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Rastas Frustpegel steigt weiter an

Vechtas Basketballer kassieren gegen die Telekom Baskets Bonn ihre sechste Saisonniederlage. Der Auftritt von Rasta war erschreckend schwach. Hier der Nachbericht mit Stimmen und Video.

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Im Vorwärtsgang: Rastas Stefan Peno (links) schirmt den Ball gegen den Bonner Chris Babb ab. Foto: Schikora

Im Vorwärtsgang: Rastas Stefan Peno (links) schirmt den Ball gegen den Bonner Chris Babb ab. Foto: Schikora

Dennis Clifford brachte seine Gemütslage sofort auf den Punkt. Keine Umschweife, direkt raus mit der Sprache. „Es ist unheimlich frustrierend, dass wir uns wieder nicht belohnt haben, dass wir hier wieder als Verlierer vom Feld gehen. Das ist einfach nur enttäuschend“, erklärte der Center von Rasta Vechta – und sein Gesichtsausdruck passte zu seinen Worten. Knapp über 30 Minuten hatte der Big Man am Freitagabend unter beiden Körben gerackert, mit 19 Punkten und elf Rebounds hatte der 28-Jährige bereits sein drittes Double-Double im sechsten Saisonspiel der Basketball-Bundesliga verbucht. Doch das, was den früheren Alba-Center so wurmte, stand oben auf der Anzeigetafel im Rasta-Dome. „69:80“ – die nackte Wahrheit tat weh. Das Kellerduell gegen die Telekom Baskets Bonn sollte für Rasta die Wende zum Guten bringen, es brachte stattdessen die Fortsetzung des Fehlstarts und das vorläufige Abrutschen auf den letzten Tabellenplatz.

Sechs Spiele, sechs Niederlagen – so schlecht ist Rasta Vechta noch nie in eine BBL-Saison gestartet. Selbst in der historisch miesen Horror-Serie 2016/17, als es 30 Niederlagen in 32 Spielen gab, war dem damaligen Team ein 0:12-Punkte-Auftakt erspart geblieben. Und nun? „Wir müssen positiv bleiben, wir müssen ruhig bleiben“, erklärte Clifford. Und er gab zu: „Es wird schwer.“

Rastas Coach Thomas Päch, der in der Vorsaison die Bonner trainiert hatte und im Februar nach 17 Niederlagen in 20 BBL-Spielen gehen musste, hatte am Tiefschlag gegen seinen Ex-Klub zu knabbern, das war nicht zu übersehen. Die „richtige Einstellung“ sei da gewesen, meinte er: „Alle haben die letzten Körner auf dem Parkett gelassen.“ Und woran hat's dann gelegen? „Wir müssen einfach lernen, disziplinierter zu sein, um eine gewisse Konstanz zu erreichen“, sagte Päch und ergänzte: „Wir bringen uns noch zu oft in Situationen, in denen wir Sachen machen, die wir eigentlich gar nicht machen wollen.“

Wenn der Abend gelaufen ist: Rastas Josh Young nach dem Spiel gegen Bonn. Foto: SchikoraWenn der Abend gelaufen ist: Rastas Josh Young nach dem Spiel gegen Bonn. Foto: Schikora

Der Coach deutete auch eine gewisse Müdigkeit an. Für Rasta war's das dritte Spiel binnen sechs Tagen, die Bonner hatten unterdessen kein Spiel unter der Woche. Das sei „definitiv ein Grund“ für die Kräfteverhältnisse in der zweiten Halbzeit, in der Rasta förmlich kollabierte. Clifford sagte bei seiner Analyse: „Die Defense ist der Schlüssel. Wir müssen einfach besser kommunizieren, das war in der zweiten Halbzeit nicht gut. Wir müssen sicherstellen, dass wir besser verteidigen.“

Nicht förderlich war natürlich auch der Ausfall von Jean Salumu. Der erfahrene Guard, einer von drei, vier Schlüsselspielern in Rastas Rotation, war nur Zuschauer. Der belgische Nationalspieler, der bereits in der Vorbereitung auf die neue Saison aufgrund einer Rückenblessur ausgefallen war und zuletzt mit Problemen an der Patellasehne auf die EM-Qualifikationsspiele in Litauen verzichten musste, fiel mit einer Knieverletzung aus. An der Pariser Straße wird eine längere Zwangspause befürchtet. „Vielleicht müssen wir noch was machen“, sagte Rastas Klubchef Stefan Niemeyer vor der Partie, angesprochen auf eine mögliche Nachverpflichtung.

Neben Dennis Clifford punkteten auch Stefan Peno (17) und Kapitän Josh Young (16) zweistellig. Andere Waffen blieben derweil stumpf. Besonders auf der Power-Forward-Position war das Vakuum groß. Will Vorhees erwischte einen rabenschwarzen Tag. Und der leicht angeschlagene Philipp Herkenhoff, der am Mittwoch gegen Bayreuth aufgrund von Rückenproblemen nur elf Minuten gespielt hatte, wirkte ebenfalls gehemmt und verunsichert.

