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Rasta Vechta: Serie hält, aber die Playoffs sind nicht mehr drin

Für das 97:63 gegen Ehingen erhält der Basketball-Zweitligist keinen Schönheitspreis. Und die Schützenhilfe im Rennen um Platz acht ist auch ausgeblieben. Hier gibt's den Nachbericht zum Spiel.

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Topscorer gegen den Ex-Klub: Rastas Joel Aminu (links). Foto: Schikora

Topscorer gegen den Ex-Klub: Rastas Joel Aminu (links). Foto: Schikora

Als der Job erledigt war, als er zusammen mit den Teamkollegen den Pflichtsieg eingefahren hatte, holte der Topscorer des Abends sofort das Handy aus seinem Spind in der Kabine von Rasta Vechta. Joel Aminu wollte so schnell wie möglich wissen, wie die Rivalen im Rennen um einen Playoff-Platz in der 2. Basketball-Bundesliga ProA gespielt haben. Und was Aminu auf seinem Smartphone sah, gefiel ihm gar nicht. Phoenix Hagen? 102:97 gegen Spitzenreiter Rostock. Die Karlsruhe Lions? 102:82 in Bochum. Die Kirchheim Knights? 75:67 gegen die Artland Dragons. „Es ist leider nicht so gelaufen, wie wir es erhofft hatten“, sagte Aminu mit Blick auf die siegreichen Kontrahenten, die damit weiter vor Rasta Vechta liegen.

Die Schützenhilfe war am Samstagabend also ausgeblieben, daher fühlte sich das eigene Zutun für eine mögliche Verbesserung im ProA-Klassement nicht mehr ganz so gut an. Das 97:63 (46:33) gegen Schlusslicht Ehingen/Urspring war nicht mehr als ein Pflichtsieg. Aminu, von 2015 bis 2017 selbst für Ehingen aktiv und beim Duell mit dem Ex-Klub mit 18 Punkten der beste Werfer des Abends, hakte den fünften Erfolg in Serie recht geschäftsmäßig ab: „Wir brauchten einen Sieg, um weiter eine Chance auf die Playoffs zu haben. Und den haben wir geholt.“

Preston Purifoy, mit 15 Punkten zweitbester Scorer beim Sieger, verfiel auch nicht gerade in Euphorie: „Im Moment müssen wir versuchen, die Dinge zu erledigen, die wir selbst kontrollieren können. Heute haben wir das gemacht, zweimal müssen wir es noch tun.“ Gemeint sind die Begegnungen bei den Itzehoe Eagles und gegen Jena. Auf die Frage, ob die Siegesserie vielleicht zu spät kommt, sagte Purifoy im Wissen um die drei Siege von Hagen, Karlsruhe und Kirchheim: „Ja, das kann sein.“

Zehn Punkte: Rastas Sheldon Eberhardt (rechts) überzeugte im Schlussviertel. Foto: SchikoraZehn Punkte: Rastas Sheldon Eberhardt (rechts) überzeugte im Schlussviertel. Foto: Schikora

Am Sonntagabend gab's dann die Gewissheit: Ja, die Serie kam zu spät; die Playoffs 2022 finden ohne Rasta Vechta statt. Der ProA-Meister von 2013 und 2018 sowie Vizemeister von 2016 ist in seiner fünften Zweitliga-Saison zum zweiten Mal nach 2015 nur Zuschauer, wenn ab dem Viertelfinale die Post abgeht. Auch am Sonntag blieb zweimal die Schützenhilfe aus. Bremerhaven behielt gegen Vizemeister Leverkusen mit 93:86 die Oberhand, Nürnberg besiegte Jena mit 84:71. Es gibt damit keine rechnerische Variante mehr, die Rasta noch auf Platz acht bringt.

Zurück zum Spiel am Samstag: Das erste Viertel von Rasta hatte wenig mit Playoffs zu tun, eigentlich gar nichts. Es war einfach nur gruselig. Rasta agierte fahrig und überheblich, der eine oder andere dachte nur an die eigenen Stats, es war ein fürchterliches Ego-Gezocke. Trainer Vladimir Lucic dürfte daheim am Bildschirm auf 180 gewesen sein. Der Serbe fehlte ebenso wie „Co“ Marius Graf coronabedingt.

Also musste Arturo Ruiz, der zweite Assistant-Coach, die Geschicke leiten. Der 29-jährige Spanier genoss die „tolle Erfahrung“ in der Coaching-Zone und ließ nach dem Spiel Milde walten. „Ich bin zufrieden mit dem Ergebnis und der Leistung“, sagte Ruiz. Rastas vierter spanischer Co-Trainer, seit Saisonbeginn der akribische Arbeiter im Hintergrund, verriet dann auch, warum er so gnädig analysierte: „Es war das vierte Spiel in neun Tagen. Viele Spieler waren davor zehn Tage in Quarantäne, dazu die Nacht im Bus auf der Kirchheim-Tour – das ist dann alles nicht so einfach.“

Hinzu kam auch die mentale Komponente. Vor dem Spiel war den meisten klar: Rasta konnte diese Partie eigentlich nicht verlieren. Ehingen/Urspring, das sich anschickt, die schlechteste Hauptrunde in der ProA-Historie zu absolvieren, war nur zu neunt angereist – und ohne seine Topscorer Tyler Cheese (18,4 Punkte) und Munis Tutu (16,5). Cheese war unter der Woche vom Hof gejagt worden, weil er zu sehr auf eigene Rechnung spielte, Tutu fehlte derweil verletzt.

Ehingens Team, das sich 27 Ballverluste leistete, hatte ein Durchschnittsalter von 19,6 Jahren – und das Spiel lenkte in Jorke Aav ein 16-jähriger Este. „Es war nicht so einfach, sofort ‚ready‘ zu sein“, sagte Aminu später. „Wir haben ein bisschen gebraucht, um unser Spiel zu spielen“, ergänzte Purifoy und gab zu: „Der Start war schlecht.“

Chef für einen Abend: Arturo Ruiz. Foto: SchikoraChef für einen Abend: Arturo Ruiz. Foto: Schikora

Eine 11:0-Serie vom 20:25 zum 31:25 lenkte das Match dann in die erwartete Bahn. Je länger das Spiel dauerte, desto mehr übernahm Rasta die Kontrolle – ohne dabei zu glänzen. Der Vorsprung wuchs stetig (50:33, 67:39, 84:51, 95:59). 15 Dreier und 20 Steals konnten sich am Ende sehen lassen, erstmals in dieser Saison punkteten sechs Spieler zweistellig in 40 Minuten – und darunter war auch Sheldon Eber-hardt, der bittere Wochen als Bankdrücker hinter sich hat. „Für Sheldon freut's mich sehr“, sagte Aminu, „und Arturo hat jetzt seinen ersten Sieg als Cheftrainer.“

Johannes Hübner, Trainer der Ehinger, war indes stolz auf seine Rasselbande. Die 30. Niederlage im 31. Spiel? Egal! „Wir wollen uns mit guten Leistungen verabschieden. Wir sind ein Traditionsstandort für Jugendarbeit, und das bringen wir bis zum Ende durch. Das erste Viertel war stark. Es macht richtig Bock mit diesen Jungs“, sagte Hübner.

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