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Rasta startet mit Doppelschichten in den Saisonendspurt

Der Basketball-Bundesligist versucht irgendwie, sein Defense-Dilemma in den Griff zu bekommen. Alle sind sich einig: Viel Zeit bleibt nicht mehr.

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Einen Tick zu spät: Rastas Philipp Herkenhoff gegen Bambergs Dominic Lockhart. Foto: Löb

Einen Tick zu spät: Rastas Philipp Herkenhoff gegen Bambergs Dominic Lockhart. Foto: Löb

Die Botschaft des Chefs war klar und deutlich. „Wir haben viel zu tun, wir müssen viele Sachen verbessern. Also werden wir auch viel arbeiten“, sagte Derrick Allen, Coach von Rasta Vechta. Am Samstag läutete das Schlusslicht der Basketball-Bundesliga den Saisonendspurt ein. Nach zwei freien Tagen im Anschluss an das 76:104 in Bamberg, nach einem kurzen Durchschnaufen vor den letzten fünf Spielen der Hauptrunde, kehrte Rastas Crew aufs Parkett zurück – und Allen kündigte eine „höhere Intensität“ an. Heißt: Bis zum nächsten Spiel am Samstag (24. April, 20.30 Uhr) bei den Merlins Crailsheim bittet Allen sein Team nicht nur einmal täglich zum Training, sondern „an einigen Tagen auch zweimal“, so der Coach. Bereits am Samstag gab's eine Doppelschicht, am Sonntag auch, und die dritte ist erst mal für Mittwoch geplant.

„Das ist jetzt die letzte Phase der Saison, in der man noch etwas intensiver arbeiten kann. Die letzten vier Spiele finden dann alle drei Tage statt, da gibt's nicht mehr viel Zeit dazwischen“, sagt Allen mit Blick auf die Partien gegen Alba Berlin (30.4.), bei den Gießen 46ers (2.5.), gegen den Mitteldeutschen BC (5.5.) und bei s.Oliver Würzburg (9.5.). Rasta, im Abstiegskampf seit Wochen mit dem Rücken zur Wand, ist zum Siegen verdammt. Will der Klub 21/22 seine sechste BBL-Saison absolvieren, müssen sechs Punkte Rückstand wettgemacht und noch zwei Teams überholt werden. Die kühnsten Optimisten halten das noch für möglich, die Pessimisten sind gedanklich längst in der 2. Liga ProA.

Und wie tickt der Klubchef? „Natürlich wird es bei eigenen Niederlagen von Woche zu Woche schwieriger“, erklärt Stefan Niemeyer und ergänzt: „Wer die Tabelle und das Restprogramm aller unten drinstehenden Teams lesen kann, weiß, dass die Messe noch nicht gelesen ist.“ Es ist aber auch gut möglich, dass Rasta bereits vor den finalen drei Kellerduellen, die lange so etwas wie der letzte Strohhalm waren, auch rechnerisch zum dritten Mal abgestiegen ist. 2013/14 gab es den K.o. im drittletzten Spiel, 2016/17 bereits am viertletzten Spieltag. Und nun? Allen geht die Sache realistisch an. Rechenspielchen sind nicht sein Ding. „Ich wusste von Anfang an, dass es schwer wird“, gibt sich der 40- Jährige keinen Illusionen hin. Der Päch-Nachfolger will „nicht darauf gucken, wie viele Chancen wir noch haben“, so Allen: „Jetzt geht's nur darum, dass wir in Crailsheim besser spielen.“

Rasta kassiert im Schnitt 88,2 Punkte pro Partie

Besser spielen heißt vor allem besser verteidigen. Das Dauerthema in dieser Saison hat Allen und Co. nach dem Lichtblick gegen Chemnitz (82:69) ruck, zuck wieder eingeholt. Die Defense in Bamberg sei in Halbzeit zwei „schlecht“ gewesen, gab Allen mit etwas Abstand zum „Rückschritt“ zu. Zum achten Mal kassierte Rasta in einer Halbzeit 50 oder mehr Punkte, das 22:31 im Schlussabschnitt war bereits das neunte Viertel der Saison mit über 30 Gegenpunkten. Und in Summe war's das 13. Spiel mit 90 oder mehr Punkten für den Gegner. Noch ein Wert zum Defense-Dilemma: Rasta kassiert im Schnitt 88,2 Punkte pro Partie, so schlecht waren die Absteiger-Teams von Pat Elzie (83,6) bzw. Andreas Wagner/Doug Spradley (84,5) nicht. „Es reicht nicht aus, wenn nur drei Spieler verteidigen wollen. Du brauchst fünf für eine Teamdefense“, sagte Allen. Wen genau er auf dem Kieker hat, verriet der Trainer nicht.