Apropos Verunsicherung: Eine Handvoll haarsträubender Ballverluste führte Päch auf eine „Kombination aus Unerfahrenheit, Unsicherheit und Müdigkeit“ zurück. Gravierend war auch der Dreier-Einbruch nach der Pause. War die Quote in der ersten Halbzeit noch beachtlich stark (6/10), so rauschte sie nach dem Seitenwechsel per 0/11 förmlich in den Keller. Aus der Distanz klappte nichts mehr, und zehn erfolgreiche Würfe aus der Nah- und Mitteldistanz waren zu wenig, um sich die Bonner vom Hals zu halten. „Wir haben viele einfache Körbe liegen lassen“, haderte Päch.

Die Bonner, angereist mit 0:10 Punkten, atmeten derweil tief durch. „Wir wussten alle, dass es in der Situation, in der sich beide Teams befinden, stressig ist und der Druck steigt. Da ist es ganz wichtig, dass man den Kopf klar hat, um einen Weg zu finden, zu gewinnen“, sagte Bonns Coach Igor Jovovic. Sein Team habe in der zweiten Halbzeit die „richtigen Antworten“ und „einen Rhythmus“ gefunden. Der Montenegriner, in Bonn bereits der achte Coach seit der Ära Mike Koch (2005 bis 2013), räumte ein: „Das Spiel war sicherlich nicht schön anzuschauen.“ In der Tat. Aber für Bonn stimmte zumindest das Ergebnis. Eine Tatsache, auf die Rasta weiter wartet.


Rasta gegen Bonn: Der Spielverlauf

Das 1. Viertel: Rasta war sofort im Attackemodus, zog im Angriff sechs Fouls in gut drei Minuten und führte schnell mit 9:3. Später hieß es 16:9 – mit neun Punkten von Stefan Peno. Eine 0:8-Serie zum 16:17 beantwortete der Serbe mit seinem zweiten Dreier. Fortan war's ein enges Viertel, an dessen Ende Rasta mit 24:26 zurücklag. Im achten Spiel in Folge gab Vechta damit das erste Viertel ab.

Das 2. Viertel: Rasta erwischte einen fürchterlichen Start: Vorne klappte wenig, hinten gab's einige Patzer, beim 24:35 war eine Auszeit bitter nötig. Die Antwort war eine 8:0-Serie – und später machte Rasta aus einem 34:40 eine 43:40-Pausenführung. Die Gastgeber waren nun viel griffiger in der Defense und belohnten sich dafür im Angriff.

Der Kapitän bei der Abwehrarbeit: Rastas Josh Young (links) gegen Bonns Josh Hagins. Foto: SchikoraDer Kapitän bei der Abwehrarbeit: Rastas Josh Young (links) gegen Bonns Josh Hagins. Foto: Schikora

Das 3. Viertel: Rasta ließ zunächst einiges liegen und fiel auf 45:47 zurück, antwortete aber mit einem 7:0-Lauf zum 52:47. Die Führung gab allerdings keine Sicherheit, das nächste kleine Tief folgte prompt, beim 54:55 lag Rasta wieder zurück – und vor dem letzten Viertel hieß es 56:59.

Das 4. Viertel: Nach 2:13 Minuten im letzten Viertel musste Rasta-Coach Thomas Päch die nächste Auszeit nehmen, der Rückstand war auf 56:65 angewachsen. Eine schwere Hypothek für den Endspurt. Und es wurde nicht besser. Rasta leistete sich haarsträubende Ballverluste und fiel auf 62:76 zurück – die Verunsicherung war nicht zu übersehen. Und die Körpersprache auf der Bank war ein Trauerspiel. Kein Anfeuern, kein Aufbäumen.

Der Ausblick: Nach drei Spielen binnen sechs Tagen hat Rasta nun eine normale Trainingswoche vor sich - und an deren Ende steht das Auswärtsspiel beim Vizemeister Ludwigsburg (19. Dezember, 20.30 Uhr). Bis zum Jahreswechsel folgen dann noch die Partien beim MBC in Weißenfels (23.12.) sowie gegen Crailsheim (27.12.) und Oldenburg (30.12.).



Rasta Vechta - Telekom Baskets Bonn 69:80 (43:40)

  • Viertel: 24:26, 19:14, 13:19, 13:21.
  • Punkte Vechta: Dennis Clifford (19/plus 11 Rebounds), Stefan Peno (17), Josh Young (16), Jordan Barnett (7), Philipp Herkenhoff (5), Tim Hasbargen (3) und Jannes Hundt (2).
  • Punkte Bonn: Xavier Pollard (14), Chris Babb (13), Deividas Gailius, Strahinja Micovic (je 11), James Thompson, T.J. DiLeo (je 10), Benjamin Lischka (5), Leon Kratzer (4) und Josh Hagins (2).
  • Nächstes Spiel: 19. Dezember (Samstag, 20.30 Uhr) bei den MHP Riesen Ludwigsburg.
  • Alle Spiele der BBL gibt es live bei MagentaSport.

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