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Philipp Herkenhoff verlässt Rasta Vechta in Richtung Ulm

Der 21-Jährige spielte seit 2015 in Vechta und freut sich nun auf den „Tapetenwechsel“. Er erhält in Ulm einen Dreijahresvertrag. Rasta meldete auch einen Neuzugang: Sheldon Eberhardt aus Leverkusen.

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Von Vechta nach Ulm: Philipp Herkenhoff (rechts) verlässt Rasta nach sechs Jahren. Foto: Schikora

Von Vechta nach Ulm: Philipp Herkenhoff (rechts) verlässt Rasta nach sechs Jahren. Foto: Schikora

Der nächste Abgang ist fix, der nächste Neuzugang aber auch: Bei Rasta Vechta geht es in Sachen Kaderplanung für die neue Saison in der 2. Basketball-Bundesliga ProA peu à peu voran. Der Absteiger aus der 1. Liga gab am Freitag bekannt, dass Nationalspieler Philipp Herkenhoff den Verein nach sechs Jahren verlässt. Der 21-Jährige bleibt in der BBL und wechselt zu Ratiopharm Ulm.

Rastas zweiter Neuzugang nach Robin Lodders (aus Jena) ist indes der Deutsch-Amerikaner Sheldon Eberhardt, der vom ProA-Vizemeister Bayer Leverkusen kommt. Nachfolgend alles Wichtige rund um die Personalien und die 2. Liga ProA:

Wie lief der Herkenhoff-Deal? Es war kompliziert. Der 21-Jährige, der derzeit mit der Nationalmannschaft beim Supercup in Hamburg im Einsatz ist, hatte in Vechta noch einen Vertrag bis 2022, der auch für die ProA gültig war. Eine Zukunft in der 2. Liga kam für Herkenhoff, der 2017 einen Fünfjahresvertrag bei Rasta unterschrieben hatte und nach OM-Medien-Informationen zu einem der Topverdiener aufgestiegen war, aber nicht in Frage. Die Gemengelage war durchaus komplex, nun ist die Kuh vom Eis. Ulm kaufte Herkenhoff aus dem Vertrag, über die Höhe der Ablöse wurde Stillschweigen vereinbart.

Wie sind die Reaktionen? „Rasta ist der Klub meiner Jugend, den ich immer in Erinnerung behalten werde. Rasta hat mich immer unterstützt, immer an mich geglaubt“, sagt Herkenhoff, der am 28. November 2015 sein Profi-Debüt für Rasta gab. Der Power Forward aus Hagen am Teutoburger Wald absolvierte 144 Spiele für Rasta, 86 in der 1. Liga, drei im BBL-Pokal, 14 in der Champions League und 41 in der ProA. Nun aber sei die Zeit reif gewesen für einen „Tapetenwechsel“, so Herkenhoff. Er erhielt in Ulm einen Dreijahresvertrag und sagt: „Ulm bietet herausragende Trainingsmöglichkeiten, tolle Trainer und hat großartige Fans. Dazu steht mit dem Orange-Campus die beste Facility in ganz Deutschland, vielleicht sogar in ganz Europa zur Verfügung. Ich bin fest davon überzeugt, dass Ulm der perfekte Standort für die nächsten Schritte in meiner Karriere ist.“

Ulms Sportdirektor Thorsten Leibenath meinte: „Philipp gehört zu den talentiertesten jungen deutschen Basketballern und wir freuen uns sehr, dass er sich in den kommenden Jahren bei und mit uns weiterentwickeln will.“ Rastas Klubchef Stefan Niemeyer hielt fest: „Verlässt ein sehr guter, immer noch junger und einfach hochtalentierter Spieler den Klub, ist das immer schade. Zumal Philipp noch dazu ein toller Mensch ist, der hier in den ganzen Jahren absolut vorbildlich gearbeitet hat. Aber es ist eben auch klar, dass Rasta Vechta für einen Profi seines Kalibers nicht das Ende der Fahnenstange ist. Ich bin froh, dass wir ihn ein ganzes Stück auf seinem Weg fördern konnten.“ Ähnlich äußerte sich Rastas Coach Derrick Allen: „Natürlich sind wir traurig, dass Philipp geht. Er ist hier groß geworden, besser geworden. Aber er hat sich diese Chance verdient.“

Sheldon Eberhardt – was muss man über ihn wissen? Der 25-jährige Shooting Guard ist nach Robin Lodders und Jannes Hundt der dritte Spieler, den Rasta unter Vertrag hat. Eberhardt, geboren im baden-württembergischen Pforzheim und aufgewachsen in Deutschland sowie in den USA, war Leistungsträger in Leverkusen. In der Hauptrunde der Saison 2020/21 machte er 8,8 Punkte pro Spiel, in den Playoffs sogar 15,5 (mit einer Dreier-Quote von 45,5 Prozent).

