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Rasta Vechta: Erst das Aufbäumen, dann der Einbruch

Ein bitteres Wochenende liegt hinter dem Basketball-Bundesligisten. 81:82 gegen Berlin, 82:100 in Gießen - hier gibt's die Reaktionen zum dritten Abstieg aus der BBL, zwei Videos inklusive.

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Wenn die Saison gelaufen ist: Rastas Jordan Barnett, Robin Christen, Stefan Peno, Philipp Herkenhoff und Jannes Hundt (von links) nach dem Debakel in Gießen. Foto: Jan Hübner

Wenn die Saison gelaufen ist: Rastas Jordan Barnett, Robin Christen, Stefan Peno, Philipp Herkenhoff und Jannes Hundt (von links) nach dem Debakel in Gießen. Foto: Jan Hübner

Ein bisschen Wehmut kam schon auf, als Peyton Siva, Luke Sikma und Marcus Eriksson zusammen mit Trainer-Ikone Aito Garcia Reneses am späten Freitagabend den Rasta-Dome durch die Seitentür verließen. Ein letzter Gruß an den Ordner. Tschüss, das war's. Alba Berlin, der amtierende Meister und Pokalsieger, gastierte zum vorerst letzten Mal in Vechta. Ein Wiedersehen an der Pariser Straße gibt's frühestens in der Saison 22/23. Denn: Rasta Vechta steht als sportlicher Absteiger aus der Basketball-Bundesliga fest. Der Halbfinalist von 2019 und spätere Champions-League-Debütant wird in der kommenden Saison in der 2. Liga ProA spielen. Paderborn statt Berlin, Schwenningen statt Bayern München, Quakenbrück statt Oldenburg – bittere Realität für Rasta.

Das 81:82 gegen Berlin besiegelte Vechtas dritten Abstieg aus der 1. Liga nach 2014 und 2017. Das Aufbäumen des abermals arg dezimierten Außenseiters war sehr beachtlich, das Unvermeidbare trat trotzdem ein. Klubchef Stefan Niemeyer sagte dazu: „Als ich zur Halle gefahren bin, hab' ich eine Klatsche mit 30 oder 40 Punkten befürchtet. Echt toll, wie die Mannschaft Charakter gezeigt hat.“

Mit Blick auf die Playoffs in der 2. Liga ProA, wo sich mit Bayer Leverkusen ein Team für das Finale qualifizierte, das im Gegensatz zu den beiden abgehängten Favoriten Jena und Rostock nicht aufsteigen kann, und den Start des BBL-Lizenzierungsverfahrens in dieser Woche deutete Niemeyer an, dass „spannende Tage auf uns zukommen“. Und weiter: „Vielleicht gibt es ja noch die Chance auf eine Wildcard – das muss man abwarten.“

Rastas Topscorer in Gießen: Edgar Sosa (rechts). Foto: Jan HübnerRastas Topscorer in Gießen: Edgar Sosa (rechts). Foto: Jan Hübner

Niemeyer stellte jedoch auch klar: „Erst einmal müssen wir uns damit abfinden, dass wir abgestiegen sind.“ Ziel sei es nun, „in der ProA stark zurückzukommen“, so Rastas Geschäftsführer: „Wir wollen möglichst schnell wieder BBL spielen.“ Nach dem ersten Abstieg hatte es zwei ProA-Jahre bis zur Rückkehr ins Oberhaus gedauert, beim zweiten Mal klappte es gleich im ersten Anlauf mit dem Wiederaufstieg.

Rastas Spieler versuchten indes, den vorzeitigen K.o. im Rennen um Platz 16 zu verarbeiten. Robin Christen, mit zwei neuen BBL-Bestleistungen (23 Punkte, 9 Rebounds) der überragende Akteur gegen Alba, erklärte: „Im Moment fühlt sich das echt mies an. Klar, man hat's kommen sehen. Aber man glaubt in so einer Situation ja immer an Wunder. Es tut gerade echt weh, dass der Abstieg besiegelt ist.“ Er sprach mit leiser Stimme, der Frust saß tief.

Auch Philipp Herkenhoff spürte eine „große Leere“, einen „großen Schmerz“ und sagte: „Es ist gerade sehr enttäuschend.“ Für den 21-Jährigen war's bereits der zweite Erstliga-Abstieg mit Rasta. 2016/17 hatte er als Youngster in der Endphase einer völlig verkorksten Saison seine ersten Schritte in der BBL gemacht, jetzt erlebte er den bitteren Moment als Leistungsträger. Er fasste den Abend und die Saison treffend zusammen: „Heute lief vieles gut zusammen. Wir haben gezeigt, dass wir es können. Leider haben wir das nicht oft genug geschafft.“

Coach Derrick Allen war natürlich „enttäuscht über das Ergebnis“, seine Rettungsmission hat kein Happy End. „Aber ich bin auch stolz auf die Art und Weise, wie wir heute gespielt haben“, sagte Allen. Es war ohne Frage eine der besten Saisonleistungen, vielleicht sogar die beste. „Man hat gesehen, dass Derrick einen guten Einfluss hatte“, erklärte Niemeyer. Kurz nach dem Abstieg punktete der 60-Jährige dann mit bemerkenswerter Offenheit. Er redete nicht drum herum. Klartext statt Floskeln. Niemeyer gab zu, dass der Trainerwechsel Ende März – Allen löste Thomas Päch ab – zu spät gekommen sei: „Das war sicher ein Fehler, den man mir vorwerfen kann.“



Und einmal im Bilanzmodus, räumte Niemeyer auch einen „strategischen Fehler“ im vergangenen Sommer ein. Man habe „zu vorsichtig in den Kader investiert“, sagte der Rasta-Macher und bezeichnete sich selbst als „einen der Hauptschuldigen“. Der Fehlstart mit 0:22 Punkten entpuppte sich als zu schwere Hypothek – erst recht in Verbindung mit der Durststrecke von Ende Januar bis Mitte März, als Rasta nochmal acht Spiele in Serie verlor.

Nach dem Alba-Spiel blieb nur noch die Hoffnung auf eine ordentliche Abschiedstour und den 17. Platz. „Das ist immer noch besser, als Letzter zu werden“, sagte Niemeyer. Aber: Nur zwei Tage nach dem Abstieg erledigte sich auch das finale Vorrücken – wie 2014 und 2017 geht Rasta als Schlusslicht runter. Dem Aufbäumen gegen Alba folgte der Einbruch im Kellerduell bei den Gießen 46ers, die ihre Chance auf die Rettung wahrten. Rasta verlor am Sonntagabend beim Vorletzten nach einer abermals erschreckend schwachen Defense-Leistung mit 82:100 (44:51). Zum 15. Mal kassierte Vechta 90 oder mehr Punkte. Die Partie in der Sporthalle Gießen-Ost war ein weiterer Beleg für die fehlende BBL-Tauglichkeit.



Allen fand danach deutliche Worte: „Trotz unserer Situation müssen wir auf dem Feld einfach mehr Charakter zeigen – egal, ob wir aus der Liga absteigen oder nicht. Wir müssen mit mehr Leidenschaft und Siegeswillen spielen.“ Rasta habe das „vielleicht in zehn bis zwölf Minuten gezeigt“. Edgar Sosa war Topscorer mit 18 Punkten; gefolgt von Jordan Barnett, der gegen seinen Ex-Klub auf 16 Punkte kam, mittlerweile aber seit acht Spielen auf einen Dreier wartet (0/12). Zwei Partien bleiben jetzt noch – am Mittwoch gegen den Mitteldeutschen BC und am Sonntag in Würzburg.


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