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Rasta Vechta: Schön war's nicht, aber immerhin erfolgreich

Der Basketball-Bundesligist hat sein letztes Heimspiel der Saison mit 84:80 (36:32) gegen den Mitteldeutschen BC gewonnen. Hier der Nachbericht mit Reaktionen und einem Video.

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Klein gegen Groß: Rastas Jannes Hundt gegen Philipp Hartwich vom MBC. Foto: Schikora

Klein gegen Groß: Rastas Jannes Hundt gegen Philipp Hartwich vom MBC. Foto: Schikora

Die Ansage von Derrick Allen war klar und deutlich. Der Trainer von Rasta Vechta hatte vor den letzten 80 Minuten der Saison noch mal an „Stolz und Ehre“ appelliert und „zwei Siege für unsere Fans“ gefordert. Und die Umsetzung? Teil eins des finalen Charakter-Tests haben die Basketballer von Rasta Vechta, die seit Freitagabend als Absteiger aus der Bundesliga feststehen, gemeistert. Okay, schön war es nicht, das Niveau des letzten Heimspiels der Saison gegen den Mitteldeutschen BC (16.) passte zum Tabellenstand beider Teams. Aber: Am Ende stand der sechste Saisonerfolg für Rasta. Das Schlusslicht besiegte am Mittwoch die Gäste aus Weißenfels mit 84:80 (36:32). Das Saisonfinale steigt am Sonntag (15.00 Uhr) mit einem Auswärtsspiel bei s.Oliver Würzburg.

Rastas Topscorer gegen den MBC, der am Vorabend im Hotel in Lohne dank Gießens Niederlage in Bamberg den Klassenerhalt feiern konnte, war Edgar Sosa mit 19 Punkten, gefolgt von Kapitän Josh Young (16), Philipp Herkenhoff (15) und Robin Christen (13). Herkenhoff schnappte sich zudem zwölf Rebounds und verbuchte damit sein drittes Double-Double in der BBL; die beiden ersten gab's in der Saison 2018/19 im Playoff-Viertelfinale gegen Bamberg.

Der MBC, der während der gesamten Saison nie auf einem Abstiegsplatz stand, hatte seine besten Werfer in Liga-Topscorer Michal Michalak (23), der nach einer überstandenen Corona-Infektion zuverlässig punktete, und Quinton Hooker (22).

Duell der Scorer: Rastas Josh Young (rechts) gegen Michal Michalak. Foto: SchikoraDuell der Scorer: Rastas Josh Young (rechts) gegen Michal Michalak. Foto: Schikora

Herkenhoff, dessen Zukunft in Vechta trotz Vertrag bis 2022 völlig offen ist („Man wird sehen, was der Sommer bringt“), sagte nach dem Spiel: „Es ist erst mal erleichternd, dass wir auch mal wieder gewinnen konnten. Es war uns wichtig, dass wir uns hier mit einem Sieg verabschieden.“ Und er ergänzte: „Man will zeigen, dass man in die Liga gehört. Man will zeigen, dass man unverdient auf dem letzten Platz steht.“ Michalak bilanzierte unterdessen: „Großen Respekt an Vechta, dass sie heute Charakter gezeigt und uns geschlagen haben.“

Sein Coach Silvano Poropat sagte: „Vechta wollte es mehr als wir, sie haben den größeren Willen gezeigt.“ Derrick Allen meinte: „Ich bin froh über den Sieg.“ Es folgte die Ansage für das Würzburg-Spiel: Auch dort sei noch mal Charakter gefragt.

Die Geschichte des Spiels ist schnell erzählt: Rasta erwischte einen guten Start (17:5), fiel dann aber in bekannte Muster zurück. Fahrig im Angriff, löchrig in der Defense – es war ein zähes Ringen, ein Fehlerfestival auf beiden Seiten. Wären Zuschauer in der Halle gewesen, es hätte Pfiffe und Kopfschütteln gegeben.

Die beste Phase im dritten Viertel, eine 15:3-Serie zum 60:47, verspielte Rasta mit einem 0:13-Lauf, der vollgepackt war mit Unzulänglichkeiten. Trostlose Minuten, die perfekt zur Saison des Tabellenletzten passten. Co-Trainer Mauricio Parra explodierte in dieser Phase („Play Defense, Shit!“) und trat wütend gegen die LED-Bande. Immerhin: Das Finish passte. Dank Herkenhoff und Sosa, die sich die letzten 16 Rasta-Punkte teilten, gab's den fünften Sieg im leeren Wohnzimmer.


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Vor dem letzten Heimspiel der Saison äußerte sich Rastas Klubchef Stefan Niemeyer auch noch mal zum Thema Wildcard. Sollte diese Option wirtschaftlich vertretbar, also finanzierbar sein, „so wären wir gut beraten, uns für diese zu bewerben“, erklärte Niemeyer. Man fühle sich den Fans und Sponsoren gegenüber verpflichtet, „die bestmöglichen Chancen auszuloten, Top-Basketball in Vechta zu präsentieren“. Wegen der Corona-Pandemie gab's das letzte BBL-Live-Erlebnis für alle im Rasta-Dome am 29. Februar 2020 – über 14 Monate ist das nun her. „Wenn wir das im Ansatz dadurch wieder gutmachen können, indem wir uns für eine Wildcard ins Zeug legen, dann sollten wir das auch tun“, betonte Niemeyer.


