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Rasta Vechta geht mit Wut im Bauch in die Endspiel-Wochen

Die Situation des heimischen Basketball-Bundesligisten hat sich am Wochenende verschlechtert. Zehn Spiele bleiben noch, um das rettende Ufer zu erreichen.

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Die nächste Niederlage: Rastas Stefan Peno (links) und Jesse Hunt nach dem Spiel in Oldenburg. Foto: nph/Rojahn

Die nächste Niederlage: Rastas Stefan Peno (links) und Jesse Hunt nach dem Spiel in Oldenburg. Foto: nph/Rojahn

Zur Pause, als das Kind längst in den Brunnen gefallen war, half nur noch eine Prise Galgenhumor. „Uns fliegen die Dreier um die Ohren wie sonst nur die Kurzen am Stoppelmarktsmontag“, postete Rasta Vechta am Freitagabend gegen 19.45 Uhr auf Facebook. Die erste Halbzeit im Derby bei den EWE Baskets Oldenburg war vorbei, und der Zwischenstand von 36:63 (!) spiegelte die krasse Unterlegenheit des heimischen Basketball-Bundesligisten gut wider. Rasta wurde, um noch mal kurz im Bild vom Stoppelmarkt zu bleiben, wie im Breakdancer so richtig durchgeschüttelt – und verließ die Gondel, pardon das Parkett, mit einer Mischung aus Schwindel und Übelkeit.

„Wir hatten nie eine Chance“, sagte Rasta-Coach Thomas Päch nach der 71:101-Lehrstunde. Die 20. Niederlage der Saison war die höchste in dieser Spielzeit und zusammen mit einem 72:102 gegen Alba Berlin die dritthöchste in Rastas BBL-Historie. Selten war Vechta in einer ersten Halbzeit so vorgeführt worden, selten war Rasta so ein überforderter Sparringspartner wie in den ersten 20 Minuten von Oldenburg. Es trafen Welten aufeinander. Hier die EWE Baskets, die mit Nachdruck die Top-4-Ansprüche untermauerten; dort das Kellerkind aus Vechta, das mit der Offensivwucht des Gegners überhaupt nicht umgehen konnte.

Dass Coach Päch später von einem „Weckruf zur richtigen Zeit“ sprach, warf einige Fragen auf. Wieso braucht ein Team, das im letzten Saisondrittel mit dem Rücken zur Wand steht, noch einen Weckruf? Ist nicht jedem klar, wie ernst die Lage ist? Ist dem einen oder anderen Spieler der Abstiegskampf eventuell sogar egal, weil er seine Zukunft eh nicht an der Pariser Straße sieht? Päch hat aber keine Zweifel. „Ich habe immer gesagt, dass diese Mannschaft einen guten Charakter hat, und ich gehe davon aus, dass sie diesen am Samstag gegen Göttingen zeigen wird“, gab der Coach zu Protokoll. Die nächsten vier Spiele – nach Göttingen geht es binnen acht Tagen gegen Bayreuth, Hamburg und Chemnitz – seien „wegweisend“, so Päch: „Wenn jetzt nicht der nötige Fokus und die Anspannung da sind, dann weiß ich auch nicht weiter.“

Unzufrieden: Rastas Coach Thomas Päch musste in Oldenburg eine klare Unterlegenheit anerkennen. Foto: nph  RojahnUnzufrieden: Rastas Coach Thomas Päch musste in Oldenburg eine klare Unterlegenheit anerkennen. Foto: nph / Rojahn

Zehn Spiele bleiben Rasta jetzt noch, um sich irgendwie ans rettende Ufer zu robben. Die Lage verschlechterte sich am Wochenende. Zwar rückte Rasta durch Gießens Niederlage gegen Würzburg wieder auf den vorletzten Platz vor, aber der Kreis jener Teams, die für Rasta (8:40 Punkte) noch in Reichweite sind, wurde kleiner. Göttingen setzte sich mit einem 102:99-Sieg nach Verlängerung gegen Bonn etwas ab (16:30). Realistisch betrachtet, kann Rasta wohl nur noch den Mitteldeutschen BC (14:34) einholen. Chemnitz (14:28) hat zwar auch erst sieben Siege, aber noch drei Partien in der Hinterhand.


