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Rasta reagiert auf Krise: Allen löst Päch ab

„Wir brauchen einen anderen Impuls“, begründete Vechtas Klubchef Stefan Niemeyer den Schritt. Der Basketball-Bundesligist hofft noch auf den Klassenerhalt.

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Er soll's jetzt richten: Derrick Allen wurde zum Cheftrainer befördert. Foto: Schikora

Er soll's jetzt richten: Derrick Allen wurde zum Cheftrainer befördert. Foto: Schikora

Das Fass war schon lange voll, jetzt ist es übergelaufen: Rasta Vechta hat auf die anhaltende sportliche Misere reagiert. Der Tabellenvorletzte der Basketball-Bundesliga trennte sich am Montag von seinem Coach Thomas Päch. „Es mag abgedroschen klingen, entspricht aber der Situation: Wir brauchen einen anderen Impuls“, erklärte Rastas Klubchef Stefan Niemeyer. Die Entwicklung in den letzten Wochen sei „nicht zufriedenstellend“ gewesen, sagte Niemeyer, „auch unabhängig von der Situation um unsere verletzten Leistungsträger“.

Die finalen Auslöser für die Trennung von Päch waren die desaströsen ersten Halbzeiten beim Derby in Oldenburg (36:63/am Ende 71:101) sowie am Samstag beim Big-Point-Spiel gegen die BG Göttingen (36:69/am Ende 79:103). Für Päch übernimmt der bisherige Co-Trainer Derrick Allen. Der 40 Jahre alte Amerikaner, der für Rasta zwischen 2015 und 2017 spielte und seit 2019 Co-Trainer war, erhält an der Pariser Straße einen Vertrag bis zum Ende der nächsten Saison. Heißt: Im Falle eines Abstiegs in die 2. Bundesliga ProA würde Allen auch den Re-Start lenken.

Rasta liegt mit 21 Niederlagen in 25 Spielen auf dem vorletzten Platz, punktgleich mit Schlusslicht Gießen. Der Rückstand auf den rettenden 16. Platz, den aktuell der Mitteldeutsche BC innehat, beträgt sechs Punkte. „Wir haben nach wie vor eine Chance auf den Klassenerhalt“, betonte Niemeyer und ergänzte: „Und diese Möglichkeit wollen wir, so sie sich denn in Anbetracht der Ergebnisse der anderen Klubs ergibt, auch nutzen.“ Er wünsche Allen „einen guten Start in die neue Aufgabe“.

Aus nach 25 Spielen: Trainer Thomas Päch (links), daneben Derrick Allen. Foto: S. HübnerAus nach 25 Spielen: Trainer Thomas Päch (links), daneben Derrick Allen. Foto: S. Hübner

Das erste Spiel unter der Regie des langjährigen BBL-Profis findet am Samstag (3. April, 18.00 Uhr) in Bayreuth statt. Niemeyer hofft, „dass die Mannschaft ihm so folgt, wie einst seine Mitspieler ihm gefolgt sind“. In seiner Zeit als Power Forward bei Rasta war Derrick Allen der unumstrittene Kapitän, der Anführer und Publikumsliebling. Nun ist er der neue Chef an der Seitenlinie. „Erst einmal muss ich Thomas Päch dafür danken, dass er mich im Sommer in seinen Staff aufgenommen hat“, sagte Allen: „Und der Klubführung danke ich dafür, dass ich jetzt das Vertrauen bekomme.“

Baustellen für den neuen Trainer gibt's genug. Das Selbstvertrauen ist im Keller, die Dreier-Quote von 33,6 Prozent ist die schlechteste der Liga, auch bei den Steals ist Rasta Schlusslicht. Nicht zu vergessen die großen Probleme in der Defense; schon elfmal kassierte Vechta 90 oder mehr Punkte, der Schnitt liegt bei 88,1. „Wir gehen das gemeinsam Schritt für Schritt an und werden sehen, wie es läuft“, erklärte Allen am Nachmittag vor dem ersten Training unter seinem Kommando. Der 40-Jährige aus Gadsden/Alabama ist bereits Rastas siebter Cheftrainer seit dem ersten Aufstieg in die BBL im Jahr 2013. Und es ist Rastas dritter Trainerwechsel in einer Saison nach Januar 2015 (Elzie für Arigbabu) und Februar 2017 (Spradley für Wagner).

Thomas Päch wurde am Montagvormittag von seinem Amt freigestellt. Am Mittag folgte dann die Zusage von Allen. Die Mannschaft wurde am Nachmittag über den sofortigen Trainerwechsel informiert, bei dieser Gelegenheit verabschiedete sich Päch auch von seinem bisherigen Team. Der Klub sucht nun noch nach einem neuen, erfahrenen Co-Trainer, der Allen künftig zur Seite stehen soll.

Päch hatte im vergangenen Juni die Nachfolge von Pedro Calles angetreten, der sich nach dem Finalturnier 2020 in München und zwei erfolgreichen Jahren bei Rasta für einen Wechsel zu den Hamburg Towers entschieden hatte. Für den 38 Jahre alten Päch, der von Rasta einen Zweijahresvertrag erhalten hatte, ist es die zweite Entlassung als BBL-Chefcoach. Der langjährige Co-Trainer von TBB Trier und Alba Berlin hatte im Februar 2020 seinen Posten bei den Telekom Baskets Bonn nach 14 Niederlagen in 17 Spielen räumen müssen. In Vechta feierte er insgesamt nur fünf Siege; im Pokal gegen Gießen sowie in der Liga gegen Bamberg (H), Gießen (H), Göttingen (A) und Ulm (H). „Dass sich der sportliche Erfolg nicht eingestellt hat, tut mir sehr leid für Thomas. Er ist ein einwandfreier Charakter, der alles investiert hat, um die Mannschaft in die Erfolgsspur zu kriegen“, sagte Niemeyer.

„Man investiert und investiert und investiert – und dann ist es von jetzt auf gleich vorbei.“Basketball-Trainer Thomas Päch nach seinem Aus in Vechta

Päch selbst kam in der offiziellen Mitteilung des Klubs nicht zu Wort. Im Gespräch mit OMonline sagte er: „Man investiert und investiert und investiert – und dann ist es von jetzt auf gleich vorbei.“ Er habe bis zum Schluss den Glauben an eine Wende zum Guten gehabt. Mit den Verantwortlichen des Klubs habe es einen „engen, offenen und ehrlichen Austausch“ gegeben. Ganz überraschend sei die Freistellung nach den jüngsten Tiefschlägen nicht gewesen. „Natürlich weiß ich, dass die ersten Halbzeiten in den letzten zwei Spielen nicht gut waren“, so Päch, dessen Amtszeit bei Rasta auch von großem Verletzungspech geprägt war. Auf dem Höhepunkt der Personalkrise fehlten vier Leistungsträger gleichzeitig. Er werde noch ein paar Tage in Vechta bleiben, um seine Sachen zu packen. Noch vor Ostern wolle er wieder bei seiner Familie in Berlin sein.

Lesen Sie dazu einen Kommentar von Carsten Boning.

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