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Rasta und der leidige Murmeltier-Frust

Das Wiedersehen mit Ex-Coach Calles bescherte Vechtas Basketballern die elfte Niederlage im elften Saisonspiel. Hier der Nachbericht mit Stimmen und Video.

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Wieder kein Sieg: Rastas Team um Topscorer Dennis Clifford (links) am Samstag nach dem Spiel in Hamburg. Foto: nph / Anja Witke

Wieder kein Sieg: Rastas Team um Topscorer Dennis Clifford (links) am Samstag nach dem Spiel in Hamburg. Foto: nph / Anja Witke

Am Samstagabend um kurz vor halb zehn dürfte der eine oder andere Fan von Rasta Vechta ein wenig sentimental geworden sein. Oh ja, das waren noch schöne Zeiten. MagentaSport, seit 2014 TV-Partner der Basketball-Bundesliga, zeigte in der Halbzeitpause des BBL-Spiels zwischen den Hamburg Towers und Rasta sein Highlight-Video „Top 10 des Jahres 2020“. Drei Minuten vollgepackt mit tollen Szenen. Und auf Platz eins? Rastas Jordan Davis mit seinem Wahnsinnsdreier gegen Bayern München. Fast auf den Tag genau vor einem Jahr, am 5. Januar 2020, hatte der Amerikaner in der letzten Sekunde des dritten Viertels aus der Mitte der eigenen Hälfte zum 42:55 getroffen – ein irres Ding. Rasta verlor zwar damals, gehörte aber mit 16:12 Punkten zu den Top 8 der BBL.

Als der Einspieler beendet war, waren auch die Rasta-Fans an den Bildschirmen zurück in der tristen Gegenwart. Mit 27:49 lag Rasta in Hamburg zurück. Wie schon kurz vor Weihnachten in Ludwigsburg (30:52) sowie beim Mitteldeutschen BC (27:49) hatte sich die Mannschaft von Trainer Thomas Päch zur Pause ein 22-Punkte-Loch gebuddelt, aus dem man trotz aller Bemühungen nicht mehr raus kam. Am Ende gab's in Hamburg ein 74:92 – die elfte Niederlage im elften Saisonspiel, die Leidenszeit hält auch im neuen Jahr an.

Drei Tage nach der „sehr anständigen Leistung“ (Päch) im Derby gegen Oldenburg wirkte Rasta in den ersten 20 Minuten in HH-Wilhelmsburg planlos und überfordert mit dem durchaus bekannten Towers-Druck. Hamburg, in Sachen Steals die Nummer eins der Liga, hatte bereits zur Pause mit acht Ballgewinnen den bisherigen Saisonschnitt erreicht; am Ende waren es 14 Steals. „Wir haben es nicht aufs Parkett bekommen“, sagte Päch. Im Angriff vermisste er „Fokus und Disziplin“, in der Defense „Physis und Biss“. Mit anderen Worten: Rasta, das in Hamburg ohne Philipp Herkenhoff (verletzt) und zum dritten Mal in Folge ohne Jordan Barnett (7. Ausländer) spielte, ließ in der ersten Halbzeit fast alles vermissen, was nötig ist, um ein Spiel gewinnen zu können.

Glückwunsch zum Sieg: Thomas Päch (rechts) gratuliert Pedro Calles. Foto: nphAnja WitkeGlückwunsch zum Sieg: Thomas Päch (rechts) gratuliert Pedro Calles. Foto: nph/Anja Witke

„Wir müssen aggressiver sein“, sagte Rastas Kapitän Josh Young nach dem Fehlstart ins Jahr 2021. Worte, die er nicht zum ersten Mal wählte. Und er ergänzte: „In der ersten Halbzeit war unsere Verteidigung nicht gut.“ Auch das ein bekannter Satz. Apropos Wiederholungen: Rasta verlor in allen elf Partien das erste Viertel – und das im Schnitt mit acht Punkten Differenz, das 16:24 in Hamburg passte also ins Bild.

Kein Wunder also, dass sich Päch am Samstagabend vorkam wie der TV-Wetteransager Phil Connors in der US-Filmkomödie „Und täglich grüßt das Murmeltier.“ Jener Connors, gespielt von Bill Murray, durchlebt wieder und wieder denselben Tag. Genauer gesagt den 2. Februar, den Tag des Murmeltiers in der Kleinstadt Punxsutawney. Connors sitzt in einer Zeitschleife fest – und genauso geht’s Päch gerade. „Ich hab' den Schlüssel dafür noch nicht gefunden“, gab der Coach zu: „Wir haben in der zweiten Halbzeit unser Gesicht gezeigt. Aber warum erst in der zweiten Halbzeit? Wir können nicht nur eine Halbzeit Basketball spielen, das geht so nicht.“ Auch Young wiederholte seine Forderung nach „mehr Konstanz“. Mit der zweiten Halbzeit war der Kapitän zwar zufrieden („Wir haben den Ball besser bewegt und mehr gekämpft“), die 22-Punkte-Hypothek wurmte aber auch ihn gewaltig.

Young gehörte mit seinen 13 Punkten zu den vier Rasta-Spielern, die zweistellig punkteten. „Er hat gemacht, was er konnte“, so Päch über den US-Guard, der gerade nach Kräften versucht, das fragile Gebilde zusammenzuhalten. Auch Dennis Clifford habe „gerackert ohne Ende“, so Päch. Der US-Center, der mit 17 Punkten und zehn Rebounds bereits das vierte Double-Double in dieser Saison verbuchte, lieferte sich ein hartes Duell mit Hamburgs estnischem Big Man Maik Kotsar (19/10).

„Tim geht gerade mit bestem Beispiel voran. Er kämpft wie kein Zweiter und pusht seine Mitspieler. Er strahlt die Kampfbereitschaft aus, die wir jetzt brauchen.“Rastas Coach Thomas Päch über Tim Hasbargen.

Ein Lichtblick war zudem Tim Hasbargen, der elf Punkte machte, in der ersten Halbzeit Rastas einzigen Dreier traf (bei 13 Versuchen) und sich ansonsten vorbildlich gegen das drohende Unheil stemmte. „Tim geht gerade mit bestem Beispiel voran. Er kämpft wie kein Zweiter und pusht seine Mitspieler. Er strahlt die Kampfbereitschaft aus, die wir jetzt brauchen“, sagte Päch.

Neuzugang Ike Iroegbu punktete auch in seinem dritten Spiel zweistellig (13/10/10) und traf dabei im zehnten Versuch seinen ersten Dreier. Auf das Konto des nigerianischen Nationalspielers gingen jedoch auch fünf der 19 Rasta-Ballverluste. Jean Salumu, gegen Oldenburg noch Topscorer mit 22 Punkten, blieb blass, kam in der Defense oft zu spät und schmorte ab dem 34:59 auf der Bank. „Er hatte defensiv nicht die nötige Bereitschaft“, sagte Päch über den Belgier.

Frust bei Rasta, Aufatmen bei den Towers. Coach Pedro Calles freute sich nach zuvor zwei herben Niederlagen gegen Chemnitz und in Ludwigsburg über den Sieg gegen seinen Ex-Klub und die Leistung seiner Spieler in einem „wichtigen Spiel“. Mit der zweiten Halbzeit war der Spanier allerdings „nicht zufrieden“. Am Ende zählte aber, „dass wir das erste Spiel des neuen Jahres gewonnen haben“.

Max DiLeo, im Sommer mit Calles und Co-Trainer Miguel Zapata von Rasta an die Elbe gewechselt, sagte: „In der ersten Halbzeit haben wir unseren Plan umgesetzt. Mit einer guten Defense sind wir zu einfachen Punkten gekommen. In der zweiten Halbzeit haben wir einen Schritt zurückgemacht und Vechta wieder ins Spiel kommen lassen.“ Mit Blick auf seine Ex-Kollegen Young, Herkenhoff und Robin Christen sagte DiLeo: „Ich hoffe, dass sie bald Siege holen.“

Tabellarisch ist das für Rasta auch bitter nötig. Mit nunmehr 0:22 Punkten sind Konkurrenten wie Gießen (4:18), Chemnitz, Göttingen oder Bonn (alle 6:14) schon ein gutes Stück entfernt. Bis zum Ende der Hinserie sind's noch sechs Spiele, unter anderem geht's gegen Gießen, Göttingen, Frankfurt und Chemnitz. „Wir müssen liefern“, sagte Päch und begab sich mit seinem Trainerstab auf die Suche nach einem „Ansatz für die nächsten Wochen“. Bereits am Freitag gastiert Ex-Abo-Meister Bamberg im Rasta-Dome.


Alle Spiele der BBL gibt es live bei MagentaSport.

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