Rastas Termine bis Saisonende:

  • Heimspiele: BG Göttingen am 27. März, Hamburg Towers am 7. April, Niners Chemnitz am 10. April, Alba Berlin am 30. April, Mitteldeutscher BC am 5. Mai.
  • Auswärtsspiele: Medi Bayreuth am 3. April, Brose Bamberg am 14. April, Merlins Crailsheim am 24. April, Gießen 46ers am 2. Mai, s.Oliver Würzburg am 8. Mai.

Sechs der letzten zehn Rasta-Gegner liegen auf einem zweistelligen Platz – und eigentlich muss Vechta diese Partien alle gewinnen. Ob das dann für eine sechste Saison in der BBL reichen würde, ist auch nicht klar. „Wir haben jetzt nur noch wichtige Spiele“, sagte Robin Christen und hielt ebenso treffend fest: „Wir brauchen viel, viel bessere Leistungen als heute.“ In die Trainingswoche müsse man mit „viel Wut im Bauch“ gehen.

Dass Josh Young am Freitag sein Comeback feierte, war für Päch „unheimlich wichtig“. Viermal hatte der Kapitän mit einer Schulterverletzung ausgesetzt. „Er fühlte sich gut, aber man hat auch gesehen, dass er eine Weile raus war“, so Päch. Young tat sich schwer und wurde ab Mitte des 3. Viertels, als sich Rastas Rückstand bei 26 bis 29 Punkten eingependelt hatte, geschont. „Ich wollte nicht riskieren, dass er noch einen Schlag auf die Schulter bekommt“, sagte Päch.

Young noch nicht bei 100 Prozent, der verletzte Jean Salumu zum zehnten Mal in Folge nur Zuschauer, Edgar Sosa von Karsten Tadda abgemeldet, Stefan Peno mal wieder mit Licht und Schatten, Jannes Hundt offensiv kein Faktor, Tim Hasbargen nach der 17-Punkte-Gala gegen Ulm diesmal glücklos (einziger Treffer aus dem Feld zum 71:101) – es haperte auf den Guard-Positionen. Salumu fasste in Oldenburg seine Eindrücke von außen aber auch so zusammen: „Die Offense war nicht so schlecht wie die Defense.“

Der Belgier arbeitet am Comeback und hofft, in dieser Serie noch mal spielen zu können. Seine Sehnenverletzung in der Fußsohle sei „nicht ganz so schlimm wie bei Philipp“; gemeint ist Philipp Herkenhoff, der die letzten 15 Partien verpasst hat. Päch dämpfte im Vorfeld des Derbys die Erwartungen: „Jean macht langsam Fortschritte, aber leider nicht so schnell wie gewünscht.“ Theoretisch könnte Rasta bis Ende März noch eine vierte und letzte Nachverpflichtung tätigen. Päch schloss das für den Endspurt nicht aus. Er weiß: In Sachen Kreativität und Scoring fehlt es Rasta an Konstanz.


Rastas höchste Niederlagen in der BBL

  • 2016/17: Rasta Vechta - Bayern München 57:101
  • 2018/19: Alba Berlin - Rasta Vechta 104:67
  • 2020/21: EWE Baskets Oldenburg - Vechta 101:71
  • 2019/20: Rasta Vechta - Berlin (in München) 72:102
  • 2016/17: Brose Bamberg - Rasta Vechta 104:75
  • 2016/17: Rasta Vechta - Brose Bamberg 68:96
  • 2013/14: Alba Berlin - Rasta Vechta 91:66

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