„Sheldon ist ein guter Werfer, kann ins Eins-gegen-eins gehen und auch solide verteidigen. Wir können ihn flexibel auf zwei Positionen einsetzen, außerdem kommt er von einem siegreichen Klub – er weiß, wie man gewinnt“, sagt Allen. Kurios: Als junger Fan der BG Karlsruhe feuerte Eberhardt von 2004 bis 2006 seinen heutigen Coach an. Von 2015 bis 2019 spielte der 1,96 m große Guard für die Elon University (North Carolina), gefolgt von einem dreimonatigen BBL-Engagement beim Mitteldeutschen BC (fünf Spiele), ehe er im November 2019 nach Leverkusen wechselte. Mit Blick auf Rasta sagt er: „Das, was der Coach spielen lassen will, passt zu mir. Wir wollen in der Defense aggressiv sein und schnell in unsere Angriffe kommen.“ Um die Erwartungshaltung weiß er: „Ich denke, dass wir um den Aufstieg mitspielen wollen.“

Neu bei Rasta: Sheldon Eberhardt (rechts) kommt aus Leverkusen nach Vechta. Foto: ProANeu bei Rasta: Sheldon Eberhardt (rechts) kommt aus Leverkusen nach Vechta. Foto: ProA

Wer wird Allens Co-Trainer? Die Suche läuft noch. Allen ist guter Dinge, dass schon bald Vollzug gemeldet werden kann. Fakt ist: Der bisherige „Co“ Mauricio Parra, den Allen direkt nach seinem Amtsantritt am 29. März nach Vechta gelotst hatte und mit dem er gerne weiter zusammengearbeitet hätte, schlug das Rasta-Angebot aus und bleibt in der BBL. Der Spanier ist neuer Co-Trainer von Raoul Korner bei Medi Bayreuth. Bei Rasta ist außerdem klar, dass der bisherige 2. Assistant Coach Marius Graf sowie Athletiktrainer Andreas Finsinger nicht dem künftigen Trainerstab angehören werden.

Wie weit sind eigentlich die Nachbarn aus Quakenbrück? Die Artland Dragons haben bislang sechs Spieler für die Saison 2021/22 unter Vertrag. Zach Ensminger, Adrian Breitlauch, der ehemalige Rastaner Chase Griffin, Jacob Knauf und Leon Okpara sind weiter dabei. Erster Neuzugang des Ex-BBL-Klubs ist Jonas Weitzel aus Würzburg. Am Donnerstagabend gaben die Dragons die Abgänge zwei bis fünf bekannt. Nach Robert Oehle werden auch der Litauer Danielius Lavrinovicius, die beiden Amerikaner Gerel Simmons und Quadir Welton sowie Marius Lau in der neuen Saison nicht mehr für Quakenbrück auflaufen. Simmons war mit 19,6 Punkten der Topscorer der ProA.

Was tut sich sonst bei den anderen Liga-Gefährten? Die Rostock Seawolves präsentierten mit Gabriel de Oliveira von den Telekom Baskets Bonn ihren ersten Neuzugang. Rostock hat bereits sieben Spieler unter Vertrag, darunter den Ex-Rasta-Guard Chris Carter. Ehingen/Urspring holte derweil mit dem Kanadier Munis Tutu seinen neuen Spielmacher. Die Uni Baskets Paderborn müssen indes den Abgang von Kapitän Ivan Buntic (29) verkraften. Der Center, seit 2014 in Paderborn, hat sich schwer am Knie verletzt und beendet seine Karriere. Lars Lagerpusch (zuletzt Schwenningen) feiert im Gegenzug in Paderborn sein Comeback nach einer langen Pause. Die Gladiators Trier präsentierten in Garai Zeeb (Braunschweig), Enosch Wolf (Tübingen) und Jonas Niedermanner (Schwenningen) bereits drei Neuzugänge. Ex-BBL-Klub Science City Jena hat in Domenik Reinboth einen neuen Trainer. Reinboth, zuvor seit 2015 in Ehingen, beerbt Frank Menz. Die Bild-Zeitung bezeichnete Reinboth sofort als „Machtlos-Trainer“. Der Grund: Akademieleiter Torsten Rothämel ist dem Chefcoach gleichgestellt und benennt gleich vier der zwölf Kaderpositionen. Menz wollte diesen Weg wohl nicht mitgehen.

Wann beginnt die Saison? Geplant ist, dass die Spielzeit am dritten September-Wochenende (17. bis 19.9.) startet. Die Liga tagt am 10. Juli, um alles auf den Weg zu bringen. Rasta-Trainer Allen plant nach jetzigem Stand mit einem Trainingsauftakt am 2. oder 3. August.

Ist das Teilnehmerfeld der ProA eigentlich komplett? Meister Heidelberg hat die 2. Liga in Richtung BBL verlassen, Absteiger gab's wegen Corona nicht. Neu dabei sind neben Rasta noch die beiden Aufsteiger aus der ProB, der VfL Bochum und die Itzehoe Eagles. In Summe ist es nun eine 17er-Staffel. Der Aufstieg der Eagles, die seit 2015 von Pat Elzie trainiert werden, hing zuletzt am seidenen Faden. Grund: In Itzehoe gibt's keine ProA-taugliche Halle mit 1500 Plätzen. Der Klub suchte in Neumünster und Hamburg – ohne Erfolg. Die Lösung fand sich im Heimatkreis Steinburg: die Sporthalle in Brokdorf, 18 km von Itzehoe entfernt. Die Stadt Itzehoe unterstützt die Eagles beim Umzug mit bis zu 100.000 Euro. Die Fördersumme ist nicht nur für die Hallengebühren gedacht, sondern auch für Investitionen (Standkorbanlagen, LED-Bande).

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