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Rastas Moral ist gut – aber Siege wären besser

Vechtas Basketballer sind am Donnerstag bei den Skyliners Frankfurt zu Gast. Coach Thomas Päch sagt vorab: "Wir müssen die Emotionen kontrollieren und ruhig bleiben."

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Kampf auf Biegen und Brechen: Rastas Will Vorhees (Mitte) in Bonn. Foto: nph/Meuter

Kampf auf Biegen und Brechen: Rastas Will Vorhees (Mitte) in Bonn. Foto: nph/Meuter

Abstiegskampf ist nichts für schwache Nerven, nichts für Zartbesaitete – egal, in welcher Sportart. Eine gewisse Leidensfähigkeit ist nötig, man braucht Durchhaltevermögen, ein dickes Fell. Und in rauer See stets positiv zu bleiben und dabei nicht zu sehr nach links und rechts zu gucken, ist eine Kunst für sich – erst recht, wenn man wie die Basketballer von Rasta Vechta seit Wochen mit dem Rücken zur Wand steht und einen Tiefschlag nach dem anderen kassiert. Hat der Tabellenletzte der 1. Bundesliga noch den Glauben an die Wende zum Guten? „Ja, auf jeden Fall“, sagt Rastas Trainer Thomas Päch vor dem Auswärtsspiel am Donnerstag (4. März, 19.00 Uhr) bei den Skyliners Frankfurt und gibt sich dabei größte Mühe, überzeugend zu sein: „Die Moral und der Charakter der Jungs ist unglaublich. Sie stecken die Rückschläge weg – und ich hoffe ganz einfach, dass wir uns jetzt dafür belohnen.“

Nach sechs Niederlagen in Serie und dem erneuten Absturz auf den letzten Platz der BBL ist der Weg zum rettenden Ufer noch steiniger geworden, der Erfolgsdruck noch größer. „Die Spiele werden weniger“, brachte es Tim Hasbargen am Samstag nach dem 89:94 in Bonn auf den Punkt. Rastas neuer Guard Edgar Sosa, 30-Punkte-Debütant in Bonn, ergänzte ebenso treffend: „Wir brauchen jetzt Siege.“

Nach 20 Spielen hat Rasta erst drei Erfolge auf der Habenseite. 2013/14, in Rastas erster BBL-Saison, die mit dem Abstieg endete, waren es 10:30 Punkte nach 20 Spielen. Drei Jahre später, als Vechta ein zweites Mal absteigen musste, war die Bilanz nach 20 Spieltagen noch trostloser als der aktuelle Ist-Stand: ein Sieg, 19 Niederlagen. Andreas Wagner, damals Coach in Vechta, wurde nach 20 Spielen gefeuert. Das Frust-Fass war übergelaufen, das Team in die Einzelteile zerfallen.

Kann Young spielen? Coach Päch spricht von "Wettlauf mit der Zeit"

Wagners Nach-Nach-Nachfolger Päch kämpft nach wie vor unverdrossen gegen alle Widrigkeiten an und schöpft große Hoffnungen aus der Rückkehr von Dennis Clifford. Der Center, bislang Mr. Zuverlässig und ein Fixpunkt in der Defense sowie im Angriff, hatte viermal gefehlt (Gehirnerschütterung) und in Bonn sein Comeback gefeiert. Er spielte solide (8 Punkte, 8 Rebounds), aber nicht so dominant wie vor der Zwangspause. „Er war ja richtig raus, hat nur im Bett gelegen. Vor dem Bonn-Spiel hat er einmal voll trainiert. Jetzt sieht es viel besser aus“, sagt Päch und betont: „Dennis ist extrem wichtig für unsere Stabilität.“ Das Pokalspiel gegen Frankfurt im Oktober (80:89) hatte Clifford mit einem dicken Knöchel verpasst, beim Liga-Hinspiel (72:96) vor einem Monat lag er dann erstmals mit einem Brummschädel flach. Im dritten Versuch soll er nun die Ex-Rasta-Center Kamari Murphy und Michael Kessens ausbremsen; vor allem Murphy hatte Anfang Februar seine Freiheiten genutzt (16 Punkte).

Ob Rastas Kapitän Josh Young in Frankfurt mitmischen kann, ist noch offen. Päch spricht von einem „Wettlauf mit der Zeit“. Der kleine Muskelfaserriss in der Schulter sei zwar verheilt, „aber es ist noch schmerzhaft“, so Päch. „Aber ich bin guter Dinge, dass Josh eher früher als später wieder dabei ist.“ Eine Rückkehr von Young wäre eine „riesige Bereicherung“, so Päch. Reicht's auch schon für Frankfurt? Dazu Päch: „Nicht ausgeschlossen, aber es ist nicht sehr wahrscheinlich.“

Die halbe Trainingswoche nach dem Bonn-Spiel diente nicht nur dazu, Clifford an die alte Form heranzuführen. Auch Edgar Sosa wurde weiter integriert. Der 33-Jährige, der beim Debüt offensiv sofort überzeugte, hatte nach seinem ersten Pflichtspiel seit Ende Oktober „sehr schwere Beine“ (Päch). Jedes Spiel werde ihm helfen, die nötige Wettkampfhärte und Spritzigkeit (für die Defense) zu bekommen.

Die Skyliners, die Mitte Februar ihre Pläne für eine neue 150-Millionen-Euro-Arena am Kaiserlei-Kreisel zwischen den Stadtzentren von Frankfurt und Offenbach präsentierten, haben sieben der letzten neun Spiele verloren und sind im Playoff-Rennen ins Hintertreffen geraten. Das jüngste 62:78 in Bamberg mit einer Dreier-Quote von 2/14 war die vierte Niederlage in Serie – und zugleich die elfte Niederlage im elften Spiel gegen ein Top-8-Team. Topscorer war einmal mehr Matt Mobley; diesmal mit 19 Punkten, was zu seinem Saisonschnitt (19,1) passt.

„Wir müssen den Rhythmus und die Teamchemie zurückgewinnen. Es ist immer noch eine Chance da, in die Playoffs zu kommen“, sagte Mobley danach. Der Guard ist der einzige Spieler, der in dieser Saison dreimal 30 oder mehr Punkte in einem Spiel gemacht hat – so auch in Vechta. „Wir haben im Hinspiel die schlechteste Leistung in den letzten Wochen gezeigt“, erinnert sich Päch. Sein Blick geht nun nach vorne: „Wir müssen die Emotionen kontrollieren und ruhig bleiben.“


BBL-Saison 2020/21: Meiste Punkte in einem Spiel

  • 36 Punkte: Rickey Paulding (Oldenburg)
  • 33 Punkte: Bastian Doreth (Bayreuth)
  • 31 Punkte: Keith Hornsby (Oldenburg), Trae Bell-Haynes (Crailsheim), Christian Sengfelder (Bamberg), Matt Mobley (Frankfurt)
  • 30 Punkte: Edgar Sosa (Rasta Vechta), Barry Brown (Ludwigsburg), Trae Bell-Haynes (Crailsheim), Matt Mobley (Frankfurt/2x)

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