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Rasta Vechta meldet Interesse an einer Wildcard an

Aus der 2. Bundesliga ProA steigt nur Heidelberg auf, Finalgegner Leverkusen hat keine Lizenz beantragt. In der 1. Liga bahnt sich nun ein Wildcard-Verfahren an. Hier gibt's alle Infos und Stimmen.

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Das Saisonende naht: Rastas Spieler – hier am letzten Sonntag bei der 82:100-Pleite in Gießen – müssen noch zweimal ran; am Mittwoch gegen den MBC, am Sonntag in Würzburg. Foto: Jan Hübner

Das Saisonende naht: Rastas Spieler – hier am letzten Sonntag bei der 82:100-Pleite in Gießen – müssen noch zweimal ran; am Mittwoch gegen den MBC, am Sonntag in Würzburg. Foto: Jan Hübner

Wer steigt auf? Wer bekommt überhaupt eine Lizenz? Gibt es künftig nur 17 Teams in der 1. Liga? Wird eine Wildcard vergeben? Und wenn ja, zu welchem Preis? Fragen über Fragen, die gerade durch die Basketball-Bundesliga geistern. Mittendrin: Rasta Vechta. Der Tabellenletzte der BBL, der seit Freitagabend als sportlicher Absteiger feststeht, hofft darauf, noch durch die Hintertür ins BBL-Teilnehmerfeld für die Saison 2021/22 rutschen zu können.

Rasta, das am Mittwochabend um 19.00 Uhr den Mitteldeutschen BC zum letzten Heimspiel einer völlig verkorksten Saison erwartet, hat gegenüber der BBL ein erstes Interesse an einem Wildcard-Verfahren angemeldet. „Ja, das ist richtig“, sagt Rastas Klubchef Stefan Niemeyer gegenüber OM Medien. Er begründet diese Haltung mit den vielen Unwägbarkeiten innerhalb einer Pandemie-Saison: „Ohne Corona hätte ich gesagt: Wir sind Letzter, wir steigen ab. Aber mit Corona ist es eine ganz andere Situation.“

Aber alles der Reihe nach: Ausgelöst wurden die Diskussionen durch die Bayer Giants Leverkusen. Die Rheinländer haben sich in den Playoffs der 2. Bundesliga ProA völlig überraschend als Sieger der Gruppe 1 für das Finale qualifiziert und dabei die beiden BBL-Anwärter Science City Jena und Rostock Seawolves abgehängt. Die Bayer Giants können jedoch nicht aufsteigen, weil sie keine Lizenz für die BBL beantragt haben. Nachrücker sieht die Spielordnung nicht vor.

Für Heidelberg geht ein Traum in Erfüllung

Es wird also nur einen sportlichen Aufsteiger geben – und der heißt MLP Academics Heidelberg, seit 14 Jahren in der ProA. Die Entscheidung in der Gruppe 2 fiel am Dienstag in einer Videokonferenz der ProA-Teams. Bei den Eisbären Bremerhaven, den Panthers Schwenningen und dem BBL-Anwärter Kirchheim Knights um Ex-Rasta-Guard Richie Williams gibt's Corona-Fälle, alle Teams sind in Quarantäne. Die restlichen Spiele können nicht mehr ausgetragen werden, die Tabelle wird eingefroren. Spitzenreiter Heidelberg (3 Siege in 4 Spielen) wurde zum Finalgegner von Leverkusen und damit zum Aufsteiger erklärt. „Es ist die Erfüllung eines gemeinsamen Traumes. Nach sieben Jahren harter Arbeit haben wir es endlich geschafft“, sagt Branislav „Frenki“ Ignjatovic, Coach des Hauptrundenzweiten.

Erste Wildcard-Gespräche hat es derweil bereits gegeben, das nächste Treffen der BBL-Klubs ist für Donnerstag geplant. Nach OM-Medien-Informationen gibt es in der 1. Liga eine Mehrheit dafür, auch in der neuen Saison mit 18 Teams zu spielen. In der Saison 19/20 hatte die BBL letztmals nur 17 Mannschaften. Den Nürnberg Falcons, damals Vizemeister der ProA, war im Sommer 2019 die Lizenz für die 1. Liga verweigert worden. Der Fall zog sich in die Länge, erst Anfang Juli gab's Klarheit durch das BBL-Schiedsgericht. Mit der Folge, dass es keine Bewerber mehr für den freien Platz gab.

