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Rasta meistert den finalen Charakter-Test

Das 95:62 in Würzburg war für den Basketball-Bundesligisten nicht nur ein versöhnlicher Abschluss, sondern auch der zweithöchste Sieg in der 1. Liga. Hier der Nachbericht mit Reaktionen und Video.

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18 Punkte beim Sieg in Würzburg: Rastas Edgar Sosa. Foto: HMB Media / Becker

18 Punkte beim Sieg in Würzburg: Rastas Edgar Sosa. Foto: HMB Media / Becker

Duschen, Sachen packen, rein in den Teambus, einmal durchzählen, ab nach Hause, meistens bis tief in die Nacht. So läuft's bei Rasta Vechta bei Auswärtsspielen in der Basketball-Bundesliga. Gegessen wird im Bus, Lieferdienste vor Ort versorgen Kapitän Josh Young und Kollegen. In München gab es Hähnchen mit Reis, in Braunschweig diverse Bowl-Gerichte, in Bonn gefüllte „Pies“, eine Spezialität in Australien, ein heißer Tipp von Jesse Hunt, dem „Aussie“ im Team. Ansonsten immer Pasta und Salat. Und was ist mit Pizza? Nein, Veto der Trainer. Schwer verdaulich, nicht ideal für lange Fahrten im Bus. Am Sonntag aber, nach dem letzten Saisonspiel bei s.Oliver Würzburg, drückte Rastas Coach Derrick Allen ein Auge zu. Endlich gab's Pizza! Neunmal Salami, zweimal Hawaii, einmal Thunfisch, viermal Margherita – und dazu eine Kiste Bier. Diesen Abschluss hatten sich Young und Co. redlich verdient, denn der letzte Akt einer ansonsten verkorksten Saison war sehr ordentlich.

Rasta setzte sich im Kellerduell beim Drittletzten Würzburg mit 95:62 (56:33) durch und erfüllte damit den Auftrag von Allen, der vor den letzten Spielen gegen den Mitteldeutschen BC und in Würzburg an „Stolz und Ehre“ appelliert und „zwei Siege für unsere Fans“ gefordert hatte. Dem 84:80 am Mittwoch gegen den MBC folgte ein souveräner Auftritt in der Heimatstadt von Dirk Nowitzki.

Der siebte Saisonsieg, der dritte Erfolg unter Allen, war der höchste in dieser Serie – und mit „+33“ zugleich der zweithöchste in Rastas BBL-Historie. Nur das 104:66 gegen Science City Jena im April 2019 war noch höher. Allen war damals Spieler in Jena – und hielt gut zwei Jahre später nach dem Kantersieg in Unterfranken fest: „Ich bin sehr glücklich für meine Spieler. Sie haben bis zum Schluss Charakter gezeigt und sind ans Limit gegangen.“


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Am Tabellenbild änderte der Erfolg freilich nichts mehr. Rasta bleibt Letzter, hat mit 14:54 Punkten aber eine etwas bessere Bilanz als das erste Absteigerteam von Pat Elzie (12:56). Solche Vergleiche interessierten Allen zuletzt herzlich wenig. Ihm ging es in den Tagen nach der 82:100-Pleite beim Mitabsteiger Gießen 46ers einzig und allein um Dinge wie Einstellung, Körpersprache und Kampfgeist bis zum Schluss. „Spiele in so einer Situation sind immer schwierig. Bei uns steht der Abstieg in die ProA seit einiger Zeit fest, und wir haben viele Verletzte. Unsere Spieler waren in den letzten Spielen trotzdem motiviert, die Saison auf die richtige Art und Weise zu beenden“, so Allen.

Erneut hatte Rasta vier verletzte Spieler nicht dabei. Während Jean Salumu seine lädierte Sehne daheim behandeln ließ, fieberten Dennis Clifford, Jesse Hunt und Tim Hasbargen auf der Ersatzbank mit – und sie hatten Spaß, denn Rasta dominierte quasi nach Belieben, traf 16 Dreier (Saisonrekord) und gewann erst zum sechsten Mal in seiner Erstliga-Zugehörigkeit alle vier Viertel. „Es ist schön, eine Saison mit zwei Siegen zu beenden“, erklärte Philipp Herkenhoff, der mit 19 Punkten Topscorer seines Teams war.

Er gab aber nach dem Duell zwischen dem Schlusslicht der Heimtabelle (Würzburg/2:30) und dem schlechtesten Auswärtsteam der Liga (Rasta/2:30) auch zu, dass das „Energielevel der Gegner nicht besonders hoch“ gewesen sei. Herkenhoff traf sechs Dreier – eine neue persönliche BBL-Bestleistung, die der 21-Jährige aber nicht überbewerten wollte: „Es waren nicht unbedingt richtige Spielbedingungen. Wenn es sich anfühlt wie ein Trainingsspiel, dann läuft's auch besser.“

Felix Hoffmann, Kapitän der Würzburger, formulierte es treffend: „Es ist schwer, eine Saison sauber zu beenden, wenn nicht jeder mitzieht.“ Es war Würzburgs vierte Heimpleite binnen acht Tagen – und das wurmte gewaltig. „Es war eine Seuchensaison“, haderte Hoffmann. Wie Vechta hatten auch die Würzburger fast durchgehend mit viel Verletzungspech zu kämpfen. Sie stehen als Tabellen-16. aber knapp über dem Strich, während Rasta nur noch die Hoffnung auf die Wildcard bleibt.

Neben Herkenhoff punkteten auch Edgar Sosa (18), Sha'Markus Kennedy, Josh Young (je 14) und Jordan Barnett (10) zweistellig. Letzterer beendete auf den letzten Metern auch seine Dreier-Misere. Sein letzter Treffer von jenseits der 6,75-m-Linie datierte vom 7. März, danach gab es in neun Spielen nur Fahrkarten (0/13). Am Sonntag traf er per Dreier zum 42:27 und riss die Arme hoch. Na also, geht doch – darauf eine Pizza mit Bier.

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