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Pokalheld Simon Engelmann: Schlaflose Nacht nach dem Schuss ins Glück

Der 31 Jahre alte Torjäger aus Visbek hat RW Essen ins DFB-Pokal-Viertelfinale geschossen. Bei OM online spricht er über die Sensation gegen Leverkusen und den Regionalliga-Hit am Samstag.

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Matchwinner: Simon Engelmann nach dem 2:1. Foto: dpa/Meissner

Matchwinner: Simon Engelmann nach dem 2:1. Foto: dpa/Meissner

Die Rückkehr in den Alltag kam ruck, zuck. Keine Zeit zum Durchschnaufen, keine Zeit zum Genießen des historischen Moments. Matchwinner Simon Engelmann und die anderen Pokalhelden von RW Essen standen bereits am Mittwoch um 11.00 Uhr wieder auf dem Trainingsplatz. Denn: Nur vier Tage nach dem Coup im DFB-Pokal-Achtelfinale gegen Bayer Leverkusen (2:1 nach Verlängerung) steigt für den 31 Jahre alten Torjäger aus Visbek und seine Teamkollegen das Spitzenspiel in der Fußball-Regionalliga West gegen Borussia Dortmund II (Sa., 14.00 Uhr). Essen, angetreten mit dem Ziel Drittliga-Aufstieg und nach 22 Spielen noch ungeschlagen, ist Tabellenzweiter mit 54 Punkten. Die BVB-Reserve liegt mit 56 Punkten aus 23 Spielen auf Platz eins. Zwischen Pokal-Euphorie und Liga-Hit spricht Engelmann, der gegen Leverkusen in der 117. Minute das umjubelte 2:1 erzielte, über ...

...den Siegtreffer gegen Bayer: „Eigentlich war ich mit den Kräften total am Ende. Cedric Harenbrock hat am Strafraum gedribbelt, ich laufe in die Gasse, er spielt den Ball super rein. Ich hab' ihn mit meinem starken rechten Fuß (Anm.: Engelmann ist eigentlich Linksfuß) perfekt getroffen. Dass er so unter die Latte geht, war natürlich super.“

...seinen Torjubel und den Tritt gegen die Eckfahne: „Die ganzen Emotionen sind rausgekommen. Ein unglaubliches Gefühl. Auf einmal war da die Eckfahne, und dann ist es so passiert.“

Der Jubel nach dem Siegtor: Simon Engelmann an der Eckfahne. Foto: dpaMeissnerDer Jubel nach dem Siegtor: Simon Engelmann an der Eckfahne. Foto: dpa/Meissner

...die Überprüfung im Kölner Keller und das quälende Warten: „Als ich gesehen habe, dass der Schiedsrichter das Zeichen für den Video-Referee gemacht hat, ist kurz die Welt zusammengebrochen. Es ging ja nicht um mein Tor, sondern darum, ob Leverkusen vorher einen Elfmeter hätte bekommen müssen. Kein 2:1, dafür Elfmeter für Leverkusen – das wäre echt ein Schlag ins Gesicht gewesen. Ich bin froh, dass es für uns entschieden wurde. Und wir hätten uns nicht beschweren können, wenn's Elfmeter gegeben hätte.“

...sein Spiel bis zur 117. Minute: „Ich hatte im Angriff wenig Aktionen, eigentlich gar keine. Ich hab' nur Defensivarbeit verrichtet. Das war ja auch vorher klar, wenn der Gegner so eine große spielerische Qualität hat. Ich hatte schon darauf gehofft, dass wir zwei, drei richtige Kontersituationen bekommen, aber die gab's nicht. Das 2:1 war mein erster Torschuss. Mir war auch vorher klar: Wenn ich eine Chance bekomme, muss die sitzen.“

...mögliche Gedanken an ein Elfmeterschießen: „In der zweiten Halbzeit hat uns Leverkusen schon brutal reingedrückt. Wir wollten uns irgendwie in die Verlängerung retten. Nach dem 0:1 waren wir einfach nur froh, dass wir sofort das 1:1 gemacht haben. Dann wollten wir irgendwie ins Elfmeterschießen kommen. Zum Glück hat's dann den Lucky Punch gegeben.

