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Rastas Finale: Elzie fiebert aus der Ferne mit

Vechtas Basketballer treffen am Samstag im Alles-oder-nichts-Duell auf Chemnitz. Ex-Coach Pat Elzie spricht bei OM online über den BBL-Abstiegskampf und seine ProA-Ambitionen.

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Das waren noch Zeiten: Pat Elzie in der Saison 2013/14 als BBL-Coach in Vechta. Foto: Schikora

Das waren noch Zeiten: Pat Elzie in der Saison 2013/14 als BBL-Coach in Vechta. Foto: Schikora

Als am Mittwochabend das Training mit seinen Itzehoe Eagles vorbei war, warf Pat Elzie daheim noch mal schnell seinen Laptop an. Ins Bett zu gehen, ohne zu wissen, wie Rasta Vechta gespielt hat, kam für ihn nicht in Frage. Und so analysierte der 60-Jährige zu später Stunde noch den Statistikbogen und das „Play by Play“, also den Spielverlauf. 82:88 gegen die Hamburg Towers – für Rasta war's die nächste Niederlage im Abstiegskampf der 1. Basketball-Bundesliga. „Schade, dass Rasta es nicht mehr drehen konnte. Jetzt wird es echt schwer, die Klasse noch zu halten“, sagte Elzie und ergänzte treffend: „Am Samstag muss ein Sieg her.“ Die Niners Chemnitz sind um 20.30 Uhr im Rasta-Dome zu Gast.

Vechta gegen Hamburg – Elzie hätte das Nordduell liebend gerne im Livestream verfolgt. Es sind schließlich zwei Städte, die im Basketball-Leben des Amerikaners mit deutschem Pass eine sehr große Rolle gespielt haben. In Hamburg, wo seine Tochter Eveline (18) und sein jüngster Sohn Jonathan (15) leben, war er einst Spieler, Manager, Co-Trainer und Chefcoach – von der Regionalliga (Rist Wedel) bis zur 1. Liga (BCJ Tigers).

Und sein Wirken in Vechta von November 2009 bis Juni 2015 ist legendär. Der direkte Durchmarsch von der ProB über die ProA in die BBL, der bundesweit für Furore sorgte, trug damals seine Handschrift. Elzie war es, der das orange-farbene Feuer entfachte. Logisch, dass ihn der drohende dritte BBL-Abstieg nach 2014 und 2017 nicht kalt lässt. „Ich weiß, wie sich das anfühlt“, sagt Elzie aus eigener Erfahrung.

Allen spielte unter Elzie und Parra war Elzies Co-Trainer

Er pflegt noch einige Kontakte in die alte Heimat und ist bestens informiert über das, was an der Pariser Straße so läuft. Die meisten Spiele von Rasta in dieser Saison habe er gesehen, viele live, den Rest als Aufzeichnung. „Für Thomas tut's mir echt leid“, sagt Elzie. Gemeint ist Thomas Päch, der kürzlich entlassene Coach des Tabellenletzten. Derrick Allen habe eine „sehr schwere Aufgabe übernommen“. Und damit sei nicht nur die prekäre Lage in der Tabelle gemeint, so Elzie: „Es ist nie leicht, mit einem Kader zu arbeiten, den man größtenteils nicht selbst zusammengestellt hat.“

Übrigens: Als Derrick Allen 2005/06 seine zweite Saison in der BBL spielte, damals bei der BG Karlsruhe, war Elzie für einige Monate Co-Trainer der Badener. Er erinnert sich noch gut: „Oh mein Gott, ist das lange her.“ Auch zu Mauricio Parra, dem neuen Assistant Coach von Allen, hat Elzie eine persönliche Verbindung. Parra war Elzies Co-Trainer beim damaligen Erstliga-Aufsteiger Walter Tigers Tübingen. „Das war noch vor Karlsruhe“, so Elzie: „Ein super Mann, eine gute Wahl von Derrick.“

Fehlt nur noch die Anekdote zu Rastas vierter Nachverpflichtung, zu Sha'Markus Kennedy, der gegen Hamburg debütierte und Vechtas 72. (!) Spieler in fast fünf BBL-Jahren ist. „Ich hatte ihn auch auf der Liste“, verrät Elzie. Für einen Transfer im ProB-Endspurt? „Nein, das nicht. Jede Saison mache ich eine Liste mit 40, 50 Namen drauf. Mit Spielern, deren Weg ich intensiv verfolge, falls sich irgendwann mal was ergibt. Und Kennedy stand ganz oben auf der Liste“, so Elzie: „Als ich gelesen hab', dass er in Vechta gelandet ist, war ich schon ein wenig überrascht. Aber er ist ein sehr guter Verteidiger.“

