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Rasta-Auftakt macht Lust auf mehr

Vechtas Coach Thomas Päch ist mit dem Auftritt beim 99:85 gegen Gießen "größtenteils zufrieden". Hier der Nachbericht mit Stimmen zum Spiel.

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Die Bank jubelt: Von links Derrick Allen, Stefan Peno, Marius Graf, Philipp Herkenhoff, Dennis Clifford, Josh Young und Jordan Barnett. Fotos: Schikora

Die Bank jubelt: Von links Derrick Allen, Stefan Peno, Marius Graf, Philipp Herkenhoff, Dennis Clifford, Josh Young und Jordan Barnett. Fotos: Schikora

Nach der Schlusssirene war alles anders. Keine Ehrenrunde, kein Abklatschen mit den großen und kleinen Fans, keine Autogramme, keine Selfies, kein Smalltalk an der Bande. Für die Basketballer von Rasta Vechta ging es nach dem ersten Pflichtspiel der Saison 2020/21 direkt in die Kabine. Und auch nach dem „Cool Down“ mit Athletikcoach Andreas Finsinger blieben Josh Young und Co. unter sich – es war ja auch sonst kaum noch jemand da im Rasta-Dome. Die Laune war trotzdem blendend. „Mit einem Sieg zu starten, fühlt sich echt gut an“, sagte Jordan Barnett, einer von acht Neuzugängen im Rasta-Team. Und auch Jean Salumu, der am Samstagabend ebenfalls seine Pflichtspielpremiere im orange-farbenen Trikot feierte, war „sehr froh über den Sieg“. Und Rastas Trainer? „Das hat Lust auf mehr gemacht“, sagte Thomas Päch.

Sein Team hatte soeben beim BBL-Pokal-Qualifikationsturnier in Vechta einen Start nach Maß erwischt und das Auftaktmatch in der Gruppe B gegen die Gießen 46ers mit 99:85 (56:41) gewonnen. Es war ein souveräner Start-Ziel-Sieg der Päch-Crew, die durchgehend führte. „Ich denke, wir haben heute einen guten Job gemacht“, sagte Barnett, der im Sommer aus Gießen gekommen war und gegen seinen Ex-Klub gleich ein Double-Double mit 17 Punkten und zehn Rebounds verbuchte. Zweistellige Werte in zwei Kategorien – das war ihm zuvor in Gießen in 18 Spielen nicht gelungen. „Es hat Spaß gemacht, gegen die alten Kumpels zu spielen. Ein paar davon kenne ich ja noch aus der letzten Saison“, ergänzte der 24-Jährige.

Mit seinen 17 Punkten war „JB“ jedoch nicht der Topscorer bei Rasta. Diesen Titel teilten sich Jean Salumu und Philipp Herkenhoff, die jeweils 20 Punkte machten. Der effektive Will Vorhees komplettierte mit 18 Punkten die „Big Four“ bei den Gastgebern, die Mitte des zweiten Viertels beim 45:24 ihren größten Vorsprung hatten. „Die ersten Systeme haben geklappt. Wir haben sofort einen guten Flow bekommen“, meinte Herkenhoff, der die ersten zehn Rasta-Punkte zum 10:2 im Alleingang machte. Zur Freude von Päch: „In der Pre-Season hat Philipp viele freie Würfe nicht getroffen, heute trifft er sie von Beginn an. Das gibt Selbstvertrauen. Es freut mich, dass er nach seiner Verletzung so zurückgekommen ist und offensiv was zeigen konnte.“ Herkenhoff hatte zuletzt wegen einer Sehnenreizung in der Fußsohle pausieren müssen.

Nicht topfit, aber Topscorer: Der Belgier Jean Salumu (rechts).Nicht topfit, aber Topscorer: Der Belgier Jean Salumu (rechts).

Apropos Zwangspause: Jean Salumu, der gegen Gießen mit enormer Geschwindigkeit und starkem Zug zum Korb glänzte, hatte wegen des relativ späten Transfers und einer Rückenblessur alle fünf Testspiele verpasst. „Ein bisschen nervös war ich heute Vormittag schon. Da ist mir erst bewusst geworden, dass das letzte Spiel sehr lange her war“, sagte der 30-Jährige. Am 9. Februar hatte der belgische Nationalspieler letztmals für den italienischen Erstligisten Pistoia Basket gespielt – damals gegen Reggio Emilia übrigens an der Seite von Zabian Dowdell, der im März ein Kurz-Gastspiel in Vechta hatte. „Ich hab' am Anfang ein paar einfache Körbe bekommen, das hat mir ein gutes Gefühl gegeben“, so Salumu.

Der Guard, in seiner Heimat ein Titelsammler mit Ostende (fünfmal Meister, siebenmal Pokalsieger), räumte aber ein, konditionell noch nicht auf der Höhe zu sein: „Mir fehlen noch einige Trainingseinheiten.“ Eine Einschätzung, die Päch teilte. „Jean ist um zwei Wochen zurückgeworfen worden, da fehlt natürlich noch etwas“, sagte der Trainer, schickte aber gleich hinterher: „Er hat Akzente gesetzt. Es ist sehr gut, dass er jetzt dabei ist. In der Vorbereitung haben wir jemanden wie ihn mit seiner Geschwindigkeit vermisst.“

Vermisst wurden derweil die Fans. Rastas Plan, 500 Besucher in die Halle zu lassen, war am Donnerstag aufgrund der hohen Corona-Zahlen vom Landkreis Vechta mit einem generellen Zuschauerverbot für den gesamten Sport gestoppt worden. Und so gab's die große Leere an der Pariser Straße. Rasta, das erstmals seit sieben Monaten und 18 Tagen wieder daheim spielte (damals 73:72 gegen Gießen), ging mit der Geisterspiel-Atmosphäre gut um. „Die Intensität in der Defense war sofort da“, fand Salumu. Auch Päch bezeichnete die ersten 15 Minuten als „sehr gut“.

Bei aller Freude über das Ergebnis („Siege tun immer gut“), die Leistung („Ich bin größtenteils zufrieden“), eine hohe Zwei-Punkte-Quote (77 Prozent), die Rebound-Dominanz und 64 Punkte in der Zone fand der Coach aber auch ein paar Haare in der Suppe. Er meinte die 18 Ballverluste und einige Nachlässigkeiten in der zweiten Halbzeit, als Rasta den Gegner auf zehn Punkte rankommen ließ (84:74, 93:83). „Wir haben etwas nachgelassen. Wir müssen lernen, fokussierter zu bleiben. Aber der Pokal ist noch Teil der Vorbereitung“, sagte Päch. Weiter geht's am Wochenende mit den Spielen zwei und drei in der Gruppe B – am Samstag gegen Göttingen, am Sonntag gegen Frankfurt. Der Gruppensieger erreicht das „Final Four“ am 1./2. November in München. Dort wird Rasta auf jeden Fall am 8. November auflaufen – dann zum Start der neuen BBL-Saison.

Effektiver Neuling: Rastas Will Vorhees (rechts).Effektiver Neuling: Rastas Will Vorhees (rechts).

Während Rasta die kommenden Aufgaben mit einem guten Gefühl angehen kann, ärgerte sich Ingo Freyer über den Fehlstart. „Wir haben die erste Halbzeit völlig verschlafen“, haderte Gießens Trainer: „Einige von uns müssen erst noch in dieser Liga ankommen und sehen, wie hart hier dann doch gespielt wird. Das Rebound-Verhalten zum Beispiel war katastrophal.“

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