...Leverkusens vier Pfostentreffer und den Teufelskerl Daniel Davari im Tor der Essener: „Wenn man so einen Top-Bundesligisten wie Leverkusen aus dem Pokal werfen will, braucht man auch Glück. Das hatten wir. Wahnsinn, was Daniel alles gehalten hat. Als Team hast du dann einfach das Gefühl, dass der Typ da hinten im Tor heute unüberwindbar ist. Wir haben immer mehr daran geglaubt.“

...den Interview-Marathon nach dem Schlusspfiff: „Da war schon einiges los. Ich war erst bei Sky und der ARD, danach warteten noch einige Reporter von den lokalen Zeitungen. Ich hab' aber versucht, so zügig wie möglich in die Kabine zu kommen.“

...die Party in der Kabine: „Wir saßen schon noch etwas länger zusammen. Die Catering-Firma hat uns das Essen in die Kabine geliefert, und das eine oder andere Kaltgetränk gab's auch. Es war aber längst nicht so wild wie nach den Spielen gegen Bielefeld und Düsseldorf. Wir haben schließlich am Samstag ein sehr wichtiges Spiel.“

...das Kopfkino in der Nacht: „Ich hab' kaum geschlafen, maximal anderthalb Stunden. Ich hab' mich von links nach rechts gewälzt, mir ist so viel aufs Bett nachgekommen. Man ist zwar echt kaputt, aber noch voll mit Adrenalin und total aufgedreht.“

...den Trubel am Tag danach: „Beim Training war richtig was los. Sky, RTL, Sport1 – alle wollten was wissen. Das ist dann auf einmal eine ganz andere Welt.“

...die Reaktionen aus der Heimat: „Als ich irgendwann abends in der Kabine auf mein Handy geguckt habe, waren es über 200 Nachrichten. Alle haben mitgefiebert und gratuliert. Darüber hab' ich mich sehr gefreut.“

...die Euphorie in Essen: „Wir wohnen ja relativ dicht an der Innenstadt. Meine Frau hat erzählt, dass es ein riesiges Feuerwerk in der Stadt gab, dazu Autokorso und Hupkonzerte. In der Kabine haben wir davon nicht so viel mitbekommen. Mit Ausnahme natürlich der ganzen Videos, die uns geschickt wurden. Schon krass, was da los war.“

...die Herkulesaufgabe für den Platzwart an der Hafenstraße: „Oh ja, der ist echt nicht zu beneiden. Ich hoffe, dass er nicht hingeworfen hat. Wir haben uns am Mittwoch beim Training den Rasen im Stadion mal angeguckt. Ein Acker, der ist einmal komplett umgepflügt worden.“

Die Entscheidung in Essen: Simon Engelmann trifft zum 2:1. Foto: dpaMeissnerDie Entscheidung in Essen: Simon Engelmann trifft zum 2:1. Foto: dpa/Meissner

...den Wunschgegner für das Viertelfinale am 2. oder 3. März: „Wir sind im Viertelfinale, das ist der Wahnsinn. Eigentlich ist es jetzt völlig egal, wer der nächste Gegner ist. Wir haben gegen Leverkusen gezeigt, dass alles möglich ist. Ich bin gespannt. Wir nehmen es so, wie es kommt.“

...das Regionalliga-Topspiel am Samstag gegen Dortmund II: „Es ist schwer, nach so einem Highlight im Pokal den Fokus wieder auf die Liga zu legen. Aber wir haben keine andere Wahl. Das Spiel gegen Dortmund II ist extrem wichtig für uns und für unser Ziel 3. Liga. Wir wollen es unbedingt gewinnen. Es wird ja wohl ein Zweikampf um Platz eins bleiben, daher wäre ein Sieg enorm wertvoll.“


Simon Engelmann im DFB-Pokal:

  • Saison 2018/19: Mit dem SV Rödinghausen gab's im Erstrundenspiel gegen Dynamo Dresden einen 3:2-Sieg nach Verlängerung. Engelmann erzielte dabei das 2:2 (45.+1). In Runde zwei folgte ein 1:2 gegen Bayern München.
  • Saison 2019/20: Engelmann verlor mit Rödinghausen das Erstrundenspiel gegen den SC Paderborn mit 2:4 im Elfmeterschießen; nach 90 und 120 Minuten hatte es 3:3 gestanden. Engelmann traf dabei zum 1:2 (53.).
  • Saison 2020/21: In Runde eins feierte RW Essen einen 1:0-Sieg gegen Arminia Bielefeld. Engelmann traf dabei in der 33. Minute. In Runde zwei folgte ein 3:2-Erfolg gegen Fortuna Düsseldorf, Engelmann erzielte erneut das 1:0 (15.). Im Achtelfinale dann am Dienstag das sensationelle 2:1 nach Verlängerung gegen Bayer Leverkusen – mit Engelmanns Siegtor in der 117. Minute.

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