Stefan Niemeyer geht fest davon aus, dass in Kürze ein Wildcard-Verfahren auf den Weg gebracht wird. Er sagt: „Und wenn es eine Wildcard geben soll, dann sollte es zügig passieren. Ich finde, es sollte nicht wieder Juli werden. Spätestens zum 1. Juni sollte es Planungssicherheit geben.“ Für Jens Staudenmayer, kaufmännischer und sportlicher Leiter der BBL, ist eine Wildcard „nicht unwahrscheinlich“. Die Entscheidung darüber würden allerdings die Gesellschafter der BBL, also die Klubs, treffen.

Auch bei den Gießen 46ers beobachtet man die Wildcard-Entwicklung sehr genau. Die Hessen, die am Dienstagabend mit 90:99 (48:56) in Bamberg verloren und als zweiter Absteiger feststehen, gehen nicht davon aus, dass sie als Tabellen-17. als Erster ein Zugriffsrecht hätten. „Ein Wildcard-Verfahren würde ja für jeden gelten, selbst für ProB-Vereine. Das ist für alle offen“, sagte der Noch-Geschäftsführer Mike Koch in der Gießener Allgemeinen. Sein Co-Geschäftsführer Stefan Dehler warf die Frage auf, ob eine Wildcard finanziell mehr Sinn machen würde als eine Konsolidierung in der ProA: „700.000 Euro sind eine Hausnummer.“ Die Regularien seien noch offen. Möglich sei auch, dass die Liga die Summe niedriger ansetzt. Seit der Saison 19/20 kostet eine Wildcard 700.000 Euro, vorher waren es 250.000 Euro. Nicht ausgeschlossen, dass sich der Preis in Pandemie-Zeiten irgendwo in der Mitte einpendelt – eine Art Corona-Rabatt also.

Noch zwei Spiele: Rastas Josh Young (rechts), hier gegen Alba Berlin. Foto: SchikoraNoch zwei Spiele: Rastas Josh Young (rechts), hier gegen Alba Berlin. Foto: Schikora

In Rostock schaut man ebenfalls genau hin. Der ambitionierte Ostsee-Klub gilt als Wildcard-Kandidat. „Das ist nicht ausgeschlossen“, sagt Jens Hakanowitz, Sportlicher Leiter beim ProA-Hauptrundensieger, der im neuen Playoff-Modus vom Aufstiegskurs abkam (4 Niederlagen in 6 Spielen). „Wir überlegen gerade, was wir tun. Der Ausgang ist offen. Wenn es Sinn macht, sind wir dabei“, sagt Hakanowitz. Er erwartet ein Wildcard-Verfahren („Alles andere würde mich wundern“), stellt aber auch klar: „Eine Wildcard für 700.000 Euro kann ich für uns ausschließen. Wir wollen in die BBL, aber nicht um jeden Preis.“

Jena, 2019 aus der 1. Liga abgestiegen und am Sonntag von Rostock per 104:107 gestoppt, würde sich die Wildcard-Bedingungen zwar einmal angucken, Geschäftsführer Lars Eberlein schließt eine Bewerbung aber „zu 99 Prozent“ aus. Er spricht von einem „klaren Nein“ und ergänzt grundsätzlich: „Das Einkaufen in eine Liga ist für mich kein Verständnis von Sport, das ist mir zu amerikanisch.“

Abseits der Wildcard-Diskussion absolviert Rasta sein letztes Heimspiel. Das Kellerduell gegen den MBC (16.) sollte eigentlich das Finale um den Klassenerhalt sein, jetzt ist es Teil zwei der Abschiedstour. Teil eins ging schief, nach dem 82:100 in Gießen forderte Rastas Coach Derrick Allen „mehr Charakter, Leidenschaft und Siegeswillen“. Mit Blick auf das MBC-Spiel und das Saisonfinale in Würzburg sagt er nun: „Es geht definitiv noch um Stolz und Ehre. Und es geht auch darum, den Klub zu repräsentieren.“ Er fordert zwei Siege für die Fans, „die am Fernseher immer bei uns waren“.

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