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Rastas Spanier und ihre Corona-Sorgen

Pedro Calles und Miguel Zapata über die Krise in ihrer Heimat und die Zeit ohne Basketball in Vechta.

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Seit 2018 ein Gespann: Co-Trainer Miguel Zapata (links) und Coach Pedro Calles. Foto: Schikora

Seit 2018 ein Gespann: Co-Trainer Miguel Zapata (links) und Coach Pedro Calles. Foto: Schikora

Es sind schwierige Tage und Wochen für Pedro Calles und Miguel Zapata. Die Ungewissheit nagt an den beiden Trainern von Rasta Vechta. Und es ist nicht nur die folgenschwere Zwangspause in der 1. Basketball-Bundesliga, ausgelöst durch die Coronavirus-Pandemie, die den Cheftrainer von Rasta und seinen „Co“ umtreibt. Nein, die beiden Spanier sind in Gedanken in ihrer Heimat. 104 000 bestätigte Covid-19-Fälle und rund 10 000 Tote – Zahlen des Schreckens. Spanien weist nach Italien die weltweit höchste Zahl an Corona-Todesopfern auf.

„Leider sind die Nachrichten aus Spanien nicht gut“, sagt Calles. Der 36-Jährige, geboren und aufgewachsen in Cordoba in der südspanischen Region Andalusien, kennt die Hiobsbotschaften aus seiner Heimat. Am Dienstag überstieg die Zahl der Toten zum Teil die Kapazität der Leichenhäuser. In Madrid wurde eine zweite behelfsmäßige Leichenhalle eingerichtet, nachdem eine vergangene Woche dazu umgewidmete Eissporthalle voll war. Und es fehlt in Spanien vielerorts an notwendigen Utensilien: Thermometer, Handschuhe, Schmerzmittel und Handwaschmittel. Calles versucht, positiv zu bleiben („Wir haben immer schwierige Zeiten überwunden“), und bewundert das medizinische Personal für die „enorme Arbeit in diesen Tagen“.

Täglich hat er Kontakt zu seiner Mutter Maria Jose (67) und zu seinem Bruder Juan (39), der in Malaga lebt. Calles' Vater Juan Lorenzo war 2005 im Alter von nur 52 Jahren an Krebs gestorben. Im Hause Calles wird derzeit viel telefoniert und gechattet. Kein Wunder: Calles' Gattin Ana, die wie Miguel Zapata aus Granada (ebenfalls Andalusien) kommt, hat zehn Geschwister, fünf Brüder und fünf Schwestern. Und wie sieht der Alltag ohne Training, ohne Spiele aus? „Aufgrund der aktuellen Einschränkungen kümmern wir uns den größten Teil des Tages um unsere Kinder“, sagt Calles. Sein Sohn Juan Lorenzo ist anderthalb Jahre alt, Töchterchen Carlota Maria kam Anfang Dezember auf die Welt. „Alle sind gesund. Das ist das Wichtigste. Und wir halten uns an die Regeln“, sagt Calles, der die tägliche Arbeit mit den Spielern sehr vermisst. Die Auflagen der Behörden setzt er mit der gleichen Konsequenz um wie seine Trainingspläne. Zweimal am Tag geht es aber raus mit Hündin Troyka, die Kids sind beim Spaziergang meistens dabei. Und seine drei Tipps für einen Abend in Corona-Zeiten? „Fernseher ausschalten. Die Liebsten anrufen. Ein Buch lesen.“

Im Gegensatz zu den fünf US-Profis Steve Vasturia, Jordan Davis, Kamari Murphy, Ish Wainright und Max DiLeo ist Zapata ebenso wie Calles nicht in seine Heimat gereist. „Wir sind gesund und fühlen uns sicher und glücklich, in dieser seltsamen Zeit in Vechta zu sein“, erklärt der Co-Trainer, der seit 2018 bei Rasta arbeitet. Wir – das sind Zapata und seine Ehefrau Itzia, die inzwischen sehr gut Deutsch spricht. Das spanisch-mexikanische Paar hat vor einem Monat, exakt am 5. März, geheiratet. Die Flitterwochen fallen mitten in die Corona-Krise. Zapata, der kurz nach der Trauung 40 Jahre alt wurde, nimmt's mit einem Schmunzeln: „Die ganze Zeit zu Hause bleiben, nur sie und ich, das wird unser wichtigster Test als Paar sein.“ Über seine Heimatstadt sagt er: „Granada steht unter dem Alarmzustand, den die Regierung vor Wochen beschlossen hat, aber zum Glück ist sie nicht die am stärksten betroffene Stadt in Spanien.“ Zapata, der vor seiner Rasta-Zeit in Spanien, Iran und Mexiko tätig war, vermisst seine Familie, „vor allem meine Nichten“. Das letzte Treffen sei lange her,fast ein Jahr.

Zapata schaut nun viele alte Basketball-Spiele, einige als Fan, einige als Coach: „Während der regulären Saison hatte ich kaum Zeit, um mir Euroleague-Spiele anzusehen.“ Auch Zapata fiebert der Rückkehr in den Trainingsalltag entgegen, denkt aber nicht zu viel über diesen Tag X nach: „Ich möchte keine falschen Erwartungen wecken.“ Und sein Tipp für den Abend: „Keine Nachrichten vor dem Schlafengehen.“ Man bekomme schon tagsüber genug Informationen über das Coronavirus.

Am Rande

  • Die Basketball Champions League (BCL) hat die Endphase der Saison 2019/20 in den Herbst verschoben.
  • Die verbliebenen Partien sollen vom 30. September bis 4. Oktober in einem Final-8-Turnier nachgeholt werden. Modus: Viertelfinale, Halbfinale, Finale; jeweils nur ein K.o.-Duell.
  • Basket Saragossa, Türk Telekom Ankara, CZE Nymburg sowie Rastas Gruppengegner Hapoel Jerusalem, AEK Athen und San Pablo Burgos hatten vor der Corona-Krise das Viertelfinale erreicht – teilweise in „Geisterspielen“.
  • In den Achtelfinals Teneriffa - Ostende und Dijon - Novgorod steht's 1:1, das jeweils dritte Spiel soll vor dem „Final 8“ stattfinden.
  • Rasta Vechta und Bamberg waren nach der Gruppenphase ausgeschieden. Bonn scheiterte im Best-3-Achtelfinale an Athen (0:2).

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