Rasta Vechta - Mitteldeutscher BC 84:80 (36:32)

  • Viertel: 19:19, 17:13, 24:22, 24:26.
  • Punkte Vechta: Edgar Sosa (19), Josh Young (16), Philipp Herkenhoff (15), Robin Christen (13), Will Vorhees (6), Stefan Peno (5), Björn Rohwer (4), Jannes Hundt (3), Sha'Markus Kennedy (2) und Jordan Barnett (1). 
  • Punkte Mitteldeutscher BC: Michal Michalak (23), Quinton Hooker (22), Sergio Kerusch (10), Deron Washington (8), Philipp Hartwich, Djordje Pantelic (je 7) und Kyndahl Hill (3).
  • Letztes Saisonspiel: Sonntag (9. Mai, 15.00 Uhr) bei s.Oliver Würzburg.

Sportlich pfui, wirtschaftlich hui: Rasta Vechta hat im Lizenzierungsverfahren der Basketball-Bundesliga erneut gut abgeschnitten. Rasta erfüllte alle wirtschaftlichen Anforderungen des Lizenzligaausschusses ohne Auflagen und Bedingungen, das gab die BBL jetzt bekannt. Einziges Manko bei Rasta: Es fehlt die sportliche Qualifikation für 2021/22. Wirtschaftlich und organisatorisch sei man „erneut gut aufgestellt“, sagte Klubchef Stefan Niemeyer und bedankte sich für die „großartige Unterstützung von Sponsoren und Fans“. Der Lizenzligaausschuss prüfte 19 Anträge (18 BBL-Teams plus Aufsteiger Heidelberg). 13 Klubs erhielten die Lizenz ohne Auflage, bei fünf Klubs erfolgte die Erteilung mit Auflagen und/oder auflösenden Bedingungen. In einem Fall ist der Prüfungsprozess noch nicht abgeschlossen.

Trainer und Center: Derrick Allen mit ShaMarkus Kennedy. Foto: SchikoraTrainer und Center: Derrick Allen mit Sha'Markus Kennedy. Foto: Schikora

Wildcards in der Basketball-Bundesliga:

  • Die Diskussion um eine Wildcard für die Saison 2021/22 in der Basketball-Bundesliga ist voll entbrannt. Rasta Vechta, sportlich abgestiegen, hat Interesse (OM Medien berichtete). Hier ein Überblick über die Wildcard-Historie in der BBL.
  • 2001: Rhöndorf, Meister der 2. Liga Nord, wurde die BBL-Lizenz verweigert. Die Wildcard ging an die „Cologne 99ers“, das Kölner Team wechselte von der Regionalliga in die 1. Liga.
  • 2003: Zur Serie 2003/04 wurde die BBL um zwei Teams auf 16 Mannschaften aufgestockt. TBB Trier und TSK Würzburg kamen per Wildcard in die BBL.
  • 2006: Zur Saison 2006/07 gab es die nächste Aufstockung, wieder um zwei Teams, diesmal auf 18 Mannschaften. Nürnberg und Braunschweig kamen per Wildcard in die BBL. Sie kostete damals 100.000 Euro.
  • 2008: ProA-Vizemeister Cuxhaven stellte keinen Lizenzantrag, der Vorletzte Trier blieb per Wildcard in der 1. Bundesliga.
  • 2009: Die Giants Nördlingen zogen sich nach der Hauptrunde 2008/09 zurück. Und Köln hatte finanzielle Probleme inklusive Insolvenzantrag. Folge: Die beiden Absteiger Gießen 46ers (17.) und Eisbären Bremerhaven (18.) retteten sich per Wildcard.
  • 2010: Cuxhaven stellte erneut als ProA-Vizemeister keinen Lizenzantrag. Diesmal profitierten die Giants Düsseldorf, die als Tabellen-17. per Wildcard den Abstieg in die 2. Liga verhinderten.
  • 2012: Der ProA-Vize Kirchheim Knights verzichtete auf einen Lizenzantrag für die BBL. Die Gießen 46ers (17.) retteten sich per Wildcard, die inzwischen 250.000 Euro kostete.
  • 2013: Den Düsseldorf Baskets, Rastas Gegner im damaligen Finale der ProA, wurde die BBL-Lizenz aus wirtschaftlichen Gründen verweigert. Ludwigsburg blieb als Tabellen-17. der BBL per Wildcard drin. Im gleichen Jahr wurde die Fünfjahresregel eingeführt: Ein Klub, der eine Wildcard erhalten will, darf in den vorangegangenen fünf Saisons keine Wildcard erhalten haben.
  • 2015: Die Artland Dragons beantragten keine Lizenz für die neue Saison. Schlusslicht Crailsheim Merlins nutzte die Gunst der Stunde per Wildcard.
  • 2019: Die Gebühr für eine Wildcard wurde um 450 000 Euro auf nun 700 000 Euro erhöht.
  • 2021: Die Bayer Giants Leverkusen stehen im ProA-Finale, haben aber aus wirtschaftlichen Gründen keine BBL-Lizenz beantragt. Es bahnt sich ein Wildcard-Verfahren an, der Beschluss der Gesellschafterversammlung der BBL GmbH steht allerdings noch aus.

Der OM online Podcast. Thema  der neuen Ausgabe sind Kunstrasenplätze im Oldenburger Münsterland. Welche Halme sind die besten, wie steht es um Ökologie und Nachhaltigkeit? Und was haben geschredderte Olivenkerne mit dem Thema zu tun?  Jetzt reinhören! 

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