Ob der 22-Jährige als Clifford-Ersatz das fehlende Puzzleteil bei Rasta ist, um das Ruder noch mal rumzureißen, vermag Elzie nicht zu sagen: „Es sind ja nicht mehr viele Spiele.“ Der Rückstand auf den 16. Platz ist groß. Und den Tabellenvorletzten Gießen, seinen ersten Klub als Profi in Deutschland (1984 bis 1987), sieht Elzie nach dem „Befreiungsschlag gegen die Bayern“ und dem Erfolg in Göttingen auf der Überholspur: „Der MBC und Würzburg müssen aufpassen.“ Klingt ja fast so, als habe er Rasta gar nicht mehr auf dem Zettel. Elzie gibt zu: „Es sieht nicht gut aus.“

Die Gegenwart: Rastas Coach Derrick Allen gegen Hamburg. Foto: SchikoraDie Gegenwart: Rastas Coach Derrick Allen gegen Hamburg. Foto: Schikora

Nicht nur sein Ex-Klub steht am Samstag unter Erfolgsdruck, das gilt auch für die Eagles, die Elzie seit 2015 trainiert. Im letzten Spiel der ersten Gruppenphase der ProB-Playoffs braucht Itzehoe einen Erfolg gegen Koblenz, um die nächste Gruppenphase zu erreichen. Es ist ein Nachholspiel, da Itzehoe nach der Hauptrunde (2. Platz in der Nord-Staffel) für zwei Wochen in Quarantäne musste.

Elzie kam zu diesem Zeitpunkt gerade aus Amerika zurück, wegen eines Trauerfalls in der Familie war er für drei Wochen in der Heimat. „Eine schwere Zeit“, sagt er. Inzwischen hat ihn der Alltag eingeholt. Mit Itzehoe hofft er auf den Aufstieg in die 2. Liga ProA. Und dann ein Duell mit Rasta? Elzie: „Ich hoffe, dass sie noch irgendwie in der BBL bleiben.“


Infos zum Spiel Rasta Vechta - Niners Chemnitz

  • Termin: Samstag (10. April), 20.30 Uhr, Rasta-Dome.
  • Die Ausgangslage: Rasta steht als Schlusslicht (8:44) bereits mit einem Bein in der 2. Liga. Aufsteiger Chemnitz (11./20:32) hat reichlich Luft auf Gießen (17./12:42), die Restzweifel an einem zweiten BBL-Jahr wollen die Sachsen nun in Vechta beseitigen.
  • Die Form: Rasta hat neun der letzten zehn Spiele verloren, die jüngste Leistung gegen Hamburg war jedoch solide. Chemnitz siegte zuletzt in Frankfurt (89:76) und im Derby beim MBC (86:84).
  • Das Personal: Nichts Neues bei Rasta. Jean Salumu und Dennis Clifford fallen aus. Wer als siebter Ausländer pausiert, entscheidet Coach Allen kurz vor dem Spiel.
  • Das Hinspiel: Zum Abschluss der Hinserie verlor Rasta mit 77:89 (35:42). Vechtas 3er-Quote war mit 18,5 Prozent (5/27) die schlechteste der Saison. Rastas Stefan Peno verbuchte aber acht Steals, bis heute ein Saisonrekord.
  • Der Gegner: Topscorer der Niners sind Marcus Thornton (13,5), George King (12,1), Terrell Harris (11,5) und Isiaha Mike (11,4) – das Top-Trio kommt dabei auf 3er-Quoten von 41,3 bis 48,1 Prozent.

Stimmen zum Spiel Rasta Vechta - Niners Chemnitz

Tim Hasbargen, Rasta Vechta: „Wir müssen alles in die Waagschale werfen und alles geben. Wir wissen, wie die Tabellensituation ist, in was für einer Lage wir sind. Und natürlich wissen wir, dass das jetzt ein wichtiges, geradezu überlebenswichtiges Spiel für uns wird.“

Robin Christen, Rasta Vechta: „Wir müssen in der kurzen Zeit, die wir zwischen Hamburg und Chemnitz sowie danach haben, daran arbeiten, dass wir defensiv besser werden. Wir dürfen uns Samstag nur auf unser Spiel konzentrieren und wir wollen eine sehr gute Leistung zeigen.“

Rodrigo Pastore, Coach der Niners Chemnitz: „In der BBL gibt es einfach keine leichten Partien. Dafür ist die Leistungsdichte zu groß und auch wir spielen nicht immer auf dem gleichen Level.“

Chris Carter, von 2017 bis 2019 bei Rasta Vechta, davor und danach in Chemnitz, jetzt in Rostock: „Ich fühle mich beiden Klubs verbunden. Also hoffe ich einfach auf ein gutes Spiel, vielleicht mit Verlängerung - und dann möge das beste Team gewinnen.“ (Zitat aus Rastas Spieltags-Magazin)

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