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Paralympics 2024 – noch ein ferner Traum

Der Lohner Blindenfußballer Alexander Fangmann befindet sich in der Bundesliga-Warteschleife. Sein  Vertrag als Inklusionsmanager wurde verlängert.

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Unter Fußball-Ikonen: Alexander Fangmann (Mitte) mit Otto Rehhagel (links) und Uwe Seeler.  Fotos: Kobow / Sepp-Herberger-Stiftung

Unter Fußball-Ikonen: Alexander Fangmann (Mitte) mit Otto Rehhagel (links) und Uwe Seeler.  Fotos: Kobow / Sepp-Herberger-Stiftung

Der Fußball steht auch für den Lohner Alexander Fangmann still. Doch für den 35-jährigen Kapitän der deutschen Blindenfußball-Nationalmannschaft hat sich in letzter Zeit einiges bewegt. Sein im Sommer auslaufender Zwei-Jahres-Vertrag als Inklusionsmanager beim Württembergischen Landessportbund (WLSB) in seinem Wohnort Stuttgart wird verlängert – er wird sich also im Anschluss an die zweijährige Projektstelle auch weiter um die Inklusion im Sport kümmern. Zudem wurde Alexander Fangmann inzwischen ins Kuratorium der Sepp-Herberger-Stiftung berufen, wo er ebenfalls im Sinne seines Sports tätig wird. Und was seine große Leidenschaft Blindenfußball angeht, hat er gerade erfahren, dass der für Anfang Mai vorgesehene Bundesliga-Saisonstart auf den 12. September verlegt wird – wo eigentlich das Saisonfinale geplant war. „Dann wird es eine komprimierte Saison geben. Und obwohl wir in der letzten Saison nur Fünfter waren, wollen wir wir wieder zu den Favoriten zählen“, sagt der 35-Jährige.

In seinem Element: Alexander Fangmann (schwarze Kleidung) für den MTV Stuttgart in der Bundesliga gegen den FC St. Pauli.In seinem Element: Alexander Fangmann (schwarze Kleidung) für den MTV Stuttgart in der Bundesliga gegen den FC St. Pauli.


Sechs Teams sind in der Runde dabei, bis zum 24. Oktober soll gespielt werden, am letzten Tag gibt es wieder drei Platzierungsspiele, diesmal zentral in Magdeburg. Nach insgesamt sechs Meisterschaften mit dem MTV Stuttgart ging Alexander Fangmann, der mit acht Jahren nach einer Netzhautablösung erblindete, mit seinem Team 2019 in einem engen Rennen leer aus. „Es gab mehrere Gründe“, schaut der frühere Jugendkicker von BW Lohne zurück: „Einer war, dass es im EM-Jahr für einige Spieler von uns Mehrbelastungen gab.“ Aber es werde beim MTV gute Arbeit geleistet, deswegen sei er guter Dinge.

Die Schlagzahl im Training sei mit Blick auf den ursprünglichen Saisonstart gerade erhöht worden, als der Lockdown kam. „Wir waren gerade dreimal die Woche dabei, dann kam die Bremse“, berichtet Fangmann. Seitdem ist Eigeninitiative gefragt. Da er selbst kein allzu großer Fan reinen Ausdauertrainings sei, sondern eher klassischer Fußballer, falle ihm das schwer, räumt er ein. Zudem gebe es für Blindenfußballer ein Problem, auf ungewohntem Boden zu trainieren. Auch Trainingsvideos müssten gut getextet sein, um Anleitungen richtig umzusetzen. „Anfangs hatten wir Video-Treffen hauptsächlich, um den sozialen Kontakt im Team zu halten“, erzählt Alexander Fangmann, der seit Mitte letzten Jahres mit seiner langjährigen Gefährtin Paola aus Stuttgart verheiratet ist. Man könne nun aber bald zurück auf die Laufbahn, wo er mit einem Blindenstock entlang der Markierung gut laufen könne.

Sitzungsrunde: Alexander Fangmann bei der Sepp-Herberger-Stiftung.Sitzungsrunde: Alexander Fangmann bei der Sepp-Herberger-Stiftung.


Alexander Fangmann hatte als engagierter Behindertensportler immer schon einen guten Kontakt zur Sepp-Herberger-Stiftung, die sich laut Satzung um den Behindertenfußball, die Resozialisierung von Strafgefangenen, um Schulen und Vereine sowie um das DFB-Sozialwerk kümmert. „Wir standen in einem guten Austausch, da hat Geschäftsführer Tobias Wrzesinski mich dann gefragt, ob ich nicht im Kuratorium mitmachen möchte“, beschreibt Alexander Fangmann die Anfänge. Er sagte zu. Rund 25 Mitglieder sind dabei, unter anderem Horst Eckel, Uwe Seeler, Otto Rehhagel, Jens Nowotny, Reinhold Beckmann oder Lars Klingbeil. An zwei Sitzungen in Frankfurt und Berlin hat der gebürtige Lohner schon teilgenommen.

"Aber zumindest auf dem Weg  nach Paris wäre ich   gerne dabei."Alexander Fangmann


Mit 35 Jahren ist Alexander Fangmann in diesem Gremium eher ein Jungspund. Als Fußballer bewegt er sich dagegen schon im gesetzten Alter, obwohl er lachend anmerkt, dass in seinem Team auch noch ein 41-Jähriger spiele. Aber bisher sei er ohne Verletzungen durch die Laufbahn gekommen und so lange er mithalten könne, werde er dabei bleiben: „Es ist eben meine Leidenschaft.“ Natürlich ist da auch die Erfahrung, die er in seiner Bescheidenheit fast vergisst.

Diesbezüglich schließt Alexander Fangmann auch nicht aus, noch einen Anlauf auf die Paralympics zu nehmen. 97 Länderspiele und 31 Tore sprechen auf jeden Fall dafür, dass er das Team für Paris 2024 zumindest anschieben kann, nachdem im vergangenen Jahr bei der EM die Qualifikation für Tokio – jetzt 2021 – verpasst wurde: „Ich habe mir ehrlich gesagt noch keine Gedanken darüber gemacht. Aber zumindest auf dem Weg nach Paris wäre ich gerne dabei.“

Wegen Corona fallen derweil Heimatbesuche zurzeit aus. „Dabei hätten jetzt und im Sommer einige Familienfeiern in Lohne angestanden“, sagt Alexander Fangmann, so wie am Montag der 80. Geburtstag von Onkel Werner. Aber das muss zurückstehen – und wird wiederkommen. Wie der Fußball.

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