In Bamberg kassierte Rasta 17 Dreier – das gab's in Vechtas BBL-Historie zuvor nur einmal, im Mai 2019 beim 98:102 in Ludwigsburg. In der gesamten Serie sind's schon 297 Dreier für Rastas Gegner, also gut zehn pro Spiel. Dass Bayreuth (308), Gießen, Chemnitz (je 304), Braunschweig (302) und auch Göttingen (299) die 6,75-m-Linie noch schlechter verteidigen, ist kein Trost. „Wir müssen einfach besser rotieren und helfen“, sagte Jannes Hundt in Bamberg.

Abseits der Vorbereitung auf das Spiel in Crailsheim hat Rasta die Lizenzunterlagen für die 1. Liga und die ProA fristgerecht eingereicht. Die BBL verlangt wie im Vorjahr einen 2,5-Millionen-Euro-Etat und ein positives Eigenkapital (nicht mehr 250  000 Euro). Der Gutachter-Ausschuss tagt in den nächsten zwei Wochen, Anfang Mai entscheidet der Lizenzliga-Ausschuss. In der 2. Liga, für die vorsorglich acht BBL-Klubs eine Lizenz beantragt haben, muss die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit bis zum 1. Juni nachgewiesen werden.

Rasta plant in der ProA dem Vernehmen nach mit einem Etat, der knapp über dem Budget aus der letzten Zweitliga-Serie 17/18 (2,3 Millionen Euro) liegen soll. „Wir sind wie in den Vorjahren sehr gut vorbereitet und haben keinerlei Zweifel daran, dass wir die Lizenz – egal für welche Liga – ohne Probleme erhalten werden“, sagte Niemeyer. Man habe in den letzten Wochen „sehr positive Signale“ von Sponsoren erhalten und „vielversprechende Gespräche“ mit Partnern geführt. Die Vorfreude auf die neue Saison sei groß – verbunden mit der Hoffnung darauf, „dass wir ab Herbst wieder vor Zuschauern spielen“, so der Klubchef.


Rastas BBL-Niederlagen mit 100 oder mehr Gegenpunkten

  • 13/14 - Artland Dragons - 101:102
  • 16/17 - Brose Bamberg - 75:104
  • 16/17 - Bay. München - 57:101
  • 18/19 - Baskets Bonn - 112:117
  • 18/19 - Brose Bamberg - 95:101
  • 18/19 - Alba Berlin - 67:104
  • 18/19 - Ludwigsburg - 98:102
  • 18/19 - Brose Bamberg - 98:102
  • 19/20 - Alba Berlin - 78:101
  • 19/20 - Crailsheim - 88:101
  • 19/20 - Alba Berlin - 72:102
  • 19/20 - Brose Bamberg - 82:100
  • 20/21 - Oldenburg - 71:101
  • 20/21 - BG Göttingen - 79:103
  • 20/21 - Brose Bamberg - 76:104

Schlechteste Halbzeiten von Rasta in der Saison 20/21

  • H - Göttingen - 1. Hz. - -33 - 36:69
  • A -  Oldenburg - 1. Hz. - -27 - 36:63
  • A - Bamberg - 2. Hz. - -24 - 33:57
  • A - Bayreuth - 1. Hz. - -23 - 35:58
  • A - Ludwigsburg - 1. Hz. - -22 - 30:52
  • A -  Mitteldeutscher BC - 1. Hz. - -22 - 27:49
  • A - Hamburg - 1. Hz. - -22 - 27:49
  • H - Crailsheim - 2. Hz. - -21 - 29:50
  • A - Braunschweig - 2. Hz. - -20 - 32:52

Schlechteste Viertel von Rasta in der Saison 20/21

  • H - Crailsheim - 3. Vi. - -20 - 7:27
  • H - Göttingen - 2. Vi. - -20 - 15:35
  • A - Bayreuth - 2. Vi. - -18 - 11:29
  • A - Mitteldeutscher BC - 1. Vi. - -17 - 9:26
  • A - Braunschweig - 3. Vi. - -15 - 14:29
  • A - Bamberg - 3. Vi. - -15 - 11:26

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