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Portugal? Vorne absolute Weltklasse, hinten furchteinflößend

EM-Kolumnist Oliver Hüsing ist guten Mutes. Er sagt: „Die deutsche Mannschaft strahlt aus, dass sie weiß, was sie tut.“ Aber: Bei den Standards gibt's viel Luft nach oben.

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Ich freue mich riesig, dass es wieder losgeht. Wir sind in Heidenheim am Freitag mit einem Laktattest in die Saisonvorbereitung gestartet. Es war eine heiße Angelegenheit und der Auftakt für eine intensive Zeit. Aber am Samstagabend sitzen wir natürlich alle vor dem Fernseher, um hoffentlich ein erfolgreiches Spiel gegen Portugal zu sehen. Ich bin guten Mutes.

Ich hab' den Eindruck, dass die Mannschaft die Aufgabe selbstbewusst angeht, dass sie um die eigenen Stärken weiß, was mir gefällt. So musst du als Mannschaft auftreten. Drumherum hab' ich schon das Gefühl, dass Deutschland extrem kritisch gesehen wird. Einiges, aber nicht alles, ist ja auch zutreffend. Als Team ist es wichtig, dass man intern alles anspricht, offen und kritisch miteinander umgeht, den Finger in die Wunde legt, aber trotzdem das Selbstvertrauen behält. Von dem, was alles geschrieben wird, darf man sich nicht beeinflussen lassen. Die Mannschaft bleibt bei sich, das finde ich gut. Sie strahlt aus, dass sie weiß, was sie tut. Nur so geht's auch.

Portugal ist vom Papier her nicht ganz so stark wie Frankreich, aber deren Offensivreihe mit Cristiano Ronaldo, Bernardo Silva von ManCity, Bruno Fernandes von ManUnited und Diogo Jota von Liverpool ist absolute Weltklasse. Und hinten drin noch Ruben Dias, der Spieler der Saison in der Premier League, und der furchteinflößende Pepe. Puuh, das ist ein richtig dickes Brett. Ich denke, dass Portugal auch abwartend spielen wird, aber nicht so abwartend wie Frankreich.

Ob sich taktisch bei uns etwas ändert, ist schwer zu sagen. Die Debatte, ob Vierer- oder Dreierkette, ist für mich auch nicht so entscheidend. Wichtig ist, dass die Grundtugenden stimmen. Also mutig sein, selbstbewusst sein, aktiv sein – so wie gegen Frankreich. Personelle Wechsel zu prognostizieren, ist von außen schwierig. Wir sind nicht so dicht dran. Ich hab' schon Vertrauen in den Bundestrainer. Er sieht die Jungs ja jeden Tag im Training, spricht mit ihnen, fragt sie, wo sie sich am wohlsten fühlen, was ihnen am meisten Stabilität gibt. Und er wird auch Kimmich fragen, was im Sinne des Teamerfolgs am besten ist.

Ich denke, dass er personell nicht viel ändern wird. Ich würde mir nach wie vor Goretzka wünschen. Mit seinen tiefen Laufwegen und seiner Physis würde er der Offensive guttun. Ich hab' vernommen, dass er eine Option im Laufe des Spiels ist. Daher glaube ich, dass sich nur in der offensiven Dreierreihe etwas ändern könnte, vielleicht auf ein, zwei Positionen. Der Rest bleibt, und das finde ich auch in Ordnung.

Toni Kroos hab' ich nach dem ersten Spiel ja gelobt, und dabei bleibe ich auch – mit Ausnahme der Standards. Er könnte sich allerdings häufiger deutlich höher anbieten, weil wir mit Mats Hummels einen super Aufbauspieler haben. Von Ilkay Gündogan würde ich mir auch noch mehr Tiefe wie bei ManCity sowie Halbraumangebote wünschen – so wie es die Italiener fast in Perfektion machen. Sie bereiten mir bislang am meisten Spaß, aber das ist ein Thema für eine spätere Kolumne.

Zurück zu Kroos und den Standards. Er kann das besser, und es muss auch besser werden. Ecken und Freistöße sind so wichtig. Auch als Signale an den Gegner. Wir kennen das in Heidenheim. Alle Teams in der 2. Liga legen darauf sehr viel Wert. Wir verfügen nicht unbedingt über die fußballerische Qualität wie andere, daher sind Standards bei uns in der Liga unfassbar wichtig. Aber das gilt auch für so eine EM.

Zur Diskussion, ob zu viel klein-klein gespielt und zu selten geschossen wird, sage ich: Aus der zweiten Reihe zu schießen, ist ein wichtiges Element. Es muss aber durchdacht sein, dann ist so ein Versuch auch ein Zeichen an den Gegner, dass man da ist, dass man diesen Mut hat. Aber manchmal kann es auch verzweifelt aussehen. Das hängt von der Situation ab.

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