL war's die 25. Niederlage im 30. Saisonspiel. Eine Bilanz des Grauens – und die Bilanz eines designierten Absteigers, der sich in Ilshofen der ProA einen weiteren Schritt näherte. Vor allem die Auswärtsbilanz von Rasta ist nicht BBL-tauglich. In der Mehrzweckhalle im Landkreis Schwäbisch Hall, direkt an der A 6 zwischen Heilbronn und Nürnberg gelegen und abseits der Korbjagd auch Auktionshalle der Rinder-Union Baden-Württemberg, kassierte Vechta die 14. Niederlage im 15. Auswärtsspiel.

Am Tag danach vergrößerte sich die Distanz zum rettenden Ufer. Der Mitteldeutsche BC, der seit Wochen Platz 16 inne hat, feierte auch ohne Topscorer Michal Michalak (Corona-Infektion) einen 81:76-Sieg bei den Skyliners Frankfurt, die beim Comeback nach zweiwöchiger Quarantäne keine Schützenhilfe für Rasta und den Vorletzten Gießen 46ers leisten konnten. Vechta hat nun vier Siege Rückstand auf den MBC. Heißt: Bei einer Niederlage am Freitag (19.00 Uhr) gegen Meister und Pokalsieger Alba Berlin ist der dritte BBL-Abstieg nach 2014 und 2017 auch rechnerisch perfekt. Bereits vor den finalen drei Kellerduellen in Gießen (2.5.), gegen den MBC (5.5.) und in Würzburg (9.5.) dürften Rastas Tage im Oberhaus gezählt sein. „Wir müssen jetzt jedes Spiel gewinnen“, machte Herkenhoff bereits am Samstag eine treffende Rechnung auf. Allein: Der Glaube daran tendiert gen Null.

Flugeinlage bei den Merlins: Rastas Josh Young in Aktion. Foto: philippreinhard.comFlugeinlage bei den Merlins: Rastas Josh Young in Aktion. Foto: philippreinhard.com

Zurück zum Spiel in Crailsheim: Rasta hatte aus einem 17-Punkte-Rückstand zu Beginn des zweiten Viertels (18:35) bis zur Mitte des dritten Abschnitts eine 54:48-Führung gemacht. „Wir sind zurückgekommen, das war gut. Wir hatten in der Phase in der Defense und Offense gute Sequenzen“, sagte Rastas Coach Derrick Allen. Im Rahmen der Aufholjagd gelang Vechta auch ein starker 14:0-Lauf vom 34:45 zum 48:45 – es war Rastas längster Positivlauf in dieser Saison (zuvor 13:0-Serie in Göttingen).

Das Hoch hielt aber nicht lange an. „Wir sind wieder in alte Muster verfallen“, haderte Allen und ging ins Detail: „Turnovers, schwache Defense, zu viele Offensivrebounds, schwache Offensive.“ Herkenhoff, Rastas Topscorer mit 19 Punkten, ergänzte: „Dass wir im dritten Viertel noch mal rangekommen sind, lag nicht an unserer Defense. Wir kassieren da auch 25 Punkte. Wir waren im Spiel, weil wir schwere Würfe getroffen haben. Als wir sie nicht mehr getroffen haben, hatten wir keine Chance mehr.“

Zum neunten Mal kassierte Rasta in einer Halbzeit 50 oder mehr Punkte. „In Crailsheim zu gewinnen, wenn man 53 Punkte in der zweiten Halbzeit zulässt, ist schwer, das funktioniert dann nicht“, sagte Allen. Am Ende war es das 14. Liga-Spiel, in dem ein Gegner von Rasta 90 oder mehr Punkte machte. Und wie schon im letzten Spiel in Bamberg fing sich Rasta 17 Dreier ein. Dass die eigene Dreier-Quote auch über 40 Prozent lag (12/29), half nicht. Ab einem gewissen Zeitpunkt bekam Vechta die Merlins einfach nicht mehr gestoppt.

„Wir sind in einer Abwärtsspirale. Da müssen alle mehr Einsatz zeigen“, stellte Herkenhoff später fest. Es klang fast so, als würden nicht alle genug Einsatz zeigen. „Doch, alle kämpfen, alle kennen die Situation“, betonte Herkenhoff sofort. Er ärgerte sich über die anfängliche „Hektik in der Offense“, allein im ersten Viertel waren es acht Ballverluste, die längst nicht alle dem Druck des Gegners geschuldet waren. „Wir hatten uns vorgenommen, maximal zwölf Turnover zu haben. Aber die hatten wir ja schon fast zur Halbzeit“, sagte Herkenhoff. „Die frühen Turnover haben weh getan“, fand auch Allen. Er sprach von „gewissen Nachlässigkeiten“.

Herkenhoff kratzte derweil an seiner persönlichen BBL-Bestmarke von 20 Punkten, die er bislang dreimal geschafft hatte (18/19 im 1. Playoff-Viertelfinale gegen Bamberg, 19/20 gegen Braunschweig und 20/21 im Pokal gegen Gießen). Fünf getroffene Dreier bedeuteten aber einen BBL-Bestwert für Herkenhoff. „Er hat ein gutes, solides Spiel gemacht“, sagte Allen über den Topscorer, fand aber auch: „Bei den Rebounds muss er besser werden.“

Zweitbester Scorer bei Rasta, das neben den beiden langzeitverletzten Jean Salumu und Dennis Clifford auch Tim Hasbargen (Oberschenkel) und Will Vorhees (Sprunggelenk) ersetzen musste, war Edgar Sosa (16), gefolgt von Center Björn Rohwer (10). Jesse Hunt feierte sein Comeback nach auskurierter Gehirnerschütterung. „Er hat alles gegeben, das Timing fehlte aber noch“, so Allen.

Crailsheim nutzte indes den Oldenburger Patzer gegen Ulm und liebäugelt wieder mit dem Heimvorteil für das Viertelfinale. „Wir haben mit viel Fokus angefangen und aufgehört. Dazwischen gab es schwierige Phasen, wobei es Vechta da auch gut gemacht hat“, sagte Merlins-Coach Tuomas Iisalo, der den Klub nach der Saison nach fünf Jahren verlässt. Und der Finne ergänzte: „Der Schlüssel war unsere Ballbewegung gegen die verschiedenen Verteidigungen Vechtas. In diesem Bereich war es unsere beste Saisonleistung.“ Im Endspurt geht's nun gegen Ulm, Hamburg, Oldenburg und Bamberg. Ein Hammerprogramm im Kampf um Platz vier. Solche Sorgen hätte Rasta auch gerne.


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