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Rasta steuert auf sein erstes „Geisterspiel“ zu

Basketball-Bundesliga tagt heute, um die Corona-Lage zu erörtern. Vechtas Fanclub verzichtet auf Erstattung.

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Gähnende Leere im Telekom-Dome: Die Baskets Bonn mussten am Dienstagabend im Champions-League-Playoffspiel gegen AEK Athen auf ihre Fans verzichten. Bonn verlor mit 86:90 – das 0:2 im Best-of-3-Modus, das Aus im Achtelfinale. Foto: BCL

Gähnende Leere im Telekom-Dome: Die Baskets Bonn mussten am Dienstagabend im Champions-League-Playoffspiel gegen AEK Athen auf ihre Fans verzichten. Bonn verlor mit 86:90 – das 0:2 im Best-of-3-Modus, das Aus im Achtelfinale. Foto: BCL

Das Quietschen der Schuhe auf dem Parkett war gut zu hören, gleiches galt für das Dribbeln des Balles, die Pfiffe der Schiedsrichter oder die Kommandos der Trainer und Spieler – auf dem Bonner Hardtberg, genauer gesagt im Telekom-Dome, herrschte am Dienstagabend eine sonderbare, ja fast gespenstische Atmosphäre. Keine Fans, keine Stimmung, gähnende Leere auf den Rängen. Das Achtelfinale der Telekom Baskets Bonn in der Champions League gegen AEK Athen war im Zuge der Corona-Krise das erste deutsche „Geisterspiel“ im Basketball.

Rund fünf Stunden vor dem Sprungball für das zweite Playoff-Spiel der Best-of-3-Runde hatte das NRW-Gesundheitsministerium Veranstaltungen mit mehr als 1000 Zuschauern untersagt. 2500 Fans hatten Karten für die Partie – sie mussten draußen bleiben. Gestern Abend folgte das zweite Geisterspiel. Bayreuths Viertelfinal-Rückspiel im Fiba-Europe-Cup gegen den rumänischen Pokalsieger UBT Cluj Napoca fand auf Anordnung der Behörden ohne Zuschauer statt.

Das Geisterspiel-Szenario in Bonn und Bayreuth könnte auch bald Rasta Vechta treffen. Der heimische Bundesligist, der am Samstag in Frankfurt gastiert, erwartet am Dienstag (19.00 Uhr) den Pokalsieger Alba Berlin im ausverkauften Rasta-Dome – so war es zumindest geplant. Aber seit Mittwoch ist Fakt: Das Land Niedersachsen hat's Bayern und NRW nachgemacht und wegen des Coronavirus erlassen, alle Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern abzusagen. Rasta - Alba als Geisterspiel?Was passiert mit bereits gekauften Tickets? Wird das Spiel verlegt? Wird die Saison unterbrochen? Fragen über Fragen. „Die Verunsicherung ist groß“, sagt Rastas Klubchef Stefan Niemeyer und spielt damit nicht nur auf die Ungewissheit an der Pariser Straße, sondern auf die komplexe Gemengelage in der BBL an.

Niemeyer erhofft sich Klarheit von der außerordentlichen BBL-Tagung am Donnerstag am Flughafen Stuttgart. Die Liga und die 17 Klubs beraten ab 12.30 Uhr über die aktuelle Lage, die Szenarien und Optionen für den weiteren Verlauf der Saison und daraus resultierende Konsequenzen. Es werden schwierige Diskussionen erwartet, die Situation ist kompliziert, der wirtschaftliche Druck extrem hoch, und die Interessen sind womöglich sehr unterschiedlich.

Ein Knackpunkt beim Thema Geisterspiele dürfte die Rückerstattung bezahlter Tickets sein. „Es geht für viele ums Überleben“, bringt es Niemeyer auf den Punkt. Rasta kalkuliert mit Einnahmen von rund 50000 Euro pro Heimspiel. Bis zum Ende der Hauptrunde stehen noch fünf Heimspiele an. „Wir reden im schlimmsten Fall von einer Viertelmillion Euro“, sagt Niemeyer, der wegen der brisanten Tagung in Stuttgart auf eine Teilnahme an Rastas Sponsorenabend am Donnerstag verzichten muss.

Bonns Präsident Wolfgang Wiedlich sagte im General-Anzeiger: „Ich behaupte einmal, dass kein Nicht-Fußballclub es wirtschaftlich durchsteht, die restliche Bundesliga-Saison ohne Ticketerlöse zu bestreiten.“ Geisterspiele seien „wirtschaftlich im Basketball nicht machbar“. Gunnar Wöbke, Geschäftsführer von Rasta Vechtas nächstem Gegner Skyliners Frankfurt, pflichtet ihm bei. „Geisterspiele sind bei uns völlig undenkbar“, sagte er im Sky-Interview: „Im Fußball sieht das anders aus, da sich die Vereine dort zum größten Teil aus Fernseheinnahmen finanzieren. Bei uns machen TV-Gelder nur einen kleinen Teil aus. Wir finanzieren uns zu 98 Prozent aus Sponsoring und Tickets. Leere Ränge wären für uns katastrophal. Das könnte unser Sport nicht auf Dauer überstehen.“ Beim Mitteldeutschen BC sieht man es ähnlich. „Der Verlust der Einnahmen wäre dramatisch. Wir müssten dann über die Konsequenzen sprechen“, sagt Manager Martin Geissler. Übrigens: Der MBC spielt am Freitag gegen Gießen, vom Gesundheitsamt gab's grünes Licht für ein Spiel mit Zuschauern.

Wöbke plädiert für eine Aussetzung des Liga-Betriebes für vier Wochen. Diesen Vorschlag habe er allen Klubs und der Liga schriftlich unterbreitet. „Das wäre das Vernünftigste und Fairste für alle. Und dann müssen wir einfach abwarten, wie sich die Dinge entwickeln“, sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Hermann Schüller, Geschäftsführer der EWE Baskets Oldenburg, kann sich mit einer solchen Lösung und einer daraus resultierenden Verschiebung des Saisonendes anfreunden. Seine Idee für die Playoffs: Best-of-3-Modus statt Best of 5.

Rasta Vechtas Fanclub Klettverschluss sprach am Abend von einer „Existenzbedrohung für jeden kleinen Verein“ und erklärte: „Ohne zu wissen, was nun passieren wird und ob es in Fällen von Spielabsagen oder Geisterspielen einen Anspruch auf Rückerstattung der Ticketpreise geben wird, möchten wir schon jetzt geschlossen signalisieren, dass wir, unabhängig von eventuellen Regelungen, auf Rückforderungen für bereits bezahlte Tickets verzichten werden.“ Man stehe in guten und schlechten Zeiten hinter Rasta Vechta.

Überblick: Spieltermine von Rasta Vechta bis zum Ende der Hauptrunde

A Frankfurt Sa. 14.03. 18.00 H

A. Berlin Di. 17.03. 19.00

A München So. 22.03. 15.00

H Hamburg Sa. 28.03. 20.30

A Würzburg So. 05.04. 15.00

A Braunsch. Sa. 11.04. 18.00

H Ulm Di. 14.04. 20.30

H Göttingen Sa. 18.04. 18.00

A Bayreuth Mi. 22.04. 19.00

A Bonn Di. 28.04. 19.00

H Crailsheim Sa. 02.05